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Bald fällt der Vorhang für die Schulkino-Wochen. Das Programm stellten (v.l.) Tali Barde, Claudia Dillmann, Alexander Lorz, Michael Jahn, Marion Closmann und Sabine Imhof vor. Das Interesse an den 790 Filmvorführungen ist groß.

Schulkino-Wochen

Das Kino als Klassenzimmer

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Bei den Schulkino-Wochen wird das Kino zum Unterrichtsraum, ein Film zum visuellen Erlebnis. Im März startet die zehnte Runde der Veranstaltungsreihe.

Für viele Kinder und Jugendliche ist es nicht mehr selbstverständlich ins Kino zu gehen. In Zeiten von Internet, Tablet und Smartphone ist der Filmkonsum nicht mehr zwangsläufig mit der großen Leinwand verbunden. Dass das Kinoerlebnis jedoch eine ganz andere Wahrnehmung auf das Medium Film fördert, wissen die Macher der Schulkino-Wochen nur zu gut. Das bundesweite, erstmals 2006 in Berlin initiierte Projekt feiert in Hessen in diesem Jahr sein Zehnjähriges.

„Das Projekt stärkt die Medienkompetenz der Schüler. Sie erfahren, Filme nicht nur zu konsumieren, sondern sich auch inhaltlich hiermit auseinanderzusetzen“, betont der Hessische Kultusstaatsminister, Professor Alexander Lorz (CDU). Er begleitet das Projekt seit zehn Jahren, zu Beginn noch in seiner Funktion als Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Die Schulkino-Wochen werden federführend durch Vision Kino organisiert. Die 2005 gegründete Initiative ist als gemeinnützige GmbH organisiert und hat ihren Sitz in Berlin. Arbeitsschwerpunkt ist die Film- und Medienbildung von Schülern. In Hessen kooperiert Vision Kino seit Frühjahr 2007 mit dem Deutschen Filminstitut (DIF). Gestern wurde das Geburtstagsprogramm im Kino des Deutschen Filmmuseums vorgestellt.

Am 7. März starten die Schulkino-Wochen mit dem etwa zeitgleich anlaufenden „Das Tagebuch der Anne Frank“ im Cinestar Metropolis. Von diesem Zeitpunkt an haben Schulklassen aus Hessen bis zum 18. März die Gelegenheit, sich einen der rund 100 Kinofilme, die für das Projekt ausgewählt wurden, anzuschauen – aktuelle Filme, aber auch Klassiker wie „Das Fenster zum Hof“ des britischen Regisseurs Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1954. Außerdem sind Filme wie „Im Labyrinth des Schweigens“, die in Hessen entstanden, oder solche, bei denen ein hessischer Filmemacher Regie führte, dabei. Hierzu gehört „For No Eyes Only“ des Filmemachers Tali Barde. Der Film, der aus einer Schul-Arbeitsgemeinschaft heraus entstanden ist, wurde 2013 mit dem Jugendfilmpreis des Lucas – Internationales Kinderfilmfestival ausgezeichnet.

Vision Kino und das DIF kooperieren hierfür mit insgesamt 80 Kinos in ganz Hessen, neun davon allein in Frankfurt. „Ohne die hessischen Kinos könnten die Schulkino-Wochen gar nicht durchgeführt werden“, sagt Claudia Dillmann, Direktorin des Deutschen Filminstituts. Es sei wichtig, dem Kino-Sterben auf dem Lande entgegenzutreten. Dort seien Kinos oftmals die einzigen kulturellen Zentren. „Die Erfahrungen, die mit einem Kinobesuch verbunden sind, gehören nicht selbstverständlich zum Lebensalltag der Schüler“, betont Dillmann. „Die Kinosituation ist eine andere, als zu Hause vor dem Bildschirm zu sitzen. Sie fesselt und es ist ein Seherlebnis“, beschreibt die DIF-Direktorin. Schließlich seien Filme für die große Leinwand gemacht. Neben der Stärkung von Medienkompetenzen gehe es bei dem Projekt darum, die ästhetische Wahrnehmung zu fördern und Kriterien aufzuzeigen, die für eine Beurteilung herangezogen werden können. „Ein gemeinsamer Kinobesuch hat auch eine soziale Komponente.“

Seit dem Auftakt der Schulkino-Wochen in Hessen im Jahr 2007 beteiligten sich im Bundesland 1350 Schulen mit rund 400 000 Schülern und Lehrkräften. Im vergangenen Jahr wurde mit 62 000 Teilnehmern hessenweit sogar ein neuer Rekord aufgestellt. Das Interesse ist auch bei der Neuauflage sehr groß. „Von den 790 geplanten Filmvorstellung sind aktuell bereits 420 gebucht“, sagt Sabine Imhof vom DIF. Sie ist Projektleiterin der Schulkino-Wochen Hessen. Anmeldungen von über 32 000 Schülern und Lehrern lägen schon vor.

Für die Lehrer stehen pädagogisches Unterrichtsmaterial zum Vor- und Nachbereiten zur Verfügung. In Hessen gibt es einen besonderen Schwerpunkt zu den Themen „Kamera“ und „Licht“. Außerdem gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm, unter anderen zwei Workshops für Schüler und Fortbildungen für Lehrer. Sonderveranstaltungen mit Filmschaffenden runden das Angebot ab.

„Seit Beginn der Schulkino-Wochen haben wir mit dem Projekt bundesweit um die 5,5 Millionen Schüler erreicht. 780 Kinos machen mit“, schildert Michael Jahn. Projektleiter Schulkino-Wochen bei Vision Kino. „Die Kinder und Jugendlichen sollen über das Projekt das Kino als Kultur und Lernort erfahren und entdecken.“

Finanziert wird die zehnte Auflage des Projekts unter anderem mit 57 000 Euro vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie mit 20.000 Euro für Lehrerfortbildung vom Hessischen Kultusministerium.

Anmeldeschluss für Schulklassen ist 22. Februar. Das Programm steht unter im Internet.

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