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Chancengleichheit

Kinder-Armut vorbeugen: Alleinerziehende haben es in Großstädten oft schwer

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Viele Studien zeigen es: Besonders Kinder von Alleinerziehenden sind davon bedroht, in Armut aufzuwachsen. In Frankfurt gibt es 16572 alleinerziehende Mütter und Väter. Die Grünen-Fraktion im Römer will ihren Alltag erleichtern.

Wenn die Stadtverordnete Ursula auf der Heide (Grüne) von Alleinerziehenden erzählt, von ihrem anstrengenden Alltag, großen Herausforderungen und Organisationstalenten, dann ist das auch immer ein Teil ihrer eigenen Geschichte. Die Mutter der Sachsenhäuserin hat sie und ihren Bruder auch alleine groß gezogen. „Sie war eine stolze und starke Frau, entschlossen, das alleine zu schaffen“, erzählt auf der Heide. „Nichtsdestotrotz habe ich oft mitbekommen, wie anstrengend das war.“

42 Prozent der Alleinerziehenden in Frankfurt leben von Hartz IV

Die Grünen-Fraktion im Römer will jetzt das Leben von alleinerziehenden Müttern und Vätern erleichtern – mit sechs kleineren und größeren Maßnahmen. „Die Ein-Eltern-Familie sind eine überschaubare Gruppe, der man helfen kann“, sagt auf der Heide. „Da können wir langfristig soziale Gerechtigkeit schaffen.“ Zahlreiche Studien wie von der Bertelsmann-Stiftung oder dem Bundesfamilienministerium (siehe Infobox) zeigen, dass Kinder, die bei einem Elternteil aufwachsen, ein größeres Armutsrisiko haben und schlechtere Teilhabemöglichkeiten. „Wir wollen die Ursachen von Armut gezielt anpacken“, sagt auf der Heide.

Im Jahr 2017 waren in Frankfurt von 416 615 Haushalten 16 572 von Alleinerziehenden mit einem oder mehr Kindern im Alter bis 17 Jahren. Von den Alleinerziehenden waren 15 085 Frauen und 1487 Männer. 11 087 der Alleinerziehenden hatten ein Kind, 4195 zwei Kinder und 1290 drei oder mehr Kinder. Rund 42 Prozent von ihnen leben von Hartz IV. Beim Jobcenter waren 2017 6989 Haushalte mit einem Erwachsenen und mindestens einem Kind registriert. Auch das Sozialmonitoring der Stadt Frankfurt geht davon aus, dass die Gruppe der Alleinerziehenden häufiger von sozialer Ausgrenzung „bedroht“ ist als andere Haushaltstypen. Aus der Studie geht hervor, dass Ende 2015 in Kalbach-Riedberg die wenigsten Alleinerziehenden lebten. In einem Bezirk am Riedberg lag der Anteil der Ein-Eltern-Haushalte an allen Familien-Haushalten sogar nur bei 9,5 Prozent. Auch in Harheim sind wenige Alleinerziehende anzutreffen. In der Innenstadt, in Bornheim und im Riederwald hingegen leben viele alleinerziehende Mütter und Väter. In einem Bezirk in der Innenstadt lag der Anteil gar bei 40,9 Prozent, in einem Bezirk in Bornheim bei 39,6 Prozent.

Gerade in Großstädten wie Frankfurt ist es schwer, alleinerziehend zu sein

„Wenn Ein-Eltern-Familien nur von einem Gehalt leben, ist es gerade in Großstädten wie Frankfurt schwer über die Runden zu kommen“, weiß Gabi Bues vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV). Ein großes Thema unter den Alleinerziehenden sei das Wohnen. „Wir haben in unserer Beratungsstelle sogar Eltern sitzen, die sich gerne trennen wollen, aber nicht können, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden“, so Bues. Ein zweites großes Thema sei eine flexible Kinderbetreuung. „Das fehlt in Frankfurt.“ Das Gros der Krippen und Kindergärten haben von 7.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. „Bei langen Fahrtwegen oder im Schichtdienst ist man da aber aufgeschmissen“, sagt Bues. Und Geld für Babysitter sei nicht drin.

Stadt Essen als Vorbild für Frankfurt in der Kinderbetreuung

Das Problem mit der Kinderbetreuung wollen die Grünen im Römer jetzt angehen. Sie wollen sich für den Ausbau ganztägiger Betreuungsangebote einsetzen – vornehmlich in den Stadtteil mit einem hohen Anteil von Alleinerziehenden. Zudem würden sie gerne ein Pilotprojekt in Frankfurt etablieren, mit dessen Hilfe die Zeiten abgedeckt werden, wo Kita oder Hort zu haben – früh morgens, spät abends oder am Wochenende. Als Vorbild dient ein Projekt aus Essen. Dort kommen qualifizierte Betreuer zur Überbrückung zu den Familien nach Hause und kümmern sich um die Kinder.

Darüber hinaus setzt sich die Grünen-Fraktion für eine bedarfsgerechte Beratung aus einer Hand ein, für familienfreundlichere Arbeitszeiten bei der Stadt, für eine Imagekampagne sowie ein Selbsthilfenetzwerk für Alleinerziehende. Zudem fordern sie ein Kindergrundeinkommen. Aber das muss in Berlin entschieden werden.

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