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Liesel Simon in Aktion

Kasper, Teufel – und Nazis

In der Weimarer Republik packte sie die Kasperklatsche aus – und musste als Jüdin vor den Nationalsozialisten flüchten. Nun erinnert das Historische Museum an Liesel Simon.

Der Teufel sieht recht furchterregend aus, sein gelbes Gesicht, die schwarzen Hörner und statt Händen wachsen ihm Hühnerkrallen aus seinem Gewand. Der Polizist mit seiner Uniform sieht schon freundlicher aus und das Kasperle mit seiner roten Zipfelmütze lacht sogar. Diese Puppen gehörten der Frankfurterin Liesel Simon. Mit Fotografien und original Tonaufnahmen werden die 13 Figuren im Historischen Museum im biografischen Kabinett in der Dauerausstellung „Frankfurt Einst“ gezeigt.

Liesel Simon (1887-1958) war eine der ersten professionellen Puppenspielerinnen in Deutschland. Nach Frankfurt kam sie um 1910 und heiratete den Kaufmann Paul Simon, mit dem sie zwei Söhne bekam. In ihrer geräumigen Wohnung im Oeder Weg, richtete sie in den 1920er Jahren ein Kasperl-Theater ein, das sehr beliebt war. Durch Auftritte im Rundfunk wurde sie überregional bekannt. „Sie war sehr erfolgreich und ihre Stück waren gut besprochen“, sagt Hannah Eckard.

Die Historikerin recherchiert über viele Jahre zu der Frankfurterin und ihrer Familiengeschichte. Sie suchte online und in Archiven, findet etwa eine alte Schellackplatte ihrer Stücke, die ein Schweizer Sammler anbietet. In der Ausstellung wird es Hörproben davon geben. Eckhardt spürte auch Verwandte von Simon auf. „Die erzählten mir alles, was sie noch wussten.“ Im Sommer 2015 schließlich schenkte eine der Enkelinnen, Marcia Alvarez Simon, die Puppen dem Historischen Museum .

In ihrem Theater habe Simon als Unternehmerin gewirkt, bearbeitete als Dramaturgin Märchen und Theaterstücke. Die Puppen ließ sie von Künstlern und die Dekoration von Theatermalern gestalten. Mit einer transportablen Bühne ging sie deutschlandweit auf Tournee.

Im Jahr 1933 erhielt Simon als jüdische Künstlerin Berufsverbot und durfte nur noch im Rahmen jüdischer Kulturbünde auftreten, sagt Eckardt. Im Jahr 1941 floh sie mit einem der letzten Schiffe nach Ecuador, wo bereits einer ihrer Söhne nach seiner Flucht lebte. Ihr anderer Sohn überstand die NS-Diktatur in Frankreich, ihr Ehemann wurde in Auschwitz ermordet.

Enkelin Alvarez freut sich, dass ihrer Großmutter eine Ausstellung gewidmet wird. „Nun sind die Puppen dort, wo sie hingehören und wo sie einst gefertigt wurden.“ Damals hätten sie Kindern und ihr selbst große Freude bereitet, nun den Besuchern.

Schau und Führung

„Seid ihr alle da?“, die Schau zu Liesel Simon, ist ab jetzt im biografischen Kabinett des Historischen Museums, Saalhof 1, zu sehen. Eine Führung am Sonntag, 23. September, um 15 Uhr dreht sich um Spielzeug und Spielen in Frankfurt. Den Rundgang leitet Kuratorin Nina Gorgus.

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