Kinder scheitern oft an Radprüfung

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Fahrrad fahren gehört zu den Dingen, die Kinder in der vierten Klasse beherrschen sollten. Dem ist aber nicht so. Die Verkehrswacht Hessen beobachtet, dass viele Kinder ihr Gleichgewicht nicht halten könnten. Dafür gibt es einen Grund.

In Nordrhein-Westfalen (NRW) und in Berlin schlagen die Verkehrswachten Alarm. Immer mehr Kinder könnten nicht mehr richtig Fahrrad fahren. Mittlerweile müssten in NRW fünf bis zehn Kinder nach der Fahrradprüfung zusätzliche Stunden bekommen. Vor zehn Jahren hätten im Durchschnitt nur zwei Kinder pro Klasse einer Nachschulung bedurft.

Noch düsterer sieht es in dieser Hinsicht in der Hauptstadt aus. Hier könnten etwa die Hälfte der Kinder einer Grundschulklasse nicht Rad fahren, heißt es.

Auch die Verkehrswacht Hessen kann diesen Trend bestätigen. Die im vierten Schuljahr obligatorische Fahrradprüfung würden immer weniger Kinder bestehen, sagt Verkehrswacht-Geschäftsführer Thomas Conrad. Derzeit seien es bis zu zehn Prozent der Kinder in Hessen, die durch die Fahrradprüfung fielen.

Wie der Ablauf der Fahrradprüfung geregelt ist, erklärt Marcus Gerngroß, Sprecher des hessischen Innenministeriums. „In Hessen findet die Fahrradausbildung bei den Jugendverkehrsschulen in der vierten Klasse statt. Die Kinder sind dann im Alter zwischen neun und zehn Jahren“, so Gerngroß. Für die Teilnahme an der Ausbildung gebe es für alle Kinder eine Teilnahmebescheinigung. Im Einzelfall liege dieser Teilnahmebescheinigung noch ein Brief an die Eltern bei, in welchem Nachholbedarf bei den Kindern näher erläutert werde, so der Ministeriumssprecher.

Dies ist bei immer mehr Kindern notwendig. Den Grund dafür sieht Experte Conrad von der Verkehrswacht in deren mangelnden „Mobilitätsfähigkeit“. Im Klartext heißt das: Die Kinder können auf dem Fahrrad ihr Gleichgewicht nicht halten. „Das fängt schon damit an, dass sie sich nicht ordentlich auf das Fahrrad setzen können“, sagt Conrad. Darüber hinaus könnten sie ihr Rad nicht „in eine schnelle Bewegung bringen“. Die Folge sei dann, dass solche Kinder vom Rad fielen oder sich ständig mit den Beinen abstützen müssten. Schwierige Situationen auf dem Rad, wie zum Beispiel mit einer Hand fahren oder einen Seitenblick nach links werfen und dabei geradeaus weiterfahren, bereiteten diesen sehr große Schwierigkeiten, beziehungsweise seien ihnen unmöglich.

„Im Kindergarten stimmt die Koordination bei den meisten Kindern noch“, sagt Conrad. In der Grundschule lasse dann „die Bewegung nach“. Statt sich sportlich zu betätigen, nehme dann bei den Kindern das Handy mehr Raum und Zeit ein.

Dass Kinder Fahrrad fahren können, dafür seien die Eltern verantwortlich. „Sie müssen dafür sorgen – und nicht die Schule oder die Polizei“, sagt Conrad. Leider würden nicht wenige Eltern diesen Erziehungsauftrag vernachlässigen.

Gleichzeitig gibt Conrad aber auch zu bedenken, dass die Verkehrsdichte immer mehr zugenommen habe und deshalb wesentlich größere Anforderungen an die Radfahrer stelle – vor allem in den Ballungsräumen. Dabei werde das Radfahren immer mehr als umweltbewusste Fortbewegungsart in der Öffentlichkeit propagiert. Dem stehe entgegen, dass die Infrastruktur für das Rad in vielen Städten nicht gegeben sei. „Auf der Mörfelder Landstraße in Frankfurt würde ich auf keinen Fall mit dem Rad fahren“, führt Conrad ein Beispiel fehlender Rad-Infrastruktur an. Auch die Stadt Bad Homburg schaffe es offenbar nicht, ein gutes Radfahrnetz für die Bürger zu schaffen, kritisiert er. Und wenn solch eine Infrastruktur fehle, dann kann es für Radfahrer durchaus gefährlich werden. Nach Angaben des Hessischen Innenministeriums wurden bei solchen Unfällen im ersten Halbjahr dieses Jahres 305 Kinder und Jugendliche leicht- oder schwerverletzt. Auch ein Todesfall gab es in diesem Zeitraum zu beklagen.

Bei diesen Zahlen ist kein Rückgang im Laufe der Jahre zu beobachten. Sie bewegten sich etwa auf dem gleichen Niveau, so Ministeriumssprecher Gerngroß. Kommentar Seite 2

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