Für Fahrer von E-Autos in Frankfurt ist das Laden ihrer Fahrzeuge häufig ein Problem - es gibt nur wenig Ladestationen. (Symbolbild)
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Für Fahrer von E-Autos in Frankfurt ist das Laden ihrer Fahrzeuge häufig ein Problem - es gibt nur wenig Ladestationen. (Symbolbild)

Mobilität

E-Autos in Frankfurt: Kein Anschluss im Osten

  • vonFriedrich Reinhardt
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Elektrosäulen sind im Osten von Frankfurt Mangelware. Die Stadt selbst baut allerdings keine Ladestationen für E-Autos.

Frankfurt – Aus guten Gründen hatte sich Stephan Hoffkamp im November für einen Plug-in-Hybriden entschieden. Drei Monate später sagt er: „Wenn es so bleibt, wie es jetzt ist - und ich glaube nicht, dass sich etwas ändert -, würde ich mir kein Elektroauto mehr kaufen.“

Ende vergangenen Jahres hatte sich Hoffkamp – der jahrelang Diesel gefahren war – wegen möglicher Fahrverbote gesagt: „Wer weiß, wo ich zukünftig mit einem Diesel noch hinfahren kann.“ Außerdem sei es umweltfreundlicher und da E-Fahrzeuge staatlich gefördert werden, konnte er beim Eigenanteil für den Firmenwagen sparen. 350 Euro musst er weniger zahlen. Dennoch ist er unzufrieden: „Ich habe staatliche Subventionen für ein E-Auto erhalten, das ich kaum als E-Auto nutzen kann.“ Denn es gebe schlicht keine Ladesäule in Harheim. „So schwierig kann es doch nicht sein, hier eine Säule zu installieren“, sagt Hoffkamp.

Elektrosäulen sind in Frankfurt in der Hand der Unternehmen

Für den Ausbau der Lade-Infrastruktur verfolgt Frankfurt ein sogenanntes Open-Market-Modell, erklärt Ansgar Roese von der Wirtschaftsförderung, die sich in der Stadt um den Ladesäulen-Ausbau kümmert. Das heißt, jeder Anbieter kann beantragen, eine Ladesäule aufzustellen und zu betreiben. Die Stadt selbst stellt aber keine auf. Die Säulen zu betreiben sei nur rentabel, wenn man sehr viele Säulen betreibt, spezialisierte Unternehmen seien daher besser geeignet für diese Aufgabe.

Mit dieser Strategie hängt Frankfurt beim Ausbau allerdings hinterher. Auf die 5545 Stromer, Hybride und Vollelektrische zusammengezählt, kommen 199 Ladepunkte. Eine Karte des Verbands der Automobilindustrie (VDA), in der die Ladesäulen der Umgebung eingezeichnet sind, zeigt ein klaffendes Loch rund um Harheim. Bonames, Preungesheim, Frankfurter Berg - in keinem der umliegenden Stadtteile könnte Hoffkamp sein Auto laden. Die nächstgelegene Ladesäule steht im Bad Vilbeler Stadtteil Massenheim. Eine Stunde müsse er dort beim Aldi warten, bis seine Akkus geladen sind.

E-Auto laden auf dem Supermarkt-Parkplatz in Frankfurt

Dass auch der Harheimer Supermarkt eine Ladesäule aufstellt, erscheint Hoffkamp eine der sinnvollsten Lösungen. Das sei aber Sache der Supermarktkette, sagt Roese. Es sei teuer, eine Ladesäule aufzustellen, und schwierig, die Kosten wieder reinzuholen. „Die Supermarktketten sagen, sie arbeiten an einem übergreifenden Konzept, und die einzelnen Filialen wollen keinen Alleingang unternehmen.“ Auch zu Hoffkamps zweitem Vorschlag schüttelt die Stadt den Kopf. Die Stadt könnte einen Parkplatz für E-Autos direkt vor seinem Garten einrichten. Dann würde sich Hoffkamp eine sogenannte Wallbox zulegen, eine Heimladestation. Die wird vom Bund auch gefördert.

Kann nicht verstehen, dass es in Harheim keine Zapfsäule für seinen Wagen gibt: Stephan Hoffkamp.

„Die Wallbox können dann ja auch andere nutzen“, sagt Hoffkamp. Er wohnt in einem Reihenhaus in der Hochfeldstraße, ohne eigenen Parkplatz. Einfamilienhäuser stehen rechts und links der schmalen Straße und obwohl die meisten Häuser in ihren Einfahrten reichlich Platz zum Parken haben, findet sich zwischen den abgestellten Autos kaum eine Parklücke.

Keine Reservierung von Parkplätzen für E-Autos in Frankfurt

„Öffentliche Verkehrsflächen unterliegen straßenrechtlich dem Gemeingebrauch, sie haben allen Verkehrsteilnehmern gleichermaßen zur Verfügung zu stehen. Allein aus diesem Grund scheidet eine Reservierung ‚für privat‘ kategorisch aus“, erklärt Ingmar Bolle vom Straßenverkehrsamt. Außerdem würde von Hoffkamps Wallbox ein Ladekabel über den Gehweg gelegt werden müssen. Das führe zu komplizierten Haftungsfragen und elektrotechnischen Sicherheitsbelangen. Daher: „Parkstände ohne öffentliche Ladesäule allgemein für Elektrofahrzeuge per Beschilderung zu reservieren, kommt für uns als Straßenverkehrsbehörde nicht in Frage.“

Bis 2030 will die Stadt 875 Normal- und 350 Schnellladepunkte von Betreibern aufbauen lassen. Genehmigungsprozesse etwa seien beschleunigt worden, sagt Roese. Hoffkamp empfiehlt er, Betreibern von Ladesäulen Vorschläge für Standorte in Harheim zu schicken. Drei Jahre werde er seinen Hybriden noch fahren, sagt Hoffkamp, und dann wohl wieder auf einen Verbrenner umsteigen. (Friedrich Reinhardt)

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