Kein Höhenrausch

  • VonRobin Göckes
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Das Großprojekt „Umbau Knoten Sportfeld“ der Deutschen Bahn AG wirft seine Schatten voraus. Die Bahntrasse im Süden Frankfurts soll von vier auf sechs Gleise erweitert werden, für die Anwohner bedeutet das lang andauernde Bauarbeiten, verbunden mit viel Lärm.

„Optimierungsbedarf“ sieht der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) hinsichtlich des Lärmschutzes bei den Umbaumaßnahmen der Deutschen Bahn (DB) AG am Knoten Sportfeld. Und zwar derart großen, dass die Stadtteilpolitiker sich vor und auch nach der Bauphase eine mindesten 5,50 Meter hohe Lärmschutzwand westlich und östlich der Bahntrasse vom Schwanheimer Ufer bis zur Goldsteinstraße wünschen. Doch so wie es derzeit aussieht, müssen sich die Anwohner vermutlich mit deutlich geringeren Höhen zufriedengeben.

Wie der Magistrat jetzt mitteilte, soll sich nach Angaben der Bahn der Schwerpunkt der Arbeiten zum Ausbau des Gleisknotens auf der Niederrad zugewandten Seite der Schienen befinden. Dort seien während und nach den Baumaßnahmen „aktive Schallschutzmaßnahmen“ vorgesehen. Beim Abbruch der Widerlager – also der Verbindungsstellen von der Brücke zum Erdwall – an den Eisenbahnüberführungen Golfstraße und Goldsteinstraße sowie an einer Baustellenzufahrt südlich der Überführung Goldsteinstraße sollen vorübergehend Schallschutzwände mit einer Höhe von 3,40 Metern die Anwohner vor den Auswirkungen der Baustelle schützen.

Nur 2,50 Meter hoch sollen jedoch die Schallschutzwände am ehemaligen Bahnhof Niederrad werden. Dort wird eine neue Mainbrücke vormontiert. Ebenso 2,50 Meter hoch soll eine etwa 400 Meter lange Wand an der Eisenbahnüberführung Adolf-Miersch-Straße werden. Zusätzlich soll die bestehende Schallschutzwand am Paul-Gerhard-Ring so lange wie möglich erhalten bleiben, um den Zeitraum zwischen dem Abbruch dieser Wand und dem Bau einer neuen zu minimieren.

In Richtung Bürostadt sind während der Bauarbeiten keine Schallschutzmaßnahmen seitens der Bahn AG vorgesehen. Wenn die Arbeiten am Gleisknoten abgeschlossen sind, soll allerdings aktiver und passiver Schallschutz installiert werden. Mit den Eigentümern der betroffenen Immobilien will die Bahn Gespräche etwa über Schallschutzfenster führen. Entsprechende Arbeiten sollen noch vor Baubeginn ausgeführt werden.

Verschiedene Höhen

An der Strecke selbst will die Bahn vom Mainufer bis zur Golfstraße eine vier Meter hohe Lärmschutzwand installieren. Zwei Meter hoch soll eine Wand zwischen Forsthaus und Niederrad werden. „Die Höhen dieser Schallschutzwände ergeben sich aus der gesetzlich vorgegebenen Abwägung zwischen der Anzahl der zu lösenden Schutzfälle und den erforderlichen Kosten“, erklärt der Magistrat. Auf der Westseite in Richtung Bürostadt sei keine Schallschutzwand vorgesehen. Dass viele Gebäude künftig nicht mehr nur zum Arbeiten, sondern auch zum Wohnen genutzt werden, sei berücksichtigt worden. In der Hahnstraße zwischen der Goldsteinstraße und dem Mainufer soll allerdings wiederum passiver Lärmschutz vor zu großen Beeinträchtigungen schützen.

Die vom Ortsbeirat geforderten 5,50 Meter hohen Lärmschutzwände überstiegen „die gesetzlichen Vorgaben zum Lärmschutz deutlich“, heißt es seitens der Bahn AG. Gleichwohl wolle sich der Magistrat dafür einsetzen, den maximalen Schallschutz für die Anwohner bei der Bahn herauszuholen.

Die DB AG will mit den Umbauarbeiten am Knoten Sportfeld 2017 und 2018 beginnen. Zunächst sollen Ersatzflächen hergerichtet werden, ehe die Rodungsarbeiten starten. Wahrscheinlich im Jahr 2019 wird mit der Gleisverlegung zwischen dem Bahnhof Niederrad und der Golfstraße begonnen, weitere Streckenabschnitte folgen. Voraussichtlich erst im Jahr 2024 werden alle notwendigen Arbeiten abgeschlossen sein. Die Umbauarbeiten am Knoten Sportfeld sollen die Kapazität des Eisenbahnnetzes im Rhein-Main-Gebiet erhöhen. Der Planfeststellungsbeschluss wurde im Jahr 2012 eingereicht, damals wurde das Bauvorhaben auch dem Ortsbeirat 5 vorgestellt.

SPD und BI sind kritisch

Stefanie Then, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Niederrad, sieht deutlichen Verbesserungsbedarf in Sachen Lärmschutz. „Weder die Bahn noch der Magistrat lassen ernsthafte Bemühungen erkennen, die Bürger in Niederrad vor den lärmreichen Folgen des Ausbaus Bahnknoten Sportfeld effektiv zu schützen. Zwei weitere Gleise bedeuten 50 Prozent mehr Bahnlärm. Von 50 Prozent mehr Lärmschutz kann derzeit nicht die Rede sein“.

Und auch Johst Oldenbourg von der Bürgerinitiative „Bahnane“ ist skeptisch. Er fordert, dass die Ablehnung des Ortsbeirats-Vorstoßes durch die Bahn AG mit konkreten Verweisen auf gesetzliche Regelungen und Berechnungen detailliert begründet wird. Und er plädiert für feste Schallschutzwände bereits zu Beginn der Bauarbeiten auf der Ost- und Westseite. „Der Lärm muss durch fortschrittliche Bauweise der Schienen reduziert und bereits auf den Brücken und danach möglichst dicht an den Schienen durch geeignete Lärmschutzwände geschluckt werden, damit er sich nicht ausbreiten kann“. Oldenbourg und Then haben außerdem grundsätzliche Bedenken: Sie fürchten, dass die Strecke durch den Süden Frankfurts als Güterzugmagistrale ausgebaut wird. Dies dürfe auf keinen Fall passieren.

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