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Die Stadtpolizei habe die Situation in der Bruno-Asch-Anlage im Blick, sagt der Magistrat: Es werde ?nahezu täglich? kontrolliert.

Kriminalität in Frankfurt

Höchst: Polizei ist machtlos gegen die Dealer in der Bruno-Asch-Anlage 

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In der Bruno-Asch-Anlage, in der Dealer und Trinker unterwegs sind, werde „nahezu täglich“ kontrolliert, heißt es in einer Stellungnahme des Magistrats. Der Handlungsspielraum der Stadtpolizei sei jedoch eingeschränkt.

Von „Brunos Hasch-Plantage“ ist im Volksmund schon die Rede, wenn es um die Bruno-Asch-Anlage geht. Die im Winter 2010/11 nach expressionistischem Vorbild neu angelegte und mit viel Tamtam vorgestellte Bahnhofsanlage ist längst vermüllter Trinker-Treff und Schauplatz eines florierenden Rauschgifthandels. Darauf hat unter anderem die CDU Höchst / Unterliederbach hingewiesen; der Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) hatte eine entsprechende Anfrage an den Magistrat gestellt, um die „.soziale Situation in der Bruno-Asch-Anlage überprüfen“ zu lassen.

In der Tat räumt der Magistrat nun schriftlich ein: „Die Umstände in der Bruno-Asch-Anlage bieten häufig Anlass zu Beschwerden.“ Die Anlage werde jedoch „nahezu täglich im Rahmen des Streifendienstes durch Bedienstete der Stadtpolizei sowie durch die Diensthabenden der Wache in Höchst, welche sich in unmittelbarer Nähe zu der Anlage befindet, kontrolliert“, heißt es weiter. Oftmals würden dabei „Personen angetroffen, die offenbar der Alkohol- und Drogenklientel zugehörig sind“. Nur: Die Stadtpolizei könne nicht gegen diese Leute vorgehen, solange sie sich nichts zu schulden kommen ließen: „Es ist nicht verboten, sich einzeln oder in Gruppen in Grünanlagen aufzuhalten und/oder Alkohol zu konsumieren“, heißt es in der Stellungnahme.

Bruno-Asch-Anlage von Dealern heimgesucht

Anders ist es mit dem Urinieren, dem Konsum von Drogen oder dem Hinterlassen von Müll: Werde so etwas festgestellt, werde es selbstverständlich von der Stadtpolizei geahndet.

Dann folgt ein Vorwurf gegen die Bürger: „Es wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach mit den bekannten Beschwerdeführern Gespräche geführt. Leider stellen sich die Beschwerdeführer nicht als Zeugen zur Verfügung“, heißt es weiter in der Stellungnahme. Sprich: Die Bürger hätten keinen Mumm, um Anzeige zu erstatten.

Hauptbahnhof Höchst: Drogendealer Szene

Der Grund? „Den Erfahrungen nach handelt es sich bei der angetroffenen Klientel zumeist um Personen, die im näheren Umkreis wohnen und sozial betreut werden.“ Und nun? „Der Problematik kann auch nicht mit einem noch höheren Kontrolldruck begegnet werden“, heißt es seitens der Stadt.

Dem für Höchst zuständigen 17. Polizeirevier sei die Problematik des Drogenhandels in der Anlage bekannt. „Von einer Verdrängung der Drogendealer-Szene vom Hauptbahnhof nach Höchst ist jedoch nicht auszugehen“, urteilt die Stadt. Das ist nämlich der Vorwurf einiger Bürger: Im Bahnhofsviertel werde mit groß angelegten Polizeiaktionen Wirbel veranstaltet, während sich die Dealer einfach drei S-Bahn-Stationen weiter ungestört ihren Geschäften widmeten.

Junkies nehmen dort illegale Drogen

Die Jugend- und Drogenberatung Höchst des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe (VAE) solle „weiterhin vor Ort prüfen, ob illegale Drogen konsumiert werden“. Darüber hinaus würden auch Streetworker des Projekts „OSSIP“ (Offensive Sozialarbeit, Sicherheit, Intervention und Prävention) den Bereich der Bruno-Asch-Anlage weiterhin „im Blick behalten“. Aus Sicht des städtischen Drogenreferats sei „ derzeit nicht mit der Bildung einer Drogenszene vor Ort zu rechnen“.

Diese Einschätzung teilen viele der Höchster, die im Bereich der Anlage wohnen oder dort regelmäßig durch müssen, allerdings nicht. In den Beeten sind schon mehrfach Spritzen gefunden worden. Die Zahlen des Ordnungsamts im jüngsten Tätigkeitsbericht für den Frankfurter Westen bestätigen das: „Eine der vorrangigen Beschwerdelagen handelt von Störungen und Belästigungen durch Obdachlose und lagernde Personen in Grünanlagen, wie beispielsweise der Bruno-Asch-Anlage, und nahe gelegenen Fußgängerzonen“, heißt es in dem Papier. Von 158 Kontrollen ist die Rede; das Klientel sei jedoch „kooperativ“ – so kooperativ, dass im ganzen Jahr nur zehn Anzeigen „wegen Verstößen gegen die Gefahrenabwehrverordnung“ zusammengekommen seien.

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