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Gestern Mittag war vor der Upper Zeil niemand am arbeiten.

Millioneninvest

Kaufhof könnte Upper Zeil kippen

Auf das neue Vorzeigeprojekt der Innenstadt fällt ein Schatten, noch bevor es startet. Angeblich will der Kaufhof nicht ins Geschäfts- und Bürogebäude Upper Zeil einziehen. Für Aufregung sorgt auch die Frage, wer die brisante Information nach außen getragen hat.

Die Meldung hat für Furore gesorgt. Zwar wollte sich gestern keine der beteiligten Firmen gegenüber dieser Zeitung äußern, aber die Drähte zwischen den Akteuren glühten, wie ein Insider erzählte. „Die Sache ist ein Hammer, die Aufregung groß.“

Der Kaufhof wolle seinen Vertrag als Hauptmieter in der Upper Zeil nicht erfüllen, hat die Immobilienzeitung am Mittwoch geschrieben und sich ihrerseits auf einen kundigen Informanten berufen. Auch der sprach von einer „Katastrophe“. Ohne Kaufhof dürfte das Projekt auf der Kippe stehen, der Imageschaden für Frankfurts Innenstadt als Marktplatz dürfte enorm sein. Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) war gestern für eine Einschätzung nicht zu erreichen.

Zum Weihnachtgeschäft dieses Jahres soll Upper Zeil eröffnet werden, zwei Entwickler – RFR aus Frankfurt und DC Value aus Hamburg –, der österreichische Investor Signa und Baufirmen hängen direkt mit drin. „Die spannende Frage ist doch: Wer hat die Nachricht durchsickern lassen mit welchem Ziel?“, sagte ein Insider gestern dieser Zeitung mit Hinweis darauf, dass das Verhältnis zwischen Kaufhof und dem Investor Signa schon seit längerem als angespannt gelte. Abgesehen davon bezweifeln Branchenkenner ohnehin, dass sich so viel Verkaufsfläche selbst auf dem vergleichsweise guten Frankfurter Markt auf Dauer lohne.

Ein Kaufhof-Sprecher teilte gestern auf Anfrage mit: „Zu Gesprächen und Verträgen mit Geschäftspartnern äußern wir uns grundsätzlich nicht öffentlich.“ Einzelhandelsexperten wie jene der Industrie- und Handelskammer und Frankfurter Makler für Geschäftsimmobilien winkten ebenfalls ab: „Zu Spekulationen kein Kommentar!“ Dass der Kaufhof einfach so aussteigen darf, könne ohne Einsicht in die Mietverträge eh nicht beurteilt werden, hieß es allgemein. „Solche Verträge sind mit zig Klauseln gespickt“, sagte einer. Der Projektleiter des beauftragten Bauunternehmens BAM war ebenfalls nicht zu erreichen. Er sei den ganzen Tag in wichtigen Verhandlungen. Gestern Mittag war von Bauarbeiten auf dem Gelände neben dem Kaufhof nichts zu sehen. Laut Immobilienzeitung seien bereits einige Aufträge und Arbeiten gestoppt worden.

Ein Blick auf die Historie des Standorts zeigt, was dort auf dem Spiel steht: Wo einst das Kaufhaus Schneider prosperierte und in den 90er Jahren mit großem Pomp die Zeilgalerie eröffnet wurde, war die jüngere Vergangenheit trist und scheint die Zukunft nicht gerade rosig. Als die Zeilgalerie nur noch vor sich hindämmerte, weil kaum mehr Kunden den Weg über die sich hochwindenden Galerien in die oberen Etagen fanden, schob man das noch auf die unzeitgemäße Architektur und Ladenstruktur. Heute weiß man, dass es ganz neue Konzepte braucht, um teure Gebäude in Innenstadtlagen zu vermarkten. Der klassische Einzelhandel, darin sind sich viele einig, dient langsam aber sicher aus.

In der Upper Zeil soll der Kaufhof immerhin noch Parterre und drei weitere Etagen bespielen, zwei sind nur über das Kaufhof-Haupthaus zu erreichen, gelten als „eingeschlossen“. Diese für den Kaufhof maßgeschneiderte Variante dürfte für andere Nutzer reichlich unattraktiv sein. Zudem beziehen Benneton, Vodafone und die polnische Modemarke Reserved untere Läden.

Zum neuen Konzept gehört, dass die oberen Etagen Büros beherbergen werden. Die Büroflächen oben werden an sogenannte Co-Worker vermietet, zumeist Freiberufler oder Start-ups. Zuständig dafür ist das US-Unternehmen Wework, ein Spezialist in diesem auf Flexibilität ausgerichteten Büromarkt. Bei Wework wiederum hat die US-amerikanische Kaufhof-Mutter Hudson’s Bay Company die Finger im Spiel.

Am Anfang dieser dichten Verflechtung stand die Initiative des Frankfurter Entwicklers RFR. Er kaufte die Zeilgalerie, begann vor gut zwei Jahren mit dem Abriss, entwarf zusammen mit dem Hamburger Entwickler DC Values das Konzept eines Geschäft- und Bürogebäudes, gewann als Hauptmieter Kaufhof und verkaufte 2017 die solcherart entwickelte Immobilie an den österreichischen Investor Signa.

Dass der Eigentümer des Kaufhof-Konkurrenten Karstadt ist, galt Beobachtern von Anfang an als „sensibles Thema“.

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