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Ein Flugzeug ist in den späten Abendstunden im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen.

Frankfurter Flughafen

Kein Nachtflugverbot während der EM 2024? Nicht mit Hessens Politikern

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Noch ist nicht entschieden, ob die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland ausgetragen wird. Doch schon jetzt sorgt das sportliche Großereignis für Aufregung in Frankfurts südlichen Stadtteilen. Die Stadt hat bei Hessens Wirtschaftsminister nachgefragt, ob man während des Turniers nicht das Nachtflugverbot aussetzen könnte.

Während alle Welt nach Russland schaut und darüber rätselt, wer Fußballweltmeister wird, wird in Frankfurt über die Europameisterschaft im Jahr 2024 diskutiert. Grund dafür ist ein Brief von Sport- und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) an Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). In diesem fragt der Frankfurter Stadtrat, ob man während der EM in sechs Jahren das am Flughafen geltende Nachtflugverbot „zeitweise aussetzen“ könnte.

„Das ist richtig“, sagt Franks Sprecherin Andrea Brandl. „Wir haben uns ans Land gewandt, um prüfen zu lassen, was machbar ist.“ Auf die Idee sei der Sportdezernent allerdings nicht von alleine gekommen. „Dass es an den Flughäfen der Austragungsorte kein Nachtflugverbot gibt, ist eine Vorgabe der Uefa“, sagt Brandl.

Und siehe da: In den Anforderungen der Union der Europäischen Fußballverbände (Uefa) für die Ausrichtung des Fußballturniers steht geschrieben: „In Anbetracht der spezifischen Reisegewohnheiten von Fußballfans müssen die Flughäfen darauf vorbereitet sein, 24 Stunden vor und nach einem Spiel in Betrieb zu sein – ohne Nachtflugverbot.“

Bei einem Stadion mit 50 000 Sitzen würden bei einem ausverkauften Spiel zwischen 12 000 und 18 600 Zuschauer mit dem Flugzeug anreisen. Die Mehrheit davon, nämlich zwischen 8600 und 16 800 Fans, würden dazu tendieren, zehn Stunden vor Spielbeginn anzureisen. Und weiter heißt es: „Angemerkt werden muss auch, dass viele Flüge, im speziellen jene direkt nach einem Spiel, erst spät in der Nacht oder aber am frühen Morgen stattfinden müssen. Deshalb müssen Gespräche mit den Behörden geführt werden, um sicherzustellen, dass Nachtflugverbote aufgehoben werden, um Ankunft und Abflug in solchen Fällen zu vereinfachen.“

Dem hessischen Wirtschaftsministerium ist dies jedoch egal. „Wir haben den Frankfurter Sportdezernenten auf die bestehenden Bestimmungen des Nachtflugverbots hingewiesenen“, sagt der Sprecher von Al-Wazir, Wolfgang Harms. „Im Rahmen dieser Bestimmungen werden wir versuchen die Stadt Frankfurt in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Wir haben unsere

Kooperation signalisiert

.“ Vorab-Zustimmungen wird es also keine geben.

Entsprechend des Beschlusses des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 10. Oktober 2011 gibt es in Frankfurt zwischen 23 und 5 Uhr keine planmäßigen Starts und Landungen. Sie sind nur in Ausnahmefällen möglich und müssen vorher genehmigt werden. Dazu zählen Landungen von Flugzeugen, die aus meteorologischen, technischen oder sonstigen Sicherheitsgründen Frankfurt anfliegen müssen, sowie Starts und Landungen von Flugzeugen in Katastrophen- oder medizinischen Hilfseinsätzen. Zudem gibt es „Nachtflüge im öffentlichen Interesse“. Diese müssen im Einzelfall geprüft und genehmigt werden. Dazu zählen aber keine Fußballfans, die Tag und Nacht jetten können, sondern etwa die Queen oder der französische Staatspräsident, wenn sie nach dem Elfmeterschießen noch schnell nach Hause fliegen müssen.

„Das wäre ein Präzedenzfall“, sagt die Sprecherin von Frankfurts Fluglärmschutzbeauftragter Ursula Fechter, Karina Mombauer. Sprich: Wenn das Nachtflugverbot für die Queen oder die Fußballfans ausgesetzt wird, könnte dies zur Regel werden. Das will Fechter auf gar keinen Fall. Im Gegenteil: Sie würde das Nachtflugverbot lieber ausweiten auf 22 bis 6 Uhr.

Für den Sprecher der Bürgerinitiative Sachsenhausen, Wolfgang Heubner, ist eine Aufweichung des Nachtflugverbots ein No-Go. „Allein die Überlegung ist schon unverschämt“, sagt er. „Die Politiker wissen gar nicht, was sie uns damit antun würden. Es reicht nur ein Flugzeug, um uns um den Schlaf zu bringen.“ Aus seiner Sicht sei die Aufhebung der Bestimmungen für die Fußball-Europameisterschaft auch gar nicht notwendig. „Das ist ein europäisches Ereignis. Das heißt: Von Frankfurt aus hat eigentlich fast jeder die Möglichkeit, mit dem Zug nach Hause zu fahren. Fliegen ist gar nicht nötig.“ Ähnlich beurteilt es Klaus Rehnig von „Stop Fluglärm“ und bringt noch einen ganz anderen Aspekt mit ins Spiel: „Für die Stadt und die Tourismusbranche wäre es doch sowieso viel besser, wenn die Besucher der Europameisterschaft hier übernachten.“

Die Sprecherin des Sportdezernenten kann die Bedenken der Fluglärmgeplagten unter der Einflugschneise zwar verstehen, sagt aber auch: „Das ist doch eine Ausnahmesituation, die planbar ist. Es wäre absehbar, wie viele Tage das Nachtflugverbot ausgesetzt werden würde.“ Allerdings muss auch sie zugeben: „Aus Sicht des Sports können wir verstehen, dass die Fans und Spieler die Möglichkeit haben müssen, schnell wegfliegen zu können. Aus Sicht der Wirtschaft fänden wir es aber natürlich gut, wenn die Fans länger in Frankfurt bleiben würden.“

Noch steht allerdings gar nicht fest, ob die Europameisterschaft 2024 überhaupt in Deutschland ausgetragen wird. Die Türkei ist ebenfalls noch im Rennen. Erst am 24. September will die Uefa bekanntgeben, wer den Zuschlag erhält. Entscheidet sich die Fußball-Union für Deutschland, steht schon jetzt fest, dass Frankfurt einer der Austragungsorte sein wird. In der Türkei gibt es übrigens kein Nachtflugverbot.

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