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Roenie Probst, Sachbearbeiter im Fundbüro Kassel, hält ein gefundenes Gebiss in der Hand.

Zigtausend Objekte

Von Kanu bis Zahnersatz: In Hessens Fundbüros landen kuriose Dinge

Vieles wird verloren, einiges gefunden, relativ wenig abgeholt. In Hessens Fundbüros stapeln sich jedes Jahr Tausende Gegenstände. Manchmal ist sogar ein Schatz dabei.

Das Kasseler Fundbüro ist nicht leicht zu finden: Durch eine frühere Ladenpassage geht es eine Treppe hinab in kellerartige Räume. Doch der Weg lohnt sich - wenn man seine Zahnprothese verloren hat, seinen Rollstuhl oder seine 40 000-Euro-Armbanduhr. Solche Fälle hat Fundbüro-Mitarbeiter Roenie Probst erlebt. Selbst ein meterlanges Kanu war dabei. "Es gibt nichts, was es nicht gibt", sagt er.

Auch imZeitalter der sozialen Netzwerke sind Fundbüros nicht überflüssig geworden. Zwar verbreiteten Finder ihre Funde auch in sozialen Netzwerken, doch das Fundbüro sei weiter wichtige Anlaufstelle. Die Zahl der Fundstücke nehme tendenziell sogar zu, sagt Probst. 10 000 Fälle sind pro Jahr in Kassel zu bearbeiten. Früher habe das Fundbüro einen Mitarbeiter gehabt, heute sind es zwei plus Aushilfe. Dass mehr vergessen und verloren wird, liege am stressigen Alltag, vermutet Probst.

Zudem sind im Laufe der Jahre neue Gegenstände hinzugekommen, die man verlieren kann: Allein 60 Handys landen pro Monat im Kasseler Fundbüro. Darunter sind Billigmodelle, aber auch teure Smartphones. Diese werden nicht nur erfasst, sondern auch mit der Polizei abgeglichen. Eine Zahlenkombination im Inneren ermöglicht, gestohlen gemeldete Handys zu erkennen.

Wertvolle Smartphones wecken Begehrlichkeiten. Auch mit Trittbrettfahrern, die fälschlicherweise vorgeben, ein Handy verloren zu haben, haben die Mitarbeiter des Fundbüros zu tun. Allerdings gebe es Sicherungen gegen Betrüger. So werden nicht alle Details in der online einsehbaren Fundanzeige genannt.

Wer etwas verloren hat, sollte eine genaue Beschreibung oder am besten eine Kaufquittung parat haben, rät Probst. Die richtige Reihenfolge für Finder sei: "Erst die Fundanzeige, dann Facebook." Denn wer alle Details eines Fundes im Netz postet, macht es dem Fundbüro schwer, Besitzer zu verifizieren. Ein Problem seien auch kommerzielle Anbieter von Fundportalen im Internet. Einige griffen Daten der Fundbüros im Internet ab und verlangten von Nutzern Gebühren für eigentlich kostenlose Leistungen.

Gelegentlich sind kleine Schätze unter den Fundsachen: Eine Uhr sei von einem Juwelier mal auf 40 000 Euro geschätzt worden, sagt Probst. Auch 10 000 Euro in bar wurden schon gefunden. Was nach sechs Monaten nicht an den Besitzer gebracht werden kann, wird vernichtet oder online auf dem Behördenportal Loprio versteigert. 12 000 bis 15 000 Euro bringe das pro Jahr, sagt Gregor Kirchner vom Ordnungsamt Kassel. Hinzukommen noch Verwaltungsgebühren, wenn gefundene Gegenstände zurückgegeben werden. Das alles decke aber nicht die entstehenden Verwaltungskosten, erklärt Kirchner.

Die Zahl der Fundsachen schwankt von Stadt zu Stadt deutlich. 6075 Fundbuchnummern vergab Frankfurtim vergangenen Jahr. "Darunter sind viele Sammellieferungen, Börsen und Taschen, in denen sich mehrere Gegenstände befinden", sagt ein Sprecher. Man schätze die Zahl der Gegenstände auf 60 000 bis 90 000. Wenn man den Eigentümer ermitteln könne, würden die Gegenstände in der Regel abgeholt. Eine Angabe zur Abholungsquote macht die Stadt nicht. Die Versteigerung von Fundsachen brachte Frankfurt 2017 mehr als 37 000 Euro.

In Wiesbadenschwankte die Zahl der Fundsache zuletzt stark: 2015 waren es über 10 000, dann sank die Zahl auf 2000 bis 3000. In diesem Jahr werden es voraussichtlich 4300 Fundsachen sein, erklärte ein Stadtsprecher. Rund 30 Prozent werden abgeholt. Nach Ende der Aufbewahrungsfrist gibt es verschiedene Verwertungen: Versteigerungen brachten 2017 rund 25 000 Euro. Nicht mehr hygienische oder defekte Fundsachen werden vernichtet. Manche Gegenstände werden für karitative Zwecke gespendet, Bargeld geht an die Stadtkasse.

1800 Fundstücke landen jährlich in Darmstadtim Fundbüro. 700 würden abgeholt, sagte eine Sprecherin. Nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist würden die brauchbaren Gegenstände versteigert, teilweise karitativen Einrichtungen gespendet, der Rest vernichtet. "Die Versteigerung bringt jährlich zwischen 3000 und 5000 Euro ein", erklärte die Stadt.

Auf 1200 pro Jahr beziffert Fuldadie Zahl der Fundsachen. Etwa 30 Prozent würden abgeholt. "Der Finder kann auf Wunsch, nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist, das Eigentum an der Fundsache erwerben", sagt eine Stadtsprecherin. Bei Schlüsseln, Handys und Laptops sei das aus Gründen des Datenschutes allerdings nicht möglich. Habe der Finder kein Interesse, würden unbrauchbare Gegenstände vernichtet. Öffentliche Versteigerungen seien selten, weil der Aufwand zu groß und der voraussichtliche Ertrag meist zu klein sei.

Die meisten kommunalen Fundbüros sind im Internet zu finden. Dort können oft Fundsachen eingesehen werden. Die Ausnahme ist Frankfurt: "Ein virtuelles Fundbüro bedeutet bei den hohen Fundzahlen einen nicht zu stemmenden Aufwand an Datenpflege", sagt ein Sprecher.

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