Olaf Wand (52) protestiert mit einem gelben Plakat, dass "das letzte christliche Geschäft verboten" ist. Das Ordnungsamt erteilt ihm keine Sondernutzungsgenehmigung. Eisenbahn-Reiner, dessen Auslage man im Hintergrund sieht, hat sie indes.
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Olaf Wand (52) protestiert mit einem gelben Plakat, dass "das letzte christliche Geschäft verboten" ist. Das Ordnungsamt erteilt ihm keine Sondernutzungsgenehmigung. Eisenbahn-Reiner, dessen Auslage man im Hintergrund sieht, hat sie indes.

Straßenverkauf

„Letzte christliche Geschäft verboten“: Heiligenbildchen-Olaf darf nicht mehr verkaufen

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Streit um Heiligenbildchen-Olaf: Das Ordnungsamt Frankfurt verwehrt ihm die Sondernutzungserlaubnis für seinen Verkaufsstand vorm Liebfrauenkloster. Auch die Mönche wollen ihn nicht.

Frankfurt – In der Liebfrauenstraße in Frankfurt sitzt Olaf Wand. Der 52-Jährige weist auf einem gelben Protestschild darauf hin: "Liebe Bürger und Bürgerinnen von Frankfurt und Umgebung. 20 Jahre war hier ein kleiner christlicher Straßenladen mit Heiligenbildern, Kerzen, Rosenkränzen in Handarbeit. Die Stadtpolizei hat nun das letzte christliche Geschäft verboten. Ja, verboten!"

Seit einer Woche protestiert Olaf Wand mit diesem Plakat neben Eisenbahn-Reiner und dessen Kollegen, die dort sitzen. Dort, wo er seinen kleinen Laden betrieben hat.

Heiligenbildchen-Olaf protestiert in Frankfurt: Keine Sondernutzungsgenehmigung

Vom heutigen Montag an wollte er wieder verkaufen, eigentlich. Noch am Freitag hat Olaf Wand dies fest vorgehabt. "Ich wollte ab Montag mit einem umgebauten Einkaufswagen hier stehen", sagte er am Samstag. "Aber ich will mich doch erst erkundigen, ob ich das darf." Er weiß nur, was er nicht darf: Seine Artikel auf dem Pflaster der Liebfrauenstraße ausbreiten, daneben sitzen, verkaufen. Jahrelang wurde dies geduldet, bis vor einigen Wochen die Stadtpolizei kam und es ihm untersagt hat.

"Herr Wand hat keine Sondernutzungserlaubnis", sagt Ralph Rohr, Sprecher des Ordnungsamts. "Es blieb uns keine Möglichkeit, als es zu untersagen." Er könne sich mobil, mit einem Bauchladen etwa, um seine Kunden bemühen.

Christlicher Straßenladen: Heiligenbildchen-Olaf verkauft seit 2003 in Frankfurt

Olaf Wand ist eine Erinnerung an die christliche Vergangenheit der Stadt. Was vielen kitschig anmutet - ein süßliches Jesusbild etwa - hat einst das Leben vieler Menschen bestimmt. Seit Juni 2003 bietet Olaf Wand seine christlichen Devotionalien an. Eisenbahn-Reiner, die legendär gewordene Gestalt, der mit ausgebreitetem Kinderspielzeug um Geldspenden bittet, kam erst einige Monate später. Der Versuch des Ordnungsamts, ihm das zu untersagen, ist nach großer Aufmerksamkeit in der Presse, vor allem in dieser Zeitung, von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) rückgängig gemacht worden, der Reiner eine Sondernutzungserlaubnis erteilte. So weit ist es bei Olaf Wand noch nicht.

Er hat einen Antrag auf Sondernutzungserlaubnis gestellt für seinen Straßenverkauf. Michaela Kraft, Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung, konnte zum laufenden Antragsverfahren keine Angaben machen. "Genehmigungsfrei", so Kraft, "ist im Stadtgebiet Frankfurt nur der Handel mit einem Bauchladen, sofern die Größe von maximal ein mal ein Meter nicht überschritten wird, kein fester Standplatz eingenommen und der Bauchladen nicht auf- oder abgestellt wird." Die Frage, die Wand nun zunächst geklärt haben möchte, lautet: Gilt ein umgebauter Einkaufswagen auch als Bauchladen? Denn er ist ja mobil.

Heiligenbildchen-Olaf muss Platz in Frankfurt wechseln

Mit seinem Wagen hat Wand schon von 2003 bis 2015 in der Liebfrauenstraße gestanden, vor der Buchhandlung Carolus. "Damals", erinnert er sich, "war ich auch Hausmeister bei der Buchhandlung Carolus. Verkauft habe ich nebenher. Ich hatte einen kleinen Keller, in dem ich meine Waren gelagert habe." Letzteres sei noch immer so: Nachdem die Buchhandlung Carolus geschlossen hat, Butlers die Fläche mietete und nicht den gesamten Keller dazu nahm, hat Wand seinen Keller behalten können. Den Platz vor der Buchhandlung jedoch musste Wand aufgeben. Dort steht seitdem eine Werbung für ein Eiscafé.

So wechselte Olaf Wand den Platz, stellte sich neben Eisenbahn-Reiner und breitete seine Ware auf dem Pflaster des Liebfrauenberges aus. 30 bis 40 Euro pro Tag, etwa 1000 Euro im Monat, brachte ihm sein Geschäft mit dem Herrn. "Ich war zufrieden", sagt er. Und das bei Fixkosten für seine kleine Wohnung und seine Krankenversicherung. 720 Euro monatlich waren weg. Vom Rest musste er auch noch neue Ware kaufen. "Aber ich bin über die Runden gekommen. Viele Leute haben mir auch Essen und Trinken geschenkt, dieses Geld konnte ich sparen." Olaf Wand ist stolz darauf, dass er nicht vom Staat abhängig war: "Ich will keine Sozialhilfe. Ich habe immer auf eigenen Beinen gestanden." Daran hat sich bis jetzt auch nichts geändert.

Auch wenn seine Einnahmen sich halbiert haben. Rund 15 Euro täglich erhält er an Spenden in seine kleine Schachtel, die am Fuß des gelben Pappschildes steht. "Ich lebe momentan von Rücklagen. Im Prinzip ist es meine Rente, die ich jetzt vorstrecken muss", sagt er.

Frankfurt: Stand im Vorhof der Liebfrauenkirche? Mönche sind dagegen

Das Problem wäre gelöst, wenn er seinen Stand im Vorhof der Liebfrauenkirche aufbauen dürfte. Doch das wollen die Kapuziner nicht, die im Franziskustreff Sozialarbeit für Obdachlose anbieten: "Wenn sie es mir erlauben, müssen sie es allen anderen auch erlauben", sagt Wand. Er hofft jetzt, dass sein umgerüsteter Einkaufswagen als mobile Verkaufsstation, die "nicht auf- oder abgestellt wird", durchkommt in Frankfurt.

Olaf Wand ist seinen eigenen Angaben zufolge derzeit der einzige Anbieter von Heiligenbildern, Rosenkränzen etc. Sein Lieblingsheiliger ist Pater Pio, der auch einen prominenten Platz am Kopf seines Protestplakates hat. Für ihn ist sein Dienst auch Mission. Denn: "Jesus hat mir geholfen, mich aus einer sehr schweren Krise zu befreien. Ich war drogensüchtig." Seit 1998 ist er clean, und er wollte danach etwas zurückgeben: Die persönliche Beziehung zu Jesus Christus ist für den Katholiken Wand kein Lippenbekenntnis, das er zu Marketingzwecken aufsagt, sondern es ist seine Überzeugung. Passanten und Kunden zum Nachdenken zu bringen - auch wenn sie nichts kaufen. (Thomas J. Schmidt)

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