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Bald steigen wieder Partys im ?King Kamehameha?. Der Club auf dem Union-Gelände an der Hanauer Landstraße eröffnet wieder.

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"King Kamehameha": Ardi Goldman startet einen neuen Versuch

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Alter Name, neues Konzept: Ardi Goldman will den „King Kamehameha“-Club auf dem Union-Gelände an der Hanauer Landstraße wieder eröffnen. Im Oktober soll bereits Eröffnung gefeiert werden.

„Der Club an sich ist tot.“ Vor zwei Jahren schon hat Ardi Goldman dieses Statement abgegeben. Und er steht immer noch dazu, er spricht sogar von einem Club-Sterben in ganz Deutschland. Eine Ausnahme sei Berlin, wo täglich 100 000 Menschen feiern wollten. „Ich vermisse neue Konzepte. Wo sind denn all die 30-Jährigen mit Ideen? Da muss erst ein 55-Jähriger kommen“, sagt er über seinen Plan, den „King Kamehameha“-Club auf dem Union-Gelände wiederzubeleben. Im Oktober soll Eröffnung sein.

Der Immobilieninvestor hat eben hohe Ansprüche an das Konzept eines Clubs. „Es reicht nicht, das Licht anzumachen, Musik zu spielen und Getränke zu verkaufen“, sagt er. Man müsse den Menschen Entertainment bieten, sie in eine andere Welt versetzen und als Qualitätsmerkmal neben Musik auch Elemente aus Kultur und Kunst einfließen lassen.

Solche Konzepte vermisst er in der Frankfurter Szene. Das Prädikat „Club“ verdienten deshalb derzeit nur das „Robert Johnson“ in Offenbach und das „Gibson“ auf der Zeil. „Yachtclub“, „Velvet Club“, „Zoom Club“ und wie sie alle heißen, rechnet Goldman eher zu den subkulturellen Orten, die nötig seien, aber nur eine (Musik-)Sparte bedienten.

Klaus Bossert von „Clubs am Main“, dem regionalen Netzwerk für Veranstaltungs- und Clubkultur in Frankfurt/Rhein-Main, beurteilt die Situation nicht ganz so dramatisch. Doch auch er sagt: „Nicht jede Discothek ist ein Club.“ Als Club versteht er einen Ort, an dem ein musikalisches Programm stattfindet, das auch ein Live-Erlebnis bietet – also DJ-Künstler auflegen und von Zeit zu Zeit auch Bands auftreten. Für Bossert sind deshalb beispielsweise auch der „Club Voltaire“, die „Batschkapp“ oder das „Nachtleben“ ein Club.

Den neuen „King Kamehameha“-Club jedenfalls zählt er zur Club-Kategorie. Goldman hat auch einiges vor. An vier Tagen – von Mittwoch bis Samstag – will er den bis zu 500 Besuchern auf 400 Quadratmetern Fläche ein abwechslungsreiches Programm bieten. Mit interaktivem Theater der Woche am Mittwoch möchte er ein neues Format etablieren, das er aus New York kennt. Mehr verrät er nicht. Allerdings, so sagt er, verhandele er bereits mit den Machern der Dramatischen Bühne und des Antagon Theaters.

Einen Tag wird dann Live-Musik geboten. Goldman denkt darüber nach, die „King Kamehameha Club Band“ zu reaktivieren, zu deren Repertoire neben Rock und Pop auch Hip-Hop und R & B zählten. Und er liebäugelt damit, eine Plattform für talentierte Nachwuchssänger zu bieten, wie es sie mit „The right thing“ in Heidelberg schon einmal gegeben habe. „Es gibt so viele geniale Sänger in Deutschland, wie man bei ,Voice of Germany‘ immer wieder sehen kann“, sagt Goldman. Und zum guten Schluss legen natürlich an zwei Tagen DJs auf. Auf eine bestimmte Stilrichtung möchte sich Goldman nicht festlegen. Er nennt es Weltmusik mit unterschiedlichsten Einflüssen, unter anderem aus dem orientalischen Raum, aber auch vom Balkan.

