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1,2 Kilogramm geballte Frankfurter Historie

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Von: Gernot Gottwals

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Helga Roos mit dem Sammelband, den es für 15 Euro im Stadtteilbüro Gallus (Frankenallee 166), beim Werbeservice Wolf (Frankenallee 203) und an einigen Kiosken gibt.
Helga Roos mit dem Sammelband, den es für 15 Euro im Stadtteilbüro Gallus (Frankenallee 166), beim Werbeservice Wolf (Frankenallee 203) und an einigen Kiosken gibt. © sauda

Geschichtsverein Gallus bringt Sammelband heraus - 100 Ausgaben in einem Buch

Sie ist Wahrzeichen, beliebtes Foto- und Postkartenmotiv des Stadtteils. Doch als mittelalterliche Galgenwarte hat die Galluswarte auch eine dunkle Geschichte. Hingegen zählt die Hellerhofsiedlung durchaus zu den Frankfurter Leuchttürmen des Neuen Bauens - auch wenn nach dem Krieg eingebaute Balkons und blauer statt weißer Putz in der Idsteiner Straße nicht mehr dem Originalzustand entsprechen.

Nachzulesen sind die Geschichten vom "Hoch-Gericht vor der Sanct Gallen Pforten" und dem Bau der Neuen Hellerhofsiedlung in den Ausgaben der 2013 gegründeten Zeitschrift "Die Geschichtswerkstatt Gallus berichtet". Da im April 2021 die einhundertste Ausgabe erschien, hat die Geschichtswerkstatt zu diesem Jubiläum die ersten 100 Ausgaben der Zeitschrift in einem gebundenen Buch zusammengefasst. 400 Seiten, 1,2 Kilo schwer, 300 Stück.

So erfährt man in Ausgabe 4, dass der vor allem aus Ostblockzeiten bekannte tschechoslowakische Autohersteller Tatra schon 1925 eine Niederlassung in der Frankenallee 98-102 gründete. Eine zweiteilige Serie handelt von der Swing-Jugend im Gallus, auch historische Straßen- und der ewig rätselhafte Stadtteilname "Kamerun" werden beleuchtet.

Die Anfänge der Zeitschrift reichen zurück bis zur Gründung der Geschichtswerkstatt im Rahmen des Projekts "Soziale Stadt Gallus". "Seit 2012 erscheint ja jährlich unser Stadtteilkalender, daneben gibt es einzelne geschichtliche Publikationen auch durch das Projekt Stadtteilhistoriker der Polytechnischen Gesellschaft", berichtet Helga Roos, Mitglied des Redaktionsteams.

Bye, bye Georg von Opel

Unter dem Titel "Bye, bye, Georg von Opel" erschien bereits 2013 ein Beitrag zu einem denkwürdigen Ereignis, dem Abriss des Autohauses in der Mainzer Landstraße. Susanne Bosch hatte auf den Abriss aufmerksam gemacht, den die Geschichtswerkstatt leider nicht mehr verhindern konnte.

Zu den regelmäßigen Mitarbeitern gehörten neben Helga Roos schon bald Hanne und Jürgen Emrich, Renate Ullrich und Irmgard Lauer-Seidelmann. "Damals verwahrten wir häufig Ordner mit gesammelten Dokumenten und Zeitungsartikeln", berichtet Roos.

In der Regel trifft sich das Team - außer in Coronazeiten- zwei Mal im Monat mittwochs abends, um die nächste Ausgabe zu planen und sich gegenseitig beim Recherchieren, Verfassen und Redigieren der Beiträge zu unterstützen. "Dabei geht es uns um fundiert recherchierte und ausformulierte Artikel, die auch durch ein am Ende eingefügtes Literaturverzeichnis belegt werden können", betont Roos. Als Richtwert für die Länge gelten etwa vier DIN-A-4-Seiten. Neben Fotografien aus der Fachliteratur und den Archiven spielen auch Postkarten eine besondere Rolle.

Eine wertvolle Ergänzung sind zudem Zeitzeugen wie Egon Matthes, den die Geschichtswerkstatt erst 2017 zwei Jahre vor seinem Tod kennenlernte: Er hinterließ mündliche Berichte, Prosatexte und gereimte Verse vor allem über die Kriegs- und Nachkriegszeit im Gallus."Für ein breites Spektrum sollte jeder seine eigene Perspektive einbringt, bei mir etwa die Sozialgeschichte, bei anderen Autoren die Architektur, Technik oder Industrie", erklärt Roos weiter. Oder die prominenten Frauen, zu denen die erste Damenfußballerin Lotte Specht und die gemeinsam mit ihr in der Friedenskirche konfirmierte Schauspielerin Lia Wöhr gehören.

Hat Lutz Mohnhaupt der Friedrich-Ebert-Siedlung in den Ausgaben 94 und 97 (2020, 2021) eine zweiteilige Serie gewidmet, so stehen versteckte Quartiere wie die Goi in der Ansbacher Straße noch auf der Agenda für künftige Ausgaben. Gernot gottwals

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