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Mohammed El Ghouti

Islamischer Kulturverein

Kicken vertreibt dumme Gedanken

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Beim Islamischen Kulturverein As-Salam Moschee fürchtet man sich vor Verwahrlosung und Radikalisierung der Kinder und Jugendlichen in der Nordweststadt. Mit einem Fußballprojekt und viel Aufmerksamkeit will man künftig gegensteuern.

Auf dem Fußballplatz des SV 1919 Niederursel rollt der Ball. Hier spielen die Kinder, dort die Jugendlichen, über 40 an der Zahl. Rund 25, die angemeldet sind, fehlen noch. Fast alle haben ausländische Wurzeln und wohnen in der Nordweststadt. Für Mohammed El Ghouti, einst aktiver Landesligaspieler und jetzt Jugendtrainer beim SV Blau-Gelb Frankfurt, ist das eine beruhigende Szene, weil er weiß, wo die Heranwachsenden sich aufhalten und dass sie beschäftigt sind – und zwar mit Dingen, die sie im Leben weiterbringen: Teamgeist, Disziplin, Motivation.

„Man lernt beim Fußball, was Freundschaft bedeutet, wie man mit Fremden umgeht und sich aufmerksam verhält“, sagt El Ghouti, der sich seit Jahren für den Islamischen Kulturverein As-Salam Moschee engagiert. Außerhalb seines Einflussbereichs, fürchtet der gebürtige Marokkaner, seien die Kinder und Jugendlichen bedroht. „Es wird viel über Radikalisierung gesprochen zurzeit.“ Geschichten über junge Erwachsene, die in den heiligen Krieg ziehen, um sich der islamistisches Terrormiliz ISIS anzuschließen, machten die Runde. Und seit den Anschlägen auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo in Paris ist auch die Stimmung in der deutschen Gesellschaft aufgeheizt, was islamfeindlichen Gruppierungen Aufwind gebe.

„Ich habe Angst. Ich will nicht, dass die Jungs in falsche Kreise abgleiten“, berichtet deswegen El Ghouti. Auf dem Fußballplatz und in der Moschee hält er den Nachwuchs für sicher, in den Straßen der Nordweststadt nicht so sehr. „Da wissen sie nicht, wo sie hin sollen und hängen mit Leuten rum, die Drogen nehmen und Alkohol trinken“, meint er.

Über die Klagen der Jugendlichen, keine eigenen Rückzugsplätze zu haben und so Konflikte mit Anwohnern zu provozieren, berichtete diese Zeitung schon im Sommer vergangenen Jahres. Die Beweggründe der Box Companie Nordwest, die im Mai jetzt endlich ihre eigenen Räume bezieht und sich sozial engagieren will, ähneln den Sorgen des islamischen Kulturvereins As-Salam Moschee.

Eine große Schwierigkeit bestehe darin, dass in den Familien zu wenig über Probleme gesprochen werde, überhaupt erhielten die Heranwachsenden zu wenig Aufmerksamkeit, weiß Mohammed El Ghouti. Dies soll sich im Wirkungskreis von As-Salam jetzt ändern: Mehrmals pro Woche wird künftig Fußball angeboten, Training wie im Verein, auch Übernachtungen und Ausflüge mit Freundschaftsspielen sind geplant. Eine eigene Mädchengruppe gibt es schon. Darüber hinaus wird As-Salam ein Vater-Kind-Projekt starten, das die familiäre Beziehung stärken soll. 2011 wurde der Kulturverein für ein ähnliches Projekt mit dem zweiten Platz beim Wettbewerb Frankfurter Nachbarschaftspreis ausgezeichnet. „Viele Eltern haben zu wenig Zeit oder nehmen sie sich nicht“, betont El Ghouti.

As-Salam arbeitet deswegen mit verschiedenen sozialen Einrichtungen des Quartiers zusammen und lädt Experten für Gesprächsrunden ein: Pädagogen und Psychologen zum Beispiel, die auch Eltern über Erziehungsfragen beraten. Als besonders wichtig erscheint es El Ghouti, Kinder und Jugendliche über den richtigen Islam aufzuklären, über die nur kleinen Unterschiede zwischen Bibel und Koran und dass alle Menschen gleich sind, egal ob Moslem oder Christ – ISIS nämlich, so El Ghouti, sei „barbarisch und inakzeptabel“.

Finanzielle und beratende Unterstützung erhält As-Salam vom Frankfurter Programm Aktive Nachbarschaft. Quartiersmanagerin Annette Püntmann findet das Engagement „großartig“, weil es nun eine offene Diskussion gäbe, wie etwa der Einfluss von Salafisten auf den Nachwuchs verkürzt werden könne: „Der Verein nutzt seine Kontakte und die Vertrautheit der Menschen, um Probleme anzusprechen“. Im Quartier, besonders in sozialen Einrichtungen, sei Glaube und Unglaube ein großes Thema. „Die Menschen hier stehen richtig unter Druck, jetzt stellen sie Überlegungen an, wie man da rauskommt“, schildert Püntmann.

Fragt man die Jugendlichen auf dem Fußballplatz nach ihrer Einschätzung des As-Salam Projekts, hört man viel Positives: „Es ist schöner, gemeinsam auf den Fußballplatz zu gehen, als auf der Straße zu kicken. Außerdem trifft man neue Leute“, sagt Anas (16). Er und seine Freunde hätten zwar weder zu Hause noch in der Schule größere Probleme, bei manchen Bekannten sähe das aber anders. „Die Eltern interessieren sich nicht wirklich, so geraten sie auf die schiefe Bahn. Das ist wirklich schade“.

(peh)

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