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Public Viewing im Stadion abgesagt – Gastro in der Zwickmühle

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Von: Thomas J. Schmidt

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Karsten Maaß, Wirt der „Volkswirtschaft“ in Bockenheim, lässt diesmal die Fifa außen vor. In seinem Lokal wird kein WM-Spiel gezeigt.
Karsten Maaß, Wirt der „Volkswirtschaft“ in Bockenheim, lässt diesmal die Fifa außen vor. In seinem Lokal wird kein WM-Spiel gezeigt. © Enrico Sauda

Das Public Viewing zur Fußball-WM in Katar im Stadion ist abgesagt – und viele Gastronomen sehen sich in der Zwickmühle.

Frankfurt – Kein Public Viewing zur WM in Katar, und auch viele Fußball-Kneipen boykottieren die Spiele: Ein Fußball-Fest im trüben November wird’s nicht geben.

Patrik Meyer, Geschäftsführer Eintracht Frankfurt Stadion GmbH, sagt allen ab, die ein Endspiel mit deutscher Beteiligung im Stadion übertragen sehen wollen: „Wir werden kein Public Viewing durchführen, da in der Zeit der größere Teil der Umbauarbeiten in der Nordwestkurve stattfindet und weil wir auch vom Wetter her eine Winter-WM für nicht so Public-Viewing-geeignet sehen“, sagte Meyer dieser Zeitung und bestätigte damit einen Bericht des Hessischen Rundfunks.

Fußball-WM in Katar: Stadt Frankfurt ruft zur „Achtung der Menschenrechte auf“

Demzufolge hat auch Sportdezernent Mike Josef (SPD) sich geäußert. „Die Stadt Frankfurt plant kein Public Viewing“, zitiert der Sender den Dezernenten. Es bestehe kein Zweifel daran, dass die Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar falsch gewesen sei, so Josef: „Wir rufen zur Achtung der Menschenrechte auf.“

Vor dieser Frage stehen derzeit viele Gastwirte in Frankfurt: Sollen wir das zeigen? Monika Berkenkopf, Inhaberin der „Kutscherklause“ im Ostend, kann jetzt schon sagen: „Wir werden die Übertragung nicht bewerben, wie sonst.“ Wahrscheinlich liefen die Spiele durchaus, irgendwo im Hintergrund. „Ich bin hin- und hergerissen, denn wir Gastronomen müssen ja auch sehen, wie wir zurechtkommen“, sagt Berkenkopf. Wahrscheinlich werden viele Gaststätten und auch viele Fans die Spiele boykottieren. Andererseits, wenn Deutschland ins Endspiel kommt, ist das vergessen. Die Wirtin ist „eigentlich dagegen, es zu zeigen. Aber man hätte viel früher die Reißleine ziehen und Katar die Spiele wegnehmen sollen. Jetzt ist es zu spät.“

Public Viewing in Frankfurts Kneipen? Zur Überzeugung stehen, auch wenn es Geld kostet

Definitiv nicht übertragen werden die Spiele in der „Main Story“ in Sachsenhausen, und auch die „Volkswirtschaft“ in Bockenheim lässt die Fifa draußen. Karsten Maaß, der Gastwirt, bekennt sich: „Seit 1997 haben wir jedes Spiel gezeigt, aber jetzt ist Schluss.“ Man müsse Überzeugungen haben, in seinem Fall die Ablehnung der Fifa-Korruption und die Einhaltung der Menschenrechte. Und man müsse zu seinen Überzeugungen stehen. Auch wenn es Geld koste. Obwohl, seine eher linken Gäste der eher linken Kneipe seien mehrheitlich seiner Meinung, glaubt der Gastwirt.

Zumal es ein alternatives Programm gebe: „WM Kater“, heißt es und zeigt alte Spiele. Etwa die Wasserschlacht von 1974 und viele andere Klassiker. „Wir planen auch Thementage, etwa zu Taktik, zu Kommerz, und anderes“, sagt Maaß, der dieses eine Mal nicht Bestandteil des Zirkus sein will. Zudem: Viele Spiele beginnen schon um 13 Uhr. „Da ist ohnehin keiner da, und ich muss den Gastraum heizen.“ Diese WM sei wirtschaftlich uninteressant, außer natürlich, Deutschland spielt.

Zu einer gegensätzlichen Entscheidung hat sich Bruno Sisko durchgerungen, Inhaber der „Westbar FH“ in Höchst. Wir haben uns dazu entschlossen, die Politik vor der Tür zu lassen und die Fußball-WM in unserer ,Westbar FH‘ zu zeigen“, sagte er am Mittwoch, nach einigen Stunden Bedenkzeit. „Für Fragen der Vertretbarkeit der Veranstaltung steht jedem Interessierten die Fifa oder die Bundesregierung zur Verfügung.“

Fußball-WM in Katar: Politik vor der Tür lassen

Ähnlich pragmatisch sieht es Hasim Uddin, der „Uddins Sky Sportsbar“ in der Poststraße betreibt. „Wir übertragen die Spiele natürlich, wir sind eine Sportsbar“, sagt er. Für Menschenrechtsfrage sieht er sich nicht in der Verantwortung. Klar sei jedenfalls: „Die Jahreszeit ist schlecht für uns. Im Winter bauen wir draußen keine Bildschirme auf, wie wir das sonst bei der WM machen.“ Deswegen rechnet er nicht mit dem normalen WM-Umsatz.

Michel van Goethem von der Initiative Gastronomie Frankfurt schätzt: „Es gibt kein einheitliches Meinungsbild. Manche haben sich definitiv gegen die Übertragung entschieden, andere nicht.“ Und wenn Deutschland im Achtelfinale steht, werden die Entscheidungen überprüft. (Thomas J. Schmidt)

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