?Es gibt viele härtere Ecken in Frankfurt?, sagt ein 18-jähriger Schüler und dreht sich einen Joint auf der Parkbank.
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?Es gibt viele härtere Ecken in Frankfurt?, sagt ein 18-jähriger Schüler und dreht sich einen Joint auf der Parkbank.

Szene im Günthersburgpark

Kiffer lösen Angst-Debatte aus

  • Daniel Gräber
    VonDaniel Gräber
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Für Kiffer und Kleindealer ist der nördliche Teil des Günthersburgparks ein Paradies. Auf den Bänken und der Wiese entspannen sie sich bei einem Joint. Doch manche Anwohner fühlen sich dadurch gestört. Lokalpolitiker sprechen sogar von einem Angstraum. Das sei übertrieben, meint die Polizei, hat ihre Kontrollen aber verstärkt.

Ein eher milder Januarnachmittag, grauer Himmel, aber trocken. Im nördlichen Teil des Günthersburgparks warten drei jüngere Afrikaner, was ihnen der Tag noch so bringen mag. Ihre geröteten, glasigen Augen lassen vermuten, dass sie nicht nur Zigarettentabak geraucht haben. „Es gibt hier keine Probleme, alle sind entspannt“, sagt der Älteste von ihnen. Er sei vor 24 Jahren als Jugendlicher aus Äthiopien nach Frankfurt gekommen. Inzwischen habe er selbst Kinder. „Mit denen komme ich auch hierher, das ist ein Familienpark.“ Er versteht die ganze Aufregung nicht, die seit einigen Monaten im Nordend und im benachbarten Bornheim herrscht.

Im zuständigen Ortsbeirat 3 ist die Sicherheitslage im Günthersburgpark seit Monaten ein Streitthema. Altlinke nutzen das Thema, um im Stadtteilparlament Grundsatzreferate für die Legalisierung von Cannabis zu halten. Die FDP versucht hingegen, sich als Rechtsstaatspartei zu profilieren. Aus ihren Reihen stammte ein Antrag, der vergangene Woche für eine leidenschaftliche Debatte sorgte. Denn darin war ein Schlagwort enthalten, das mancher, der die Situation vor Ort kennt, als übertrieben kritisiert. „Es haben sich offensichtlich schon Angsträume etabliert, die von Bürgern zu bestimmten Tageszeiten gemieden werden“, schrieb die FDP damals. Gemeint war der Kiffertreffpunkt im nördlichen Teil des Parks.

Bislang nichts passiert

In der jüngsten Ortsbeiratssitzung war deshalb der Leiter des 6. Polizeireviers, Giovanni Li Fonti, zu Gast. Von einem Angstraum könne im Güntherburgpark keine Rede sein. Die Anwohnerbeschwerden nehme er dennoch ernst. Deshalb hätten seine Beamten dort im vergangenen Jahr häufiger kontrolliert, sagte Li Fonti. Sie waren auch in Zivil und mit Drogenspürhunden unterwegs. Das Ergebnis: 10 bis 15 Betäubungsmitteldelikte in zwölf Monaten. Ganz genau will die Polizei diese Zahl derzeit noch nicht angeben. „In allen Fällen ging es ausschließlich um weiche Drogen, um Haschisch oder Marihuana“, betonte Li Fonti. Der Polizei sei dort keine einzige Belästigung, Beleidigung und kein Übergriff gemeldet worden. Die „subjektive Verletzung des Sicherheitsgefühls“ einzelner Bürger wolle er dennoch ernstnehmen, versicherte der Revierleiter und versprach weiterhin verstärkte Kontrollen im Günthersburgpark.

Dort gesellen sich an diesem Nachmittag zwei 18-jährige Frankfurter zu den drei Männern. Die beiden Schüler haben offensichtlich keine afrikanischen Wurzeln, aber es gefällt ihnen hier bei den „Reggae-Leuten“, sagen sie. „Wir kommen gerne in den Park, hier kiffen die Leute nur und sind friedlich. Es gibt viel härtere Ecken in Frankfurt.“ Dann holt einer der beiden Zigarettenpapierchen, Tabak und einen kleinen braunen Klumpen aus seiner Jackentasche. „Oh, ihr habt Haschisch. Kann ich mitrauchen?“, fragt der Äthiopier und kommt von der Nachbarbank herüber.

„Den Jugendlichen fehlt das Unrechtbewusstsein“, sagte Polizeirevierleiter Li Fonti im Ortsbeirat. Zwar sei der Konsum von Cannabis nicht verboten, aber der Besitz und der Handel damit. Linke und Grüne nutzten das als Steilvorlage. Kiffer müssten endlich entkriminalisiert werden, forderten sie. Dann könne sich die Polizei wieder um wichtigere Dinge kümmern.

Bizarrer Wahlkampf

Eine Forderung, die sich auch eine Außenseiter-Kandidatin für die anstehende Oberbürgermeisterwahl auf die Fahnen geschrieben hat. Die parteilose Felicia Herrschaft ist regelmäßig im Günthersburgpark unterwegs. Mit einem etwas bizarr wirkenden Blätter-Kostüm macht die Soziologin dort Wahlkampf. „Frankfurt kann eine Modellkommune werden, in der Cannabis angebaut und ganz legal angeboten wird“, erklärt sie den beiden Schülern. Die sind begeistert: „Das wäre toll, dann machen wir einen Coffeeshop auf.“

Einige Meter weiter dreht eine Joggerin ihre Runden. Ob sie vor den Kiffern auf den Parkbänken Angst habe, fragen wir sie. „Ganz wohl ist mir nicht, aber ich laufe trotzdem an ihnen vorbei“, antwortet die Studentin. Passiert sei ihr hier noch nichts.

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