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Hortkinder der Liesel-Oestreicher-Grundschule durchstreifen eine Wiese, um Mäuse und Eidechsen vor dem heute kommenden Rasenmähermann aufzuscheuchen ? und zu retten.

Kindergarten „Im Apfelwinkel"

Kinder retten Wildtiere

Kurz bevor die große Wildwiese von einem Traktor gemulcht wurde, haben 30 Kindergartenkinder das hohe Gras mit Stöcken durchkämmt, um Igel, Echsen und Kitze rechtzeitig zu verjagen – und zu retten.

An manchen Stellen sieht man nur rosa, blaue und beige Baseball-Mützen aus der hohen Wildwiese hervorblitzen. Zwischen Disteln, Malven, wildem Sauerampfer, Apfel-, Kirsch und Walnussbäumen und dickem Gras wuseln 30 Mädchen und Jungs zwischen drei und sechs Jahren aus dem Kindergarten „Im Apfelwinkel“ und klopfen den Boden mit Stöcken ab.

In einer halben Stunde soll der Traktor kommen, um die Wiese zu mulchen. Die Kleinen möchten vorher Igel, Eidechsen, Mäuse, Maulwürfe und andere Wildtiere warnen, aufscheuchen und vertreiben. „Ich rette nur die Feuerkäfer“, ruft Tom (5) und bleibt staunend im Gras stehen. „Ich habe eine Blume gefunden“, freut er sich und betrachtet eine kleine pinkfarbene Blüte. Ein großer grüner Grashüpfer wird von Enaja (6) und Frieda (5) bestaunt. Die Kinder sind fröhlich und aufmerksam. Sie finden Tausendfüßler und Ohrenkäfer, Fliegen und Falter. „Mit ist ein Schmetterling auf den Arm geflogen. Da ist er kurz sitzengeblieben und wieder weitergeflogen“, erzählt Amelie (6) aufgeregt.

Initiiert hat die Aktion Andreas Eggenwirth, FDP-Mitglied im Ortsbeirat, gemeinsam mit Kita-Leiter Dietmar Conradt (46). Eggenwirth betreut ehrenamtlich den Schulgarten-Förderverein und möchte, dass Kinder früh lernen, sich für die Umwelt einzusetzen. „Letztes Jahr waren hier nach dem Mähen vier tote Igel und das muss doch nicht sein“, sagt er. „Wir haben mit dem Grünflächenamt gesprochen und so konnten wir ganz schnell vereinbaren, dass wir die Wildtiere verjagen können, bevor der Traktor kommt.“ Conradt schleppt einen kaputten, geflochtenen Gartensessel aus der Wiese. „Plastik ist nicht nur schlecht für Tiere, sondern auch für den Traktor“, erklärt er kopfschüttelnd den Kindern und trägt den Sessel zum Müll.

Tom sieht mehrere Ohrenkäfer und will sie mit dem Stock pieksen. „Nein“, ruft Amelie. „Wir wollen doch Tiere retten und nicht ärgern.“ Tom nickt und fragt, ob er ihn anfassen könne. „Wenn Du dich traust“, antwortet Amelie lachend. Die Kinder finden zwar keine Echsen, Rehkitze oder Igel, aber es raschelt nicht weit entfernt von ihnen. Vermutlich sucht gerade ein Igel Zuflucht unter einer Hecke. Tasurin (6) berichtet strahlend, dass er im Kindergarten schon einmal einen Igel gesehen hat. „Die Nase sah aus wie bei einem Schwein und er hatte Angst und er hat gegrunzt. Ich habe ihm einen Tausendfüßler hingeworfen und da ist er weggerannt. Der frisst nämlich Spinnen, Tausendfüßler und Würmer“, sagt er. Auch André (6) hat schon einen Igel zu Hause im Garten gesehen. „Er war klein, hatte viele Stacheln. Meine Freundin hat ihn angefasst und gesagt, dass das weh tut.“

Auch die beiden dreijährigen Jungs Joshua und Kusej sind unterwegs. Man sieht sie gar nicht im hohen Gras. „Nee, ich habe keine Tiere gefunden“, schmollt Joshua. „Ich will nicht, dass Igel oder Mäuse mitgemäht werden“, sagt er und findet ein Loch. „Da wohnt bestimmt eine Mäusefamilie drin. Hoffentlich laufen sie schnell weg“, sagt er. Kusej hat eine Haselnuss und Disteln gefunden. „Ich habe mich nicht gepiekst“, sagt er stolz. „Bestimmt sich die Tiere jetzt alle weggelaufen“, ist er sich sicher.

Als die Kinder sich einig sind, dass jetzt alle Tiere verschwunden sind, gehen sie zurück hinter den sicheren Zaun und schauen gespannt zu, wie der Traktor kommt und die Wiese mulcht. Bald riecht es nach frisch geschnittenem Gras. Nach einer halben Stunde ist die Wiese kurz, einige Fußbälle und Müll kommen zum Vorschein. Kein einziges getötetes Tier ist zu sehen. Die Kinder haben sie rechtzeitig gerettet und jubeln: „Das machen wir jetzt immer, bevor Wiesen oder der Garten gemäht wird.“

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