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Keine Schlaglöcher, aber auch keine Parkplätze mehr

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Von: Judith Dietermann

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Freie Fahrt für Radfahrer, kein Platz für Autos: Mit der Sanierung des Radweges im Marbachweg 331 - 345 haben sind nicht nur die zahlreichen Schlaglöcher, sondern auch die 20 Stellplätze verschwunden.
Freie Fahrt für Radfahrer, kein Platz für Autos: Mit der Sanierung des Radweges im Marbachweg 331 - 345 haben sind nicht nur die zahlreichen Schlaglöcher, sondern auch die 20 Stellplätze verschwunden. © Renate Hoyer

Es gibt massive Kritik an der Sanierung des Radweges im Marbachweg im Dornbusch - und dem Wegfall der Stellflächen.

Viel Platz haben seit einigen Wochen die Radfahrer im Marbachweg 331 bis 345. So viel Platz, dass sie mit ausreichend Abstand nebeneinander fahren können. Keinen Platz mehr haben stattdessen die Autofahrer, denn 20 Parkplätze sind mit der Sanierung und damit verbundenen Umgestaltung des Straßenabschnittes weggefallen. Von heute auf morgen. Stattdessen gab es Knöllchen, zwei Wochen lang. 55 Euro sollen die Anwohner nun zahlen, weil sie ihr Auto dort abstellten, wo sie es schon immer taten.

"Wir sind davon ausgegangen, dass die entsprechenden Markierungen wegen der Frostperiode erst später aufgebracht werden. Aber nein, die Parkplätze sind weg. Einfach so", machte Anwohner Günter Wagner seinem Ärger in der jüngste Sitzung des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) Luft. 14 Tage lange seien zwei Fahrradpolizisten entlang des 200 Meter langen Abschnittes unterwegs gewesen und hätten täglich Knöllchen verteilt. "Es wird hier ein Exempel statuiert, Demokratie sieht anders aus", sagte er. Ältere Menschen müssten nun weit entfernt parken, ein Behindertenparkplatz sei weggefallen, und auch der Lieferverkehr habe massive Probleme. "Die Lastwagen parken nun auf dem Radweg. Verbotenerweise. Aber wo sollen sie denn sonst auch hin?", sagte er.

Respektloser Umgang

Genauso überrascht wie die Anwohner waren auch die Mitglieder des Ortsbeirates über das Vorgehen der Stadt. Sowohl über die anstehende Sanierung des Abschnittes, wie auch über den Wegfall der Parkplätze sei man nicht in Kenntnis gesetzt worden, kritisierte Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU). Zudem sei es sehr schwierig gewesen, von den zuständigen Ämtern überhaupt eine Antwort zu bekommen. "Letztlich gab es eine formlose Mail. Es ist teilweise wirklich respektlos, wie der Magistrat mit uns als Ortsbeirat umgeht. Dem Gremium, dass sich nicht nur vor Ort auskennt, sondern auch der direkte Ansprechpartner für die Bürger ist, so Hesse.

Aus Gründen der Verkehrssicherheit

Ein legales und regelkonformes Längsparken neben dem Rad- und Fußweg lasse sich nach den aktuell gültigen Regelmaßnahmen nicht mehr darstellen, erklärt Michaela Kraft, Leiterin des Amtes für Straßenbau und Erschließung. So sollten Radwege mindestens zwei Meter breit sein. Auch im Sinne der Fußgänger sei es nicht akzeptabel, dass Radfahrer gezwungen würden, auf den Gehweg auszuweichen. Am aktuellen Sachstand werde sich deswegen nichts ändern. "Bei sicherheitsrelevanten Fragen ist das Einbeziehen des Ortsbeirates nicht zwingend erforderlich", so Kraft. Perspektivisch seien keine weiteren Sanierungen und ein Wegfall von Parkplätzen im Marbachweg vorgesehen. Auch der Schwerbehindertenparkplatz werde, wenn die Witterung es zulasse, an gleicher Stelle markiert. Zudem sollen Fahrradbügel installiert werden.

Als "völligen Quatsch" bezeichneten einige Anwohner in der Sitzung das auch von Ortsvorsteher Hesse genannte Argument, dass Radfahrer mehr Platz benötigten. Seit Jahrzehnten werde dort geparkt, geradelt und gelaufen. Zu Unfällen sei es nie gekommen. In der Sache sei das Vorgehen der Stadt sicherlich ärgerlich, aber es gebe auch Menschen, die sich über den neuen Radweg freuten, sagte eine Anwohnerin. "Er ist wunderschön, wir lieben ihn."

Auch Angela Rühle (Grüne) kritisierte nicht nur die Informationspolitik der Stadt, sondern auch die "absurde Breite des Radweges" und plädierte ebenso für einen Ortstermin wie Ingrid Häußler (FDP). "Die Stadt hätte lieber vorher mit den Menschen reden sollen, die Ortskenntnisse haben. Mit uns", sagte sie. Einstimmig wurde ein Antrag von CDU, SPD und FDP verabschiedet, der einen Ortstermin forderte, mehrheitlich ein Antrag von CDU und SPD, der den Magistrat bittet, die Strafzettel zurückzunehmen. "Dazu hat der Magistrat allerdings keine Befugnis", erklärte Häußler ihre Ablehnung. judith dietermann

Kommentar: Erst miteinander reden, dann handeln! (von Judith Dietermann)

Es ist schon kurios, was in den vergangenen Wochen im Marbachweg passierte. Eigentlich wollte die Stadt mit der Sanierung des Radweges etwas Gutes tun. Die Schlaglöcher sollten verschwinden, das Radfahren auf dem rund 200 Meter langen Abschnitt nicht nur angenehmer, sondern auch sicherer werden. Erreicht wurde mit der Maßnahme jedoch das Gegenteil. Weil es nicht nur beim Entfernen der Schlaglöcher blieb, sondern zugleich auch die dort so wichtigen 20 Stellplätze verschwanden. Von heute auf morgen. Ohne Ankündigung. Dementsprechend groß ist die Aufregung.

Denn während die Radfahrer nun einen echten Luxus-Radweg haben, der zweifelsohne sehr sicher ist, schauen die Autofahrer in die Röhre. Es kann nicht sein, dass der eine Verkehrsteilnehmer den anderen verdrängt. Und das an einer Stelle, an der das Miteinander zuvor problemlos funktionierte. Hätte die Stadt vorher mit dem Ortsbeirat, mit den Menschen die die Örtlichkeiten bestens kennen, gesprochen und gemeinsam eine Lösung gesucht, wäre die Aufregung vielleicht ausgeblieben. Was jetzt folgt, ist nur noch Schadensbegrenzung.

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