Grundsätzlich bezeichnet er das Vorhaben als „Experiment“. Denn ob das Konzept funktioniere, könne niemand voraussagen. Ein Risiko bleibe immer. Denn auch Goldman ist klar, dass es Clubbetreiber heute schwerer haben. „Die Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen, sind heute riesengroß. Junge Leute haben zudem keine Ausgeh-Kultur mehr und beschäftigen sich lieber mit Snapchat, Instagram, Tinder und anderen sozialen Netzwerken“, betont der Immobilieninvestor.

Klaus Bossert kennt noch einen anderen Grund, warum es Betreibern schwer fällt: „Die Räume, in denen sich eine Clubkultur verbreiten kann, werden in einer wachsenden Stadt immer weniger.“ Das Interesse von Investoren sei auf Wohnungen und Büros ausgerichtet. In dem Punkt hat Goldman natürlich einen riesengroßen Vorteil, er besitzt die Immobilie selbst.

Zum Jahreswechsel 2013/2014 wurde das „Kingka“ übrigens geschlossen. Madjid Djamegari (heute „Gibson Club“) und Radu Rosetti („Walon, Rosetti & Cie.“) hatten den Club seit 1999 in den Räumen von Vermieter Goldman, der auch beim „Cocoon“ und einem halben Dutzend anderer gastronomischer Betriebe wie der „Sansibar“ oder „Das Leben ist schön“ die Finger im Spiel hatte, betrieben. Das Aus für das „Kingka“ begründete Goldman mit dem Wandel von einem Club zu einer Veranstaltungshalle. „Früher waren Clubbetreiber Freigeister, die eine Haltung hatten und für Unterhaltung in unterschiedlichen Facetten sorgten. Heute stehen Betriebsleiter dahinter, denen die Leidenschaft fehlt.“

Er sei da ganz anders, sagt Goldman. „Ich bin Unternehmer und getrieben von der Lust, was zu tun“, begründet er den Schritt, das „Kingka“ wiederzubeleben. Allerdings, das verschweigt er nicht: Wäre das „Kingka“ nicht ein „Kind von mir gewesen“, wäre die Lust nicht so groß gewesen. Doch noch ein anderer Punkt habe ihn überzeugt. Von vielen Seiten habe er gehört, dass die Menschen nicht mehr wüssten, wohin sie gehen sollen. Er selbst sei da keine Ausnahme. „Ich will etwas schaffen für Menschen, die die gleiche Sehnsucht haben wie ich. Ich will die Erinnerung wieder wachküssen.“

Dass der Immobilieninvestor demnächst , soll übrigens kein Hindernis sein. Er will das Projekt durchziehen. Vergangene Woche hatte der Bundesgerichtshof (BGH) Goldmans Revision gegen ein Urteil des Frankfurter Landgerichtes im November 2015 abgelehnt. Goldman und seine Mitangeklagten waren damals für schuldig befunden worden, für den Abschluss von Erbbaupachtverträgen in der Cargo City Süd einen Manager der Fraport AG mit Millionensummen geschmiert zu haben. Zur BGH-Entscheidung will sich Goldman gegenüber dieser Zeitung nicht äußern.

Um auf das anfangs erwähnte Club-Sterben zurückzukommen: Prof. Dr. Ulrich Reinhardt, der Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg ist, beurteilt die Situation nicht so dramatisch wie Goldman. „Ich denke, der Begriff Club-Sterben ist etwas übertrieben, aber durchaus ein bundesweites Problem. Viele Clubs müssen schließen – oft taucht dann an anderer Stelle ein neues Konzept wieder auf.“

Das „Kingka“ ist der beste Beweis dafür.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 12. März 2018 aktualisiert. Ursprünglich wurde ein anderes Bild verwendet, dieses haben wir entfernt.  

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