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Kinder, raus in den Garten !

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Heilpädagogin Miriam Hennig liest den Kindern Greta (6) und Dion (5) aus einem Buch vor.
Heilpädagogin Miriam Hennig liest den Kindern Greta (6) und Dion (5) aus einem Buch vor. © Salome Roessler

Kinder lieben die Natur? Glauben Sie nicht? Doch ! Im Naturkindergarten treten 20 Minis jeden Tag den Beweis an: Es gibt nichts Schöneres, als draußen herumzutollen.

Von LAURA DINGES

Mitten in dem großen Garten, in dem die Kinder des Naturkindergartens „Stadt-Land-Fluss“ mehrmals in der Woche ihren Vormittag verbringen, liegt ein großer, alter Weidenbaum. Greta (6), Felix und Lara (beide 4) lieben es, auf den Ästen und dem Stamm herum zu klettern. Eigentlich, erzählt Erzieher Mauricio Segovia von Riehm, sollte der Baum damals, als die Kita den Garten vor sechs Jahren übernahm, abtransportiert werden. „Aber, weil das Klettern den Kindern so viel Spaß macht, ließen wir ihn liegen.“ Ein wildes Abenteuergelände ist der Garten heute, mit unzähligen Büschen und Bäumen, einem Kletterturm, einer Hütte und zahlreichen Verstecken. Selbst jetzt, im Winter, auch großer Kälte, verbringen die Drei- bis Sechsjährigen fast jeden Vormittag im Freien – auch wenn das Programm dabei ein wenig anders aussieht als im Sommer.

Aber was macht ein Naturkindergarten bei Minustemperaturen, bei Regen oder bei Gewitter? Grundsätzlich geht es jeden Tag raus in die Natur. Bei Regen ziehen sie Gummistiefel und Regenjacke an und los geht’s. Auch bei Minustemperaturen gehen die Kleinen raus. Normalerweise geht die ganze Gruppe gegen neun Uhr in den Garten, dann wird ein Tischspruch gesprochen und danach wird gemeinsam gefrühstückt. Nur, wenn es zu eisig ist, wird das Frühstück in den Räumen gegessen und danach geht es in die Natur. Die Kleinen haben trotz der Kälte großen Spaß im Garten. Sie rennen lachend durch die Büsche, spielen Fußball, klettern auf Baumstämmen herum und lassen sich von den Erziehern ein Buch vorlesen. Lediglich bei Gewitter bleiben die Kinder in den Räumen des Kindergartens, denn es besteht zu große Gefahr.

Die Kinder sollen viele verschiedene Möglichkeiten haben sich auszutoben. Es wurde ein Klettergerüst gebaut, es gibt mehrere Baumstämme, über welche die Drei- bis Sechsjährigen klettern können und auch ein Polizeiauto. Es besteht aus mehreren Stühlen, dort können die Kleinen auf große Verbrecherjagd gehen. Die Kinder haben ein blaues Tipi, als Gefängnis und auch Computertastaturen und Telefone, um Polizei spielen zu können. All das entstand während eines Polizeiprojekts. Das neuste Projekt ist ein Barfußpfad, der mit den Eltern zusammen errichtet wurde. Und es gibt noch mehr Ideen, die umgesetzt werden sollen. Zum Beispiel plant Mauricio die Baumstämme anzumalen, natürlich mit den Kindern, damit sie ihren Garten mitgestalten und Ideen einbringen können.

Immer draußen

Die Erzieher gehen mit den Kindern bei Wind und Wetter nach draußen. Oft gehen sie in den Garten oder auch in den Wald. Dienstags ist Ausflugtag, dann gehen sie zum Beispiel ins Henry-und-Emma-Budge-Heim in Seckbach, in die Bücherei oder auch auf Spielplätze. Das Budge-Heim ist ein Seniorenheim, dort singen die Kinder und bereiten den Bewohnern damit eine Freude. Oftmals gibt es auch Projekte oder Gruppenarbeiten, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Damit die Kinder auch sportlich aktiv sind, gehen die Erzieher mittwochs mit ihnen in den Saalbau, um zu turnen.

Im Sommer, wenn es zu heiß ist, wird das Programm auch ein wenig verändert. Denn dann gehen die Kinder nicht turnen. Im Garten sind viele schattenspendende Bäume, trotzdem müssen die Kleinen eingecremt werden, um sich vor den Sonnenstrahlen zu schützen.

Die Minis verbringen den Vormittag draußen in der Natur, danach geht es zurück in die Kita und es gibt Mittagessen. Danach steht für die Kleinsten eine Ruhephase an. Die Erzieher erzählen, dass diese Phase immer unterschiedlich abläuft. Denn einige Kinder brauchen keinen Mittagsschlaf mehr, andere jedoch schon. Im letzten Sommer sind kleinere Kinder dazu gekommen, die teilweise erst im November drei Jahre alt wurden. Natürlich muss mit denen anders umgegangen werden, als mit denen, die nächstes Jahr eingeschult werden. Es wird versucht auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen einzugehen.

Kaum Verletzungen

Obwohl im Garten viele Baumstämme, Äste, Schaukeln und noch vieles mehr ist, verletzen sich die Kinder nur sehr selten. Sie sind diese Umgebung gewohnt – und wissen sehr genau, wie sie sich zu verhalten haben. Erzieherin Jasmin Eckhardt erzählt, dass die Kinder sich eher auf unbekannten Spielplätzen verletzen oder einfach beim Laufen, weil sie stolpern oder gegeneinander rennen.

Im Kindergarten werden Ganztagsplätze angeboten. Kinder werden von sieben Uhr morgens bis nachmittags um 16.30 Uhr betreut. Besonders für berufstätige Eltern sind diese Plätze eine große Hilfe. Es können 20 Kinder aufgenommen werden, die von mindestens zwei Erziehern betreut werden.

Der Naturkindergarten „Stadt-Land-Fluss“ bietet den Kindern viele schöne Stunden draußen in der Natur. Sie können neue Dinge entdecken und gleichzeitig lernen sie als Gruppe zusammenzuarbeiten. Da es viele verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten gibt, wird den Kindern nicht langweilig.

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