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Ein eingespieltes Team: Tim und Marcus Wagner beobachten, wie das Gemisch aus Wasser und Tomatenstückchen gleichmäßig gerührt und langsam erhitzt wird.

Mit dem Papa im Labor

Kinder und Eltern experimentieren gemeinsam beim "Kemie"-Projekt

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Naturwissenschaftlicher Unterricht ist langweilig? Ganz und gar nicht, wie das Projekt „Kemie“ der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und des Institutes für Didaktik der Chemie der Goethe-Universität zeigt. Kinder und Eltern experimentieren gemeinsam im Labor und lernen ganz nebenbei etwas über chemische Prozesse und Lebensmittel.

Tim (11) zerreibt ein Stück Tomate in einem Mörser. Die Masse gibt er in ein Becherglas. Sein Papa Marcus Wagner füllt das Gefäß mit destilliertem Wasser auf, bevor beides auf einer Heizplatte zum Erhitzen gebracht wird. Um die Mischung gleichmäßig in Bewegung zu halten, verwenden die beiden kein klassisches Rührgerät, sondern einen „Rührfisch“. Ein Magnetrührstäbchen, das auf den Boden des Becherglases gelegt wird und sich dort dreht, weil sich auch in der Heizplatte selbst ein Magnet befindet, der rotiert.

Die Geräte verraten es bereits: Vater und Sohn kochen keine Suppe in der heimischen Küche, sondern experimentieren in einem echten Chemie-Labor – einem Schüler-Labor auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität. Mit Schutzbrille und Kittel ausgestattet, arbeiten Vater und Sohn konzentriert an ihrer Aufgabe. Im Institut für Didaktik der Chemie gehören sie zu 76 Teilnehmern des Projekts „Kemie“ – „Kinder erleben mit ihren Eltern Chemie“ oder „Kinder experimentieren mit ihren Eltern“. Zum ersten Mal wird dieses über ein Schuljahr andauernde Projekt für Schüler von zehn bis dreizehn Jahren angeboten. Insgesamt gibt es neun Termine.

Bereits zum siebten Mal treffen sich die Teilnehmer. An diesem Tag steht das Thema „Zuckergehalt von Lebensmitteln“ im Mittelpunkt der Aufgaben. Auf einem Informationsblatt werden die genaue Durchführung des Experimentes, die benötigten Geräte und Chemikalien sowie die Aufgabe erklärt. Dieses Mal soll der Glukosegehalt in verschiedenen Lebensmitteln wie Tomate, Banane oder Gurke bestimmt werden. Experimentiert wird im Zweierteam – zusammengesetzt aus Mutter oder Vater und Kind. Idee des Projektes ist, Kinder frühzeitig für die Chemie, das heißt ihre Aufgaben, die Denk- und Arbeitsmethoden sowie für die Berufsmöglichkeiten zu sensibilisieren.

In Frankfurt ist das Projekt noch in der Pilotphase. Das Konzept geht zurück auf die Professorin Dr. Katrin Sommer von der Ruhr-Universität Bochum. Sie wurde vor einem Jahr mit dem Polytechnik-Preis für die Didaktik der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) ausgezeichnet, den die Stiftung Polytechnische Gesellschaft vergibt.

„Der Preis“, erklärt Dr. Wolfgang Eimer, bei der Stiftung zuständig für Wissenschaft und Technik, „wird für didaktische Forschungen verliehen, die zu neuen Unterrichts- und Vermittlungskonzepten in den MINT-Fächern führen.“ Konzepte wie das „Kemie“-Projekt würden von der Stiftung nach Frankfurt geholt, um sie den Schülern zugutekommen zu lassen. „Für die Realisierung suchen wir uns Experten“, sagt Eimer weiter. Mit dem Institut für Didaktik der Chemie der Goethe-Universität arbeiteten sie bereits seit mehreren Jahren zusammen.

Professor Dr. Arnim Lühken, Geschäftsführender Direktor des Institutes, hat das Projekt mit in seine Lehre eingebunden. „Ein Team von 16 Lehramtsstudenten hat die Experimentiertage erarbeitet“, erklärt er. Das Konzept aus Bochum sei weiterentwickelt worden. „Die Experimentiertage stehen unter einem einzigen Thema, das wir ganz nah am Alltag von Kindern und Eltern ausgerichtet haben. Es geht um das Thema Lebensmittel, insbesondere um Zucker und Konservierungsstoffe“, erläutert Lühken.

Koordiniert wird das Projekt von Dr. Edith Nitsche, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Didaktik der Chemie und organisatorische Leiterin des Goethe-LAB-Zentrums. Und wie finden Tim und Marcus Wagner das Projekt? „Man erlebt viele spannende Dinge“, sagt Tim und sein Papa fügt hinzu: „Es ist toll und macht Spaß. Das beginnt schon damit, sich die Geräte zu suchen, die für ein Experiment benötigt werden. Von vielen Dingen habe ich vorher nie etwas gehört.“ Alle Akteure freuen sich, dass das Projekt auf so ein großes Interesse stößt. „Es gab mehr Bewerbungen als Plätze“, sagt Eimer. Im kommenden Schuljahr soll „Kemie“ in die zweite Runde gehen.

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