Religion

Kirchentag in Frankfurt: Bischof zu Segnung von Homosexuellen – „Es bewegt sich etwas“

  • VonSebastian Richter
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Beim Kirchentag in Frankfurt hat sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz zur Aktion „Liebe gewinnt“ geäußert. Auch Frauen als Priester waren Thema.

Frankfurt – An diesem Wochenende findet der ökumenische Kirchentag in Frankfurt statt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, äußerte sich dabei zur Segnung von homosexuellen Paaren und Frauen im Priesteramt.

Bätzing will sich dafür einsetzen, dass homosexuelle Paare auch offiziell gesegnet werden dürfen. „Ich möchte, dass wir ihnen den Segen Gottes schenken“, sagte Bätzing am Samstag (15.05.2021) beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt. Der aktuell laufende Reformprozess der katholischen Kirche könnte das in die Wege leiten, hofft der Bischof. „Dann würden Menschen von außen merken: Aha, es bewegt sich etwas in der Kirche.“

Ökomenischer Kirchentag in Frankfurt: Bätzing sieht „Liebe gewinnt“ kritisch

Am vergangenen Montag segneten katholische Pastore bei der Aktion auch „Liebe gewinnt“ zahlreiche Paare. Bei den „Segnungsgottesdiensten für Liebende“ empfingen auch homosexuelle und neu verliebte geschiedene Paare den Segen Gottes. Die Aktion war ein Protest deutscher Katholiken gegen ein entsprechendes Verbot des Vatikans. Im März stellte die Glaubenskongregation klar, dass es „nicht erlaubt“ sei, homosexuelle Partnerschaften zu segnen, da diese „nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hingeordnet anerkannt werden“ könnten. Zahlreiche katholische Verbände und über 280 Theologieprofessoren protestierten dagegen.

Zeichen für Toleranz und Akzeptanz: Eine Regenbogenfahne an der Fassade einer Kirche.

Bätzing sieht diese Aktion kritisch, da sie provozierend gegenüber der Kirche gewesen sei. Er habe sich aber sehr deutlich gegen das Verbot des Vatikans positioniert und das auch nach Rom kommuniziert. Derartige Segnungen fänden schon vielfach statt. Der Schritt, der jetzt kommen müsse, sei die Segnungen aus dem Geheimen und rein Privaten in die Öffentlichkeit zu bringen. „Das ist genau die neue Bewegung. Bislang haben wir das nicht, das ist untersagt, und genau da braucht es, glaube ich: Einen Schritt nach vorne“, so Bätzing.

Kirchentag in Frankfurt: Frauen als Priester nicht in Sicht

Einen weiteren Schritt nach vorne erhoffen sich viele bei der katholischen Kirche in der Frage, ob auch Frauen das Priesteramt ausführen dürfen. „Die Frage kommt mir in jeder Firmgruppe entgegen“, sagte Bätzing. Die letzten drei Päpste – Johannes Paul II, Benedikt XVI und Franziskus – machten deutlich, dass das Priesteramt weiterhin nur Männer vorbehalten sei. In Deutschland sei mit den Argumenten aus Rom aber fast niemand mehr zu überzeugen, so Bätzing.

„Das ist das Dilemma, das ich auch genauso in die Weltkirche einspiele und auch nach Rom signalisiere“, so der Bischof weiter. Er sei „bereit, die Argumente zu benennen, redlich, ich nehme aber wahr, sie werden von immer weniger Menschen in der katholischen Kirche aufgenommen, die in ihrer Lebenswelt unter ganz anderen Bedingungen antreten.“

Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, äußert sich beim ökumenischen Kirchentag zur Segnung von Homosexuellen. (Archivbild)

Kirchentag in Frankfurt: Bischof mit klarer Aussage zu weiblichen Priestern

Bätzing könne niemandem Versprechen, dass diese Frage in den nächsten Jahren geklärt werden würde. „Wenn ich das vorgäbe, dann stürzte ich Frauen in die Frustration hinein.“ Auch im derzeit laufenden Reformprozess der Katholischen Kirche werde eine Öffnung des Priesteramts nicht für Frauen erreicht werden, so Bätzing beim Kirchentag. „Man muss das so klar und deutlich sagen.“

Das Diakonatsamt könnte aber für Frauen geöffnet werden. Diese Frage sei noch offen, so Bätzing. Diakone sind in der katholischen Kirche Kleriker, die allerdings unter den Priestern stehen. (Sebastian Richter/dpa)

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