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Kinder irren weinend durch die Stadt

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Durch diese Tür konnten die beiden Sechsjährigen das Gelände der Kita in der Kurt-Blum-Allee verlassen und bis ins Einkaufszentrum laufen.
Durch diese Tür konnten die beiden Sechsjährigen das Gelände der Kita in der Kurt-Blum-Allee verlassen und bis ins Einkaufszentrum laufen. © Maik Reuß

Zwei sechs Jahre alten Kindern ist es am Montagnachmittag gelungen, aus einem Kindergarten in Höchst auszubüxen. Stunden später hat sie Trzemyslaw Kalita (37) im drei Kilometer entfernten Main-Taunus-Zentrum gefunden – durchgefroren und weinend.

Trzemyslaw Kalita ist immer noch ganz mitgenommen. Die ganze Nacht habe er schlecht geschlafen, erzählt der 37-Jährige, hat sich Gedanken gemacht. „Was da alles hätte passieren können.“ Der Bad Homburger hat zwei aus einer Kindertagesstätte in Höchst ausgebüxte Kinder im Main-Taunus-Zentrum gefunden. Dieser Vorfall hatte am Montagnachmittag für große Aufregung gesorgt. Zahlreiche Polizisten hatten stundenlang, zu Fuß und mit dem Streifenwagen, nach den beiden Ausreißern gesucht – unterstützt von Erziehern, Eltern, Kindern und Nachbarn.

„Eine Abenteuerreise“

Den sechs Jahre alten Knirpsen, ein Junge und ein Mädchen, war es gelungen, am Nachmittag aus der Internationalen Kindertagesstätte Karl-Blum-Allee wegzulaufen. Oder wie es Helga Rodrigues, Sprecherin des Kita-Betreibers ASB Lehrerkooperative Bildung und Kommunikation, formuliert: „Sie haben sich auf eine Abenteuerreise gemacht. Sie müssen entwischt sein, während andere Kinder von ihren Eltern abgeholt worden sind.“ Genau sagen könne dies aber niemand. Keiner will gesehen haben, wie die beiden das Gelände verlassen konnten. Fest steht nur, dass zum Zeitpunkt des Verschwindens der Sechsjährigen sich noch 45 Kinder in der Kita befunden haben – beaufsichtigt von sechs pädagogischen Fachkräften, einer Auszubildenden und einer Praktikantin. „Die Aufsicht war sichergestellt“, so Rodrigues.

Gegen 16 Uhr war den Erziehern aufgefallen, dass die beiden Kinder fehlen. „Sofort wurde das ganze Gelände, die Räume der Einrichtung und die nähere Umgebung nach ihnen abgesucht“, sagte Rodrigues. Doch die Suche blieb erfolglos. Die Knirpse blieben verschwunden. Die Polizei wurde alarmiert. Die Beamten durchkämmten den nahgelegenen Höchster Stadtpark mit seinem zugefrorenen Weiher, Spielplätze, Jugendzentren, Baustellen, Supermärkte. Alles ohne Erfolg. Dass die Kinder bis ins drei Kilometer entfernte Sulzbacher Main-Taunus-Zentrum – vorbei an vielbefahrenen Straßen und der Autobahn – marschiert sind, lediglich bekleidet mit ihren Winterjacken und Hausschuhen, aber ohne Schal und Mütze bei eisiger Kälte, hatte bis dahin niemand geahnt.

Erst gegen 20 Uhr hat Trzemyslaw Kalita die Dreikäsehochs in der Nähe des Supermarkts in dem Einkaufszentrum entdeckt. Weinend und völlig durchgefroren. Ihr Kuscheltier fest an sich gedrückt. Schnell sei ihm und seinem Bekannten klar gewesen, dass die beiden Kindern alleine unterwegs sein mussten. „Wir haben uns sofort um sie gekümmert und haben ihnen erst einmal einen heißen Kakao in der nahe gelegenen Bäckerei bestellt“, erzählt der Bad Homburger, der sogleich auch die Polizei informierte. Auf die Frage, warum sie einfach weggelaufen sind, hätten die Sechsjährigen geantwortet: „Uns war langweilig.“ Schließlich konnten sie noch am Montagabend von ihren Eltern im Main-Taunus-Zentrum abgeholt werden. Wohlbehalten und unversehrt.

Doch für Kalita ist der Vorfall noch lange nicht erledigt. Immer wieder muss er an den Jungen und das Mädchen mit den großen, dunklen Kulleraugen denken. „Ich habe selbst zwei Kinder. Wenn sie einfach aus der Kita abhauen würden, würde ich die Einrichtung verklagen“, sagte er. „Da hat die Kita einfach versagt.“ Wie ihm zu Ohren gekommen ist, soll der Türdrücker, den man betätigen muss, um das Gelände verlassen zu können, so niedrig angebracht sein, dass die Knirpse gemütlich nach draußen spazieren könnten. Und es soll nicht zum ersten Mal passiert sein, dass Kinder ausbüxen konnten.

„Kein Gefängnis“

„Das ist mir nicht bekannt“, sagte Kita-Sprecherin Rodrigues. „Aber natürlich kann man solch einen Vorfall nicht ausschließen. Eine Kita ist ja kein Hochsicherheitsgefängnis.“ Der Türdrücker würde sich in der von der Stadt vorgeschriebenen Höhe von 1,40 Meter befinden. „Bisher gab es bei dem Gebäude nie Beanstandungen. Wir haben immer korrekt gehandelt.“

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