Mutter Rahima Aryabsei, Hrla (1) und Yunus (2) freuen sich, dass in der Halle des Niederräder Turnvereins wieder Kinderturnen stattfindet. FOTO: leonhard hamerski
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Mutter Rahima Aryabsei, Hrla (1) und Yunus (2) freuen sich, dass in der Halle des Niederräder Turnvereins wieder Kinderturnen stattfindet.

TV Niederrad erlebt Boom

Kids können sich endlich wieder austoben

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Seit dem Sommer drängen immer mehr Kinder und Jugendliche in den Verein.

Ausgerechnet zum Fototermin waren nur eine Handvoll Kleinkinder beim Turn-Nachmittag in der Halle des Turnvereins: "Alle sind auf dem Martinsumzug. Normalerweise steppt hier mittwochs der Bär, weil so viele Kinder herumwuseln, laufen, kreischen und lachen", beschreibt Christian Heidrich die Szenerie. Bollerwagen zum Ziehen, Aufbauten mit Turngeräten und dicke Matten verleiten zum Krachmachen, Springen, Hüpfen oder zum Geschicklichkeitslauf.

Trainer und Vorstandsmitglied Heidrich freut sich über den Andrang, der derzeit in den Kindergruppen herrscht. "Wir werden in letzter Zeit förmlich überrannt. Die Kindergruppen sind alle voll, wir müssen leider immer wieder Kinder ablehnen, die neu dazukommen wollen."

Zum ersten Mal sei das zu spüren gewesen, als der Turnverein im Sommer zum Kinderfest einlud. "Wir hätten nie damit gerechnet, dass das Fest so viel Resonanz bekommt. Da kamen unzählige Familien, ein Kinderwagen nach dem anderen rollte in den Hof. Die Hüpfburg wurde von einer kleinen Meute gestürmt, so dass wir sogar einen Security-Mitarbeiter an dem Spielgerät postieren mussten, damit es keine Verletzten gibt", erzählt Heidrich.

Austoben nach dem Lockdown

Zurückzuführen sei der sprichwörtliche Run auf die Angebote für Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das lange Stillsitzen, die bewegungslosen Phasen während der Lockdowns zu Hause, die viele Kinder ganz ohne andere Spielkameraden verbringen mussten. "Es war so rührend, wie die Eltern sich für ihre Kleinen gefreut haben, dass sie sich endlich mal austoben können", so der Trainer. Auch beim Tanz und Theater auf der Bühne herrschte großer Spaß. Für den Verein war das Fest ein großer Erfolg und Ansporn, wieder durchzustarten. "Wir wollen weiterhin im Stadtteil verankert sein und Angebote schaffen, die gebraucht werden."

Nach und nach haben sich auch die anderen Gruppen für Kinder und Jugendliche wieder gefüllt. Einige hatten online stattgefunden, zum Beispiel Judo, Hip-Hop-Tanz und Modern Dance. Kampfsportler und Tänzer vor allem bei den älteren Jugendlichen und Erwachsenen trafen sich im Elli-Lucht-Park, als die Halle wegen Corona noch nicht genutzt werden konnte. Für 3- bis 5-Jährige hätte ein Online-Angebot nicht funktioniert. Ergo der aktuelle Andrang.

Während der fast zwei Jahre Pause mit On- und Off-Angeboten gab es nur wenige Austritte - "keine Austrittswelle" -, inzwischen ist der NTV wieder auf Vor-Corona-Niveau, was die Mitgliederzahlen betrifft, sogar etwas mehr: 940 Mitglieder zählt der Verein, davon rund 400 Kinder.

Der große Boom bei den Kids ist zurzeit Tischtennis. "Da ist jede Woche freitags und samstags die Halle voll", berichtet Heidrich. Mehr als 40 Kinder üben sich im Pingpong, sie bilden vier Mannschaften, die in verschiedenen Ligen Wettkämpfe austragen. Montags trainieren vor allem chinesische Kinder. Ihr Trainer, Xiaojun, war einst fünftbester Tischtennisspieler Chinas.

Beliebt ist vor allem bei Jungs auch der Kampfsport Kickboxen, bei Mädchen eher der kreative Kindertanz, den die Zweite Vorsitzende Friederike Arold anbietet. Sie leitet auch die Theatergruppe der Erwachsenen. Tanz von Kids Dance über Hip-Hop und Video-Clip-Dance bis Zumba ist überhaupt ein beliebter Zweig des Vereins, viele Jugendliche aus dem Mainfeld nehmen teil, "der Bedarf ist enorm", so Heidrich, der Verein leistet hier auch wichtige Integrationsarbeit.

Auspowern nach dem Bürotag

Auspowern können sich junge Leute - aber auch ältere - beim Crossfit, einer Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining. "Damit füllen wir die Lücke der 20- bis 40-Jährigen, deren Mitgliederzahlen sind am niedrigsten. Auspowern nach der Arbeit lautet die Devise beim Crossfit, als Ausgleich zum Büroalltag. "Das ist bei Männern und Frauen auch sehr angesagt, eher sogar bei den Frauen", weiß Heidrich, der die Gruppen selbst trainiert.

Die Älteren ab 60 trudeln inzwischen auch wieder ein, freuen sich über die Fitnessgruppen für Senioren. "Viele sind die Gruppentreffen auch nicht mehr gewohnt nach der langen Zeit, haben auch immer noch Angst vor Ansteckung", sagt Arold.

Es wird ein Weilchen dauern, bis sich alles wieder einspielt - wenn Corona es erlaubt. Die Pandemie-Zeit war für den Verein bisher "hammerhart", sagt Heidrich, "es musste viel improvisiert und ständig neu gedacht werden. Hut ab, wie viel Zeit und Arbeit der Vorstand aufgewendet hat, um Sport möglich zu machen". Stefanie Wehr

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