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Der Sportkreis Frankfurt spricht sich gegen einen Verkauf der Commerzbank-Arena aus.

Commerzbank-Arena

Keine Mehrheit im Römer für Stadion-Verkauf

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Die Oberbürgermeisterwahl am 25. Februar prägte auch die Sitzung des Stadtparlaments am Donnerstagabend. Dabei wurde CDU-Kandidatin Bernadette Weyland in der Debatte über den von ihr vorgeschlagenen Verkauf des Stadions noch nicht mal von ihrer eigenen Partei verteidigt.

„Ich bin froh, wenn die Oberbürgermeisterwahl vorbei ist und wir keine solch absurden Vorschläge mehr auf den Tisch bekommen.“ Mit diesem Satz sprach der Stadtverordnete Taylan Burcu (Grüne) vielen aus der Seele. Er meinte den Vorschlag, die Commerzbank-Arena der Eintracht zum Kauf anzubieten. Das hatte die FDP-Fraktion beantragt, aber der Vorstoß geht ursprünglich auf die CDU-Oberbürgermeisterkandidatin Bernadette Weyland zurück.

Die bekam am Donnerstagabend im Stadtparlament jedoch keine Unterstützung von ihren Parteifreunden. „Die FDP hat sich mit der Realität nicht befasst“, sagte die CDU-Stadtverordnete Sibyll Meister – und wurde von Michael Müller (Linke) darauf hingewiesen, dass sich dieser Satz auch gegen Weyland richte.

Unterstützt wurde die OB-Kandidatin der CDU lediglich vom FDP-Parlamentarier Uwe Schulz. „Konkurrenzfähig ist in der Bundesliga nur, wer ein eigenes Stadion hat“, sagte er. Die Eintracht zahle zehn Millionen Euro Pacht jährlich und werde von der Stadt „ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“. Eine Privatisierung des Stadions sei eine „Chance für eine neoliberale Offensive“. Den Verkaufserlös könne die Stadt zur Förderung des Breitensports verwenden. Genau das hatte auch Weyland vorgeschlagen. SPD-Fraktionschefin Ursula Busch hatte dafür nur Spott übrig. Von „vielen Millionen Euro“ habe Weyland gesprochen. Wer so vage über Geld spreche, sei zu Recht als Staatssekretärin im hessischen Finanzministerium ausgeschieden.

Busch betonte, dass die Stadt aus Wettbewerbsgründen einen Verkauf der Fußballarena ausschreiben müsse. Dann wäre noch nicht einmal sicher, ob die Eintracht tatsächlich zum Zug kommen würde. Fraglich sei auch, ob sich der Verein die finanzielle Belastung leisten könnte. „Und zum Schleuderpreis können wir das Stadion nicht verkaufen.“

Doch nicht nur Weyland war an diesem Abend Zielscheibe: Mehrere Stadtverordnete versuchten bereits in der Fragestunde zu Beginn der Sitzung, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) aus der Reserve zu locken. Patrick Schenk (BFF) zum Beispiel zitierte Feldmanns Aussage, der Flughafen terrorisiere nachts die eigene Bevölkerung. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) habe ihm daraufhin vorgeworfen, die Menschen aufzuhetzen. Feldmann blieb gelassen: „Nicht ich hetze die Menschen auf, sondern Billigflieger wecken sie auf.“

Erika Pfreundschuh (CDU) unterstellte Feldmann, er propagiere das Abitur für alle Frankfurter Schüler – und leiste damit dem Facharbeitermangel Vorschub. Der OB wies das zurück: „Ich habe nur gesagt, wir können auf unsere Abiturientenquote von 60 Prozent stolz sein.“ Das sei gut für die Gewinnung von Fachkräften, die schließlich auch Prozentrechnung beherrschen müssten. Ziel sei es, für „größtmögliche Bildungsgerechtigkeit“ zu sorgen. Dafür müssten auch die Realschulen gestärkt werden. Das stehe so auch im – unter anderem von der CDU unterschrieben – Koalitionsvertrag.

Nico Wehnemann (Die Fraktion), der selbst OB werden will, wunderte sich später, warum ausgerechnet die CDU dem Oberbürgermeister die Gelegenheit zu einer Wahlkampfrede gab. „Man greift sich eben gerne gegenseitig unter die Arme“, witzelte Feldmann über seine Gegner, die ihm an diesem Abend nicht gefährlich wurden.

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