So könnte die Schule einmal aussehen. Würden die Mainwasen bebaut, müssten die dortigen Sportvereine wegziehen. Oberrad wehrt sich gegen den Vorschlag der Römer-CDU, an der Offenbacher Landstraße einen Ersatz-Sportpark zu errichten. foto: amt für bau und immobilien
+
So könnte die Schule einmal aussehen. Würden die Mainwasen bebaut, müssten die dortigen Sportvereine wegziehen. Oberrad wehrt sich gegen den Vorschlag der Römer-CDU, an der Offenbacher Landstraße einen Ersatz-Sportpark zu errichten.

Stadtplanung

Niemand will in Oberrad den Sportpark vor der eigenen Tür

  • vonStefanie Wehr
    schließen

Würde die Europäische Schule auf den Mainwasen gebaut, müssten Vereine an die Offenbacher Landstraße ziehen.

Frankfurt – Die SPD im Römer hat dem Bau der Europäischen Schule an den Mainwasen nochmals eine klare Absage im Koalitionsausschuss erteilt. Die Schule solle anstatt einer Multifunktionshalle am Kaiserlei errichtet werden, dort wäre sie auch besser an den ÖPNV angebunden.

In Oberrad teilen viele diese Meinung. Denn ein Schulbau an den Mainwasen würde nicht nur den gewohnten freien Blick über die Felder nach Frankfurt verändern und einengen. Sondern was auch dräut, ist der Umzug der beiden Sachsenhäuser Fußballvereine VfL Germania und SV Sachsenhausen auf ein neu zu bauendes Sportgelände an der Offenbacher Landstraße, gegenüber der Hochschule Sankt Georgen. Auf dem so genannten Pfaffenacker, der direkt an die Wohnhäuser der Balduinstraße angrenzt. Die Anwohner sind entsetzt über die Aussicht, den Lärm eines riesigen Sportgeländes mit Autoverkehr und nächtlichem Flutlicht vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Neuer Sportpark in Frankfurt-Oberrad?

Diese Idee eines Sportparks Oberrad des CDU-geführten Sportdezernats lobte gestern in einer Mitteilung der Chef der Frankfurter Christdemokraten Nils Kößler: Er bedauere die Entscheidung der Frankfurter SPD gegen einen Neubau der Europäischen Schule an den Mainwasen. „Das blockiert gleich drei wichtige Projekte: den Umzug der Europäischen Schule in die direkte Nachbarschaft zur EZB, die Sanierung und den Ausbau der Ernst-Reuter-Schulen in der Nordweststadt sowie den Bau eines neuen Sportparks für Sachsenhausen und Oberrad“, schreibt Kößler. Der neue „Sportpark Oberrad“ eröffne dem SV 1894 Sachsenhausen und der VfL Germania „mit Anschluss an die Wohngebiete und den ÖPNV völlig neue Chancen: Das Sportangebot für beide Stadtteile wird allein durch die vorgesehene Sporthalle auf eine neue, deutlich höhere Qualität gebracht.“

Vereine in Frankfurt würden lieber auf Mainwasen bleiben

Doch da hat Kößler die Rechnung ohne die Oberräder gemacht. Denn was dem Neubau der Sportanlage entgegensteht, sind die Gärtnerbetriebe sowie mehrere Pächter und Besitzer von Kleingärten auf dem Areal. „Meiner Meinung nach ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dort zu bauen“, sagt der Kräutergärtner Rainer Schecker. Er selbst bewirtschaftet dort zwar keine Anbauflächen, aber er kennt die Verhältnisse. Die Stadt müsste mit „unzähligen Besitzern von kleinen Parzellen verhandeln, und wenn nur einer Nein sagt, ist das Ding gestorben“, so Schecker. „Ich denke, das wird nicht klappen“.

Das Thema eignet sich indes bestens für den Kommunalwahlkampf. Ganz anders als sein Parteichef sieht Christian Becker, CDU-Vorsitzender in Oberrad und Ortsvorsteher im Fünfer, die Angelegenheit. Becker führt an, dass die wirtschaftliche Existenz der Landwirte auf dem Spiel stehe, sollte auf und nördlich des Pfaffenackers ein Sportplatz gebaut werden. Dennoch hält die CDU Oberrad die Mainwasen für einen geeigneten Schulstandort. Doch ein Ausweichgelände für die Fußballvereine, „das muss woanders gesucht werden“, so Becker.

Fußballverein in Frankfurt-Oberrad fürchtet um Mitglieder

Zudem gibt es in Oberrad bereits einen Fußballverein, die Spvgg. Oberrad 05. Dem Vernehmen nach sorgen sich manche im Verein, dass ihm Mitglieder verloren gehen könnten, denn das Beckerwiesen-Gelände am Waldrand ist für Oberräder, die nahe der Offenbacher Landstraße wohnen, weniger einfach zu erreichen als ein Sportplatz zweier Sachsenhäuser Vereine direkt vor der Nase am Ortsrand. „Darüber müsste man noch mal mit den Vereinen sprechen“, sagt Becker.

Die Vereine auf den Mainwasen können sich einen Verbleib an Ort und Stelle vorstellen, sagt Maurice Skowronek vom SV Sachsenhausen. „Aber nur, wenn der Platz saniert wird, ein neuer Kunstrasenplatz anstelle des Hartplatzes entsteht.“ Einem Umzug würde er zustimmen, wenn der neue Ort die Voraussetzungen erfülle. „Ich hoffe, dass die Versprechungen, die uns gemacht wurden, auch nach der Wahl noch gelten“, so Skowronek.

Die Kleingärtner vom „Mainwasen e. V.“ wollen den Schulbau verhindern. Der Vorsitzende Klaus J. Tippmann stellt klar: „25 der 107 Kleingärten würden wegfallen. Wir haben hier gewachsene biologische Strukturen. Das alles würde zerstört.“ (Stefanie Wehr)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare