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Eltern sauer: Catering an Frankfurter Grundschule war „kalt und ungenießbar“

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Von: Stefanie Wehr

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Nach einem Wasserschaden in der Mensa musste die Gruneliusschule in Frankfurt Mittagessen anliefern lassen. Geschmeckt hat das Essen nur den wenigsten Kindern.

Frankfurt - Der Wasserschaden an der Oberräder Grundschule, der seit Anfang Mai die Mensa-Räume unbenutzbar machte, wird derzeit behoben: Der neue Boden ist verlegt, die Wände frisch gestrichen, ist aus der Schule zu hören. Sechs Monate inklusive der Sommerferien waren ungenutzt verstrichen, nun hat die Stadt innerhalb einer Herbstferienwoche die Räume wiederhergerichtet.

Abgenommen sind die Räume indes noch nicht - Schulleitung und der Träger der ESB, der Internationale Bund, gehen davon aus, dass der kürzlich erst auf Drängen der Eltern genannte Termin der Wiedereröffnung der Mensa am 7. November sich abermals um einige Wochen verschiebt.

Dabei hat schon in den vergangenen sechs Monaten der Schulbetrieb - und die Kinder - enorm gelitten: Nach dem Wasserschaden bekamen gut 135 Schüler kein warmes Schulessen vor Ort. Zunächst wurden mehr als zwei Monate lang Lunchpakete mit Snacks und Süßigkeiten verteilt, dann - kurz vor den Sommerferien bis zu den Herbstferien - lieferte ein Caterer einer anderen Schule das Essen nach Oberrad. Aber nicht etwa in die Gruneliusschule, denn dort gab es ja keinen Mensa-Saal, sondern in die Kellerräume des Saalbau-Depots am Buchrainplatz.

Gruneliusschule in Frankfurt: Die Essensausgabe war im Stuhllager des Depots

Das angelieferte Essen war kalt und für die meisten Kinder ungenießbar, schildert Elternvertreter Daniel Scondo. „In den Räumen war kaum Platz, die Essensausgabe war im Stuhllager des Depots. Die Kinder mussten zudem in drei Schichten von der Schule zum Buchrainplatz laufen, um ihr Essen einnehmen, weil in den kleinen Kellerräumen nur 40 Kinder gleichzeitig Platz hatten.“ Bei diesen Märschen durch den Stadtteil ging so viel Zeit verloren, dass viele Kinder die Nachmittagsangebote der Erweiterten Schulischen Betreuung (ESB) nicht wahrnehmen konnten.

Deshalb wurden schließlich den Schülern der 3. und 4. Klassen die Hausaufgaben erlassen - aus Zeitmangel. Die Märsche haben mit Ende der Herbstferien ein abruptes Ende genommen, denn: Der Vertrag mit der städtischen Saalbau wurde nicht verlängert, teilte das Stadtschulamt den Eltern kurz vor den Herbstferien mit.

Deshalb gibt es seit gestern wieder die kargen Lunchpakete auf unabsehbare Zeit als Essensersatz. „Die Situation ist seit Monaten untragbar,“ sagt Scondo. „Das Schlimme ist, dass ohne das massive Drängen vieler Eltern wahrscheinlich gar nichts passiert wäre“, vermutet er. Elternbeirat und Schulleitung seien immer wieder vertröstet worden. Es hieß, nach den Sommerferien werde die Mensa wieder hergestellt sein. „Wir nahmen also an, dass die Sommerferien für die Reparatur genutzt werden“, sagt Schulleiterin Anne Gernoth. „Aber in den sechs Wochen wurde kein Handschlag getan.“

Die wegen Wasserschaden sechs Monate lang geschlossene Mensa der Gruneliusschule soll bald wieder nutzbar sein.
Die wegen Wasserschaden sechs Monate lang geschlossene Mensa der Gruneliusschule soll bald wieder nutzbar sein. © christoph boeckheler*

Frankfurt: „Schockierend, wie mit unseren Kindern umgegangen wird“

Zuvor hatte die evangelische Erlösergemeinde Hilfe angeboten. Sie könne die Räume des Gemeindezentrums direkt neben der Schule für die Mittagessen zur Verfügung stellen. „Jedoch hätten wir die Räume nur von 12 bis 15 Uhr frei gehabt“, schildert Pfarrerin Anne-Kathrin Helms. „Die Stadt wollte zudem, dass wir hinterher selbst saubermachen, Geschirr wegräumen und Tische umstellen. Dafür haben wir aber kein Personal.“ Das Vorgehen der Stadt sei nicht gerade kooperativ gewesen. Die Abstimmung mit Stadtschulamt und Amt für Bau und Immobilien (ABI) sei nie vor Ort erfolgt, „dabei hätte man sich an einen Tisch setzen und eine Lösung finden können“, sagt Helms. „Ich fand es schockierend, wie mit unseren Kindern umgegangen wird.“

Da offenkundig der lang beschlossene Neubau und die Sanierung der Schule immer dringender werden, drängt die Schulleitung und der Ortsbeirat 5 darauf, dass die geplante Auslagerung so schnell wie möglich kommt und die Schule in ein Übergangsdomizil wechselt. Wo dieses errichtet wird und wann, ist weiterhin unklar, die Pläne sollen noch „im Herbst im Stadtteil vorgestellt werden“, gibt das Schuldezernat bekannt. Fragen seitens dieser Zeitung wurden vom Dezernat wochenlang nicht beantwortet. Erst gestern ließ der Sprecher der Dezernentin Sylvia Weber (SPD) wissen: „Spätestens ab dem 7. November steht die Mensa wieder zur Verfügung.“ (Stefanie Wehr)

Eine andere Schule in Frankfurt hat „Elterntaxis“ den Kampf angesagt - und verzeichnet erste Erfolge.

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