Die schicke neue Kita am Henninger Turm ist nicht voll belegt, weil der Träger, der Sozialpädagogische Verein, kein Personal hat. foto: stadt frankfurt
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Die schicke neue Kita am Henninger Turm ist nicht voll belegt, weil der Träger, der Sozialpädagogische Verein, kein Personal hat.

Sachsenhausen: Betreuungsproblem

Kein Platz für die Kinder aus den Stadtgärten

  • vonStefanie Wehr
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Kita am Henninger Turm kann wegen Personalmangels nicht vollständig öffnen

Man stelle sich vor, eine neue Kita macht auf, aber es gibt keine Plätze. So geschehen an der Kita Henninger Turm: Das schicke, große Gebäude, erbaut vom Projektentwickler Actris, dem Investor des Stadtgärten-Areals, wurde im Oktober an die Stadt übergeben. Am 1. Oktober sollten dort auch 141 Kita-Plätze für Kinder von einem bis sechs Jahren zur Verfügung stehen. Laut Stadt sind bisher aber nur 99 Plätze vergeben. Und die meisten davon, zwischen 50 und 60, gingen an Kinder der Kita Sonnenhügel, die aus ihrem Gebäude an der Darmstädter Landstraße 180-186 ausziehen musste. Sukzessive seien die Kindergartengruppen mit weiteren Kindern aufgefüllt worden, antwortete Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) jetzt auf eine Anfrage im Stadtparlament.

Familien, die in unmittelbarer Nähe der Kita am Henninger Turm in den Stadtgärten wohnen, gingen bei der Vergabe aber leer aus. Denn mehr Plätze kann der Träger der Kita, der Sozialpädagogische Verein, offenbar derzeit nicht anbieten: Personalmangel sei der Grund, warum von acht Gruppen bisher nur sechs starten konnten.

Doch selbst wenn zwei weitere Gruppen eröffnen könnten, wäre das für die Vielzahl der Kinder im neuen Viertel ein Tropfen auf den heißen Stein. Weit mehr als 100 Eltern suchten schon jetzt einen Platz - und da die 1000 Wohnungen in den Stadtgärten noch nicht alle verkauft oder vermietet sind, werden künftig etliche hinzukommen, sagt ein Familienvater, der nicht mit Namen genannt werden will. Die Eltern werfen der Stadt vor, zwar eine neue Kita gegründet zu haben, bisher aber de facto keine neuen Kitaplätze geschaffen zu haben. Im Viertel habe nur eine Familie einen Platz bekommen, so der Vater.

Den Vorwurf, dass die Stadt ihrem Auftrag nicht nachkommt, erheben auch die Grünen im Ortsbeirat 5. In einem einstimmig verabschiedeten Antrag fragen sie, warum der Trägerverein nicht verpflichtet wurde, ausreichend Personal zu gewinnen und zusätzliche Gruppen einzurichten. Gerade in Sachsenhausen, wo die Betreuungsquote eine der niedrigsten der Stadt ist, müssten dringend neue Plätze geschaffen werden. Im Bereich der Kita am Henninger Turm liege der Versorgungsgrad für Kinder unter drei Jahren bei nur 14 Prozent, weit unter dem Ziel der 53 Prozent. Für drei- bis sechsjährige Kinder im Schulbezirk 11 (Mühlbergschule) liege er bei 46 Prozent.

Das bekommen die Familien in den Stadtgärten zu spüren. Sie müssen ihre Kinder in weiter entfernte Kitas fahren, sofern sie einen Platz haben. Irrwitziger Weise reihe sich morgens früh eine Autoschlange vor der neuen Kita, denn die Eltern brächten ihre Kinder aus entlegeneren Stadtvierteln mit dem Auto vorbei, schildert der Familienvater. Sinnvoller wäre es doch, Kinder aus der Umgebung aufzunehmen. Warum überhaupt einer bestehenden Kita des gleichen Trägers Vorrang gewährt wird, anstatt für diese ein Übergangsdomizil anzumieten, fragen sich die Eltern. Dass dies rechtlich überhaupt zulässig ist, bezweifeln sie. Die Bildungsdezernentin teilte mit, vor zwei Jahren sei bekannt geworden, dass der Vermieter das Gebäude an der Darmstädter Landstraße sanieren wolle - seither konnte aber "trotz umfangreicher Suche kein Übergangsstandort gefunden werden". Stefanie Wehr

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