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Das Gebäude von 1962 wird abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut.

Betreuungsengpass in Nieder-Eschbach

Kindergarten schafft mehr Kapazität

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Betreuungsplätze für Schulkinder sind in Nieder-Eschbach Mangelware. Dagegen will die Evangelische Kirchengemeinde jetzt vorgehen und ihren geplanten Neubau des Kindergartens um zwei Hortgruppen erweitern.

Es ist ein stadtweites Problem: Während die Jüngsten in Kindertagesstätten und Kindergärten gut untergebracht sind, beginnt mit dem Schuleintritt der Kampf um die Betreuungsplätze. Im Hort und der Erweiterten Schulischen Betreuung (ESB). Viele Eltern wissen erst im Sommer, ob ihr Kind einen der begehrten Plätze bekommt oder ob sie sich um andere Betreuungmöglichkeiten kümmern müssen.

Das ist auch in Nieder-Eschbach so – bei gerade einmal 65 Prozent liegt die Betreuungsquote für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren. Das ist zwar die von der Stadt angestrebte Zielquote, doch die Realität zeigt: Die ist zu niedrig angesetzt. „Was die Versorgung im Stadtteil betrifft, sieht es wirklich schlecht aus. Viele Eltern befürchten, ihren Job aufgeben zu müssen“, sagt Pfarrerin Brigitte Meinecke. So würden in der Erweiterten Schulischen Betreuung derzeit nur Geschwisterkinder angenommen.

Sie hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dieser Problematik beschäftigt. Aus aktuellem Anlass. Denn die Evangelische Kirchengemeinde plant ihren Kindergarten neu. Das Gebäude in der Görlitzer Straße von 1962 hat seine besten Zeiten hinter sich, eine Sanierung wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll. „Wir haben überlegt, im Neubau zusätzlichen Platz zu schaffen. Für zwei zusätzliche Kindergarten- oder aber zwei Hortgruppen. Damit könnten wir die Lage in Nieder-Eschbach vielleicht ein bisschen entschärfen“, erklärt sie. Unterstützung bekommt sie dabei vom Ortsbeirat – auf der Tagesordnung für die kommende Sitzungen gibt es einen entsprechenden Antrag der Grünen-Fraktion.

Dann rechnet die Pfarrerin vor. 215 Betreuungsplätze gibt es in der Michael-Grzimek-Grundschule – die setzen sich aus den ESB- und Hortplätzen zusammen. Allerdings besuchen rund 300 Kinder die Schule – für 85 Schüler gibt es damit keinen Betreuungsplatz. Hinzu komme, dass für das kommende Schuljahr fünf erste Klassen aufgenommen werden, aber lediglich die Schüler der vier vierten Klassen auf eine weiterführende Schule wechseln. „Die Schülerzahlen steigen damit noch mal, das Hortangebot wird jedoch nicht erweitert. Weil die Stadt nach und nach alle Schulen zu Ganztagsschulen umrüsten will“, schildert die Pfarrerin die wachsenden Probleme.

Das sei tatsächlich das „grundsätzliche Ziel“, erklärt Sabrina Mannebach, Mitarbeitern des Bildungsdezernats. Ob es trotzdem möglich wäre, den neuen Kindergarten in Nieder-Eschbach um zwei Hortgruppen zu erweitern, wollte und konnte sie nicht bestätigen. Allerdings sei die Stadt nicht abgeneigt, wenigstens vorübergehend Hortplätze zu schaffen. Bis es überall Ganztagsschulen gebe. „Im Fall von Nieder-Eschbach gibt es die Idee, die Container während der Auslagerung aufzustocken und so Platz für einen Hort zu schaffen. Genügend Fläche gebe es“, so Mannebach.

Diese Aussage ist für Pfarrerin Meinecke Musik in den Ohren. Zumal ihre diese Informationen zeitgleich auch von der Bauleitung des neuen Kindergartens, dem Diakonischen Werk, zugetragen wurden. „Ich bin völlig euphorisch“, sagt sie nur.

Rund 3,6 Millionen Euro soll der Neubau des Kindergartens in der Görlitzer Straße kosten. Errichtet wird er in Modulbauweise, 16 Monate Bauzeit sind geplant. Schon im Sommer soll es losgehen, in den Ferien zieht die Betreuungseinrichtung deswegen aus dem Gebäude an der Görlitzer Straße aus und in eine Containeranlage auf ein Grundstück neben der Gärtnerei Lesser in der Homburger Landstraße ein.

Spätestens im September soll mit dem Abriss des alten Gebäudes begonnen werden, der Übergang zum Neubau soll fast nahtlos sein.

Fünf Gruppen

– entweder fünf Kindergartengruppen oder eben drei Kindergarten- sowie drei Hortgruppen – sollen künftig in dem zweigeschossigen Gebäude Platz finde. Zudem soll es Platz für den Kinder- und Jugendtreff geben.

„Energetisch bewegen wir uns auf dem neuesten Standard, dazu gehört in der heutigen Zeit auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach“, erklärt Werner Schmieder vom Bauausschuss. Ein umlaufender Balkon und ein großer Außenbereich mit diversen Spielgeräten erfüllen alle Wünsche. „Wir sind sehr glücklich, dass wir endlich einen neuen Kindergarten bekommen. Das war längst überfällig“, kann Schmieder den Baubeginn kaum noch erwarten.

Die Hortsituation für schulpflichtige Kinder in Nieder-Eschbach ist auch Thema beim Ortsbeirat 15, der am Freitag, 10. März ab 19.30 Uhr in der Gaststätte „Darmstädter Hof“, An der Walkmühle 1, tagt.

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