Seit Jahren kann der Europagarten nicht genutzt werden, weil die Pflanzen nicht richtig angehen. Es gibt einen Rechtsstreit. Wann der beendet ist, ist noch nicht abzusehen. Bis dann bleibt das Gelände wahrscheinlich geschlossen.
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Seit Jahren kann der Europagarten nicht genutzt werden, weil die Pflanzen nicht richtig angehen. Es gibt einen Rechtsstreit. Wann der beendet ist, ist noch nicht abzusehen. Bis dann bleibt das Gelände wahrscheinlich geschlossen.

Europaviertel: Naturschutz

Kein Platz für Schafe im Europagarten

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Fläche ist zu klein, zudem läuft ein Rechtsstreit

An die 2,5 Kilogramm Gras und Heu frisst ein Schaf am Tag. Die Herdentiere sind in weiten Teilen Deutschlands als "Rasenmäher" und vierbeinige Naturschützer im Einsatz, schließlich verhindern sie mit ihrem großen Appetit auf die grünen Halme, dass alles zuwuchert.

Im Europagarten wären die Wiederkäuer nach Ansicht des Magistrats aber dann doch fehl am Platz. Die Fläche im Europagarten als Park sei nicht ausreichend. Zudem sieht das Grünflächenamt die Vorteile einer Düngung nicht, da es dem Rasen an Luft und Wasser fehle. Würden die Tiere den Boden mit ihren Füßen jedoch an feuchten Stellen verdichten, würde dies sogar zu einer Verschlimmerung führen.

Nachbesserung nicht aufs Spiel stellen

Ursprünglich sollte der Europagarten schon 2018 eröffnet werden. Doch die Fläche ist immer noch nicht zu betreten - und geschlossen, weil sich die Stadt Frankfurt, der Erschließungsträger Aurelis Estate und die von ihr beauftragte Firma im Rechtsstreit befinden. Wegen anzunehmender Fehler im Gartenbau können die Bäume und der Rasen nicht richtig wurzeln und Bewohner des Quartiers müssen sich gedulden.

Wann der Rechtsstreit beendet sein wird, ist nach Mitteilung des Magistrats derzeit noch nicht abzusehen. Mit einer Zwischennutzung des Europagartens würde die Stadt dessen Zustand aber akzeptieren. Und damit würde auch der Anspruch auf eine Nachbesserung, beziehungsweise auf ein Beheben der Mängel erlöschen, heißt es in einer Stellungnahme, in der der Wunsch des unter anderem für das Europaviertel zuständigen Ortsbeirates 1 abgelehnt wird.

Das Stadtteilparlament hatte vorgeschlagen, die Grünfläche im Europagarten für Tierhaltung, beispielsweise Schafe, zu nutzen. An einer geeigneten Stelle solle es kindgerechte Informationsangebote über die Schäferei, Nutzen und Folgen von Nutztierhaltung sowie nachhaltige Landwirtschaft geben, hatte das Stadtteilparlament vorgeschlagen. Eine Ansiedlung von Schafen hätte gleich mehrere Vorteile: Schafe seien kostengünstige und nachhaltige "Mähmaschinen"

Ins Rollen gebracht hatte die Magistrats-Anfrage eigentlich Dirk Schneider, Kinderbeauftragter für den Ortsbezirk 1. Mit Andreas Laeuen (Grüne) hatte er ein Konzept für eine Schafhaltung im Europagarten entwickelt. Die FDP-Fraktion hatte daraus eine Anfrage formuliert, die mehrheitlich verabschiedet worden war.

Schneider ist enttäuscht von der Antwort des Magistrats; auf den entscheidenden Punkt werde nicht eingegangen. Im Antrag heißt es: "Statt nun zu warten, bis Gutachter und Gerichte entschieden haben, stünde es gut an, zumindest eine Zwischennutzung zu erreichen." Nirgendwo stehe, dass die Stadt den Europagarten jetzt schon so abnehmen solle, um ihn dann mit Schafen zu besiedeln; im Gegenteil, es gehe um die Zwischennutzung bis zur Abnahme. Leidtragende seien derzeit die Familien mit Kindern, die an den Europagarten gezogen seien, um das üppige Grün einmal nutzen zu können, kritisieren die Grünen im Gallus und im Europaviertel. Statt des üppigen Grüns gebe es nur ausgedörrten Rasen und wenige Bäume, die zudem vertrockneten. Bauzäune versperrten den Zutritt zur Grünfläche, das Restaurant habe schon vor Corona geschlossen. Dieses Elend müsse ein Ende finden.

"Damit Kinder spielen und an die Natur herangeführt werden können, fordern wir mehr schattenspendende Bäume, dichte Hecken für Vögel und blühende Wiesen für Insekten", sagt Alexander Mitsch, Spitzenkandidat der Grünen für den Ortsbeirat 1. "Wir wollen einen Versuch starten, Schafe im Europagarten weiden zu lassen. Das würde die Herzen der Kinder höher schlagen lassen, die unter der Corona-Pandemie am meisten leiden", appelliert er an den Magistrat.

Erhofft wurde Attraktion im Quartier

Eine kleine Schafherde könne im Europagarten ohne großen Aufwand artgerecht gehalten werden und sorge zugleich für eine umweltgerechte Landschaftspflege. Schafe seien genügsam und benötigten für das Tierwohl wenig Pflege. Die Grünen sind überzeugt davon, dass die nützlichen und liebenswerten Tiere eine Attraktion für Menschen im Ortsbezirk wären. Matthias Bittner

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