Ellenbogen statt Handschlag, aber gute Stimmung wie immer: Der CDU-Landtagsabgeordnete Bodo Pfaff-Greiffenhagen begrüßt die Teilnehmer des Mini-Umzuges durch Bornheim.
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Ellenbogen statt Handschlag, aber gute Stimmung wie immer: Der CDU-Landtagsabgeordnete Bodo Pfaff-Greiffenhagen begrüßt die Teilnehmer des Mini-Umzuges durch Bornheim.

Traditionsveranstaltung

Keine Kerb, aber doch ein kleiner Umzug

Das lustige Dorf feierte mit dem gebührenden Abstand und einer Messe.

Frankfurt. Es ist nachmittags gegen 14 Uhr. Die Luft flirrt vor Hitze im lustigen Dorf. Hier und da sind an den Häusern Birkenbäumchen mit rot-weißen Bändern zu entdecken, vereinzelt hat sogar jemand eine Kerbelisbeth gebastelt und an seinen Balkon gehängt. Während viele Bornheimer "ihre" Kerb zu Hause feiern, ist auf dem Johanniskirchplatz aus der Ferne ein schrilles Läuten zu vernehmen.

Ein Baum aus eigenem Bestand

Und dann geschieht, was offiziell gar nicht geschehen soll: Rund 40 Kerbemädels und -borschen treffen mit Traktor, Baum- und Brunnenwagen auf dem Kerbeplatz vor der "Zwiwwelkersch" ein und eröffnen ihre Mini-Kerb. "Niemand musste heute ganz früh am Morgen aufstehen, um extra einen Kerbebaum aus dem Enkheimer Wald zu holen", scherzt Joshua Lear, zweiter Vorsitzender der Bernemer Kerwe Gesellschaft. Stattdessen richten die Burschen und Mädels ein kleineres Bäumchen aus dem eigenen Bestand auf, die etwas zu groß geratene Lisbeth bleibt schmollend im Brunnenwagen.

Während die überschaubare Festgemeinde ihre Kerb mit einem dreifachen "Baum hoch!", Ebbelwei und Gerstensaft feiert, kommt auch die Polizei von der nahe gelegenen Wache vorbeigefahren und vergewissert sich, dass alle Sicherheitsabstände eingehalten werden. "Wir haben unseren kleinen Umzug extra nicht über die Medien angekündigt, weil wir einen großen Auflauf vermeiden wollten", betont die zweite Schriftführerin Veronika Dörffler. Die gebürtige Bayerin ist erst seit viereinhalb Jahren mit dabei, "aber die Kerwe Gesellschaft hat mich aufgenommen wie eine zweite Familie".

Das Konzept geht auf, auch auf dem Weg des Umzuges die Berger Straße entlang grüßen die Gäste, die sich bereits in Bernemer Lokalen wie dem Zum Alten Schlagbaum oder dem Gasthaus Schöneberger versammelt haben. Ein paar Dutzend Kerbefans kommen dort zusammen, wo sich sonst Hunderte oder gar Tausende treffen. Auch die Vorstandsmitglieder, die sonst in den traditionellen Trachten des Bürgermeister- oder Kerbepaars aufmarschieren, schalten einen Gang zurück und tragen lediglich die T-Shirts des Vereins. Doch alle haben ihren Spaß und freuen sich, dass der Aufruf, die Kerb lieber im kleinen Rahmen oder auch zu Hause zu feiern, im Stadtteil so viel Wirkung gezeigt hat. "Wir können zwar nicht hinter jede Fassade gucken, aber wir haben doch rund 150 Birkenbäumchen verkauft, mehr als sonst", betont der erste Vorsitzende Ralf Moritz. Und selbst der kleine Skandal, dass ein Bäumchen in der Berger Bar gestohlen wurde, findet noch ein Happy End: "Nachdem wir gepostet hatten, man möge dem Täter künftig nur noch süßgespritzten Ebbelwei geben, wurde das Bäumchen in der Nacht zurückgebracht", freut sich der Schriftführer Christian Henrich.

Nach der Eröffnung füllen sich langsam die umliegenden Kneipen, freilich nicht ohne die obligatorischen Gästelisten mit Kontaktdaten. Im Bornheimer Dorfstadel serviert Valerie Scheuring ihren zünftigen Kerbegulasch, nebenan hält Peter Schmidt den Kerbeschnaps mit Cranberry und Rum zum Mitnehmen bereit.

Am Sonntagvormittag versammeln sich die Gläubigen zum Open-Air-Gottesdienst vor der Zwiwwelkersch: "Willkommen zum Festgottesdienst zur 413. Ausgefallenen Kerb, kein Umzug, kein Party Festival", begrüßt Pfarrer Martin Weber. Und doch dürfe das Stöffche fließen: Weber predigt vom Weinstock, der fruchtbare Reben bringt und erinnert an die Hochzeit zu Kana, bei der Jesus Wasser in Wein verwandelte: "So möge der Wein unser Herz weit machen, weise und einfühlsam: Ebbelwei können wir hier guten Gewissens mitdenken."

In den kommenden Tagen will die Kerwe Gesellschaft mit der Lisbeth "in den Urlaub fahren", wie zu hören ist. Und die Hitze? Dass man sich in den T-Shirts etwas leichter fühlt, gibt auch der Vorsitzende und Bürgermeister Ralf Moritz zu. "Aber ehrlich gesagt, lieber würde ich den Frack anziehen und Rotz und Wasser schwitzen, wenn wir dafür eine große Kerb wie jedes Jahr feiern können." gernot gottwals

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