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Missbrauchsverdacht in Frankfurter Kita: Kinderschützer zeigen Erzieher an

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Von: Brigitte Degelmann

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Nach einem mutmaßlichen Vorfall in einer Frankfurter Kita schlagen die Wellen hoch. (Symbolbild)
Nach einem mutmaßlichen Vorfall in einer Frankfurter Kita schlagen die Wellen hoch. (Symbolbild) © dpa

Angebliche Kitzel-Spiele in einer Frankfurter Kita sorgen für große Empörung - eine Bürgerinitiative hat deswegen Anzeige erstattet.

Frankfurt – Hat ein Erzieher einer Frankfurter Kita Kinder in unangemessener Weise im Intimbereich berührt? Diesen Vorwurf erheben die Bürgerinitiative „gemeinsamstarkffm“ sowie der Verein Kinderseelenschützer. Beide sprechen in diesem Zusammenhang von Kindesmissbrauch. Die Initiative hat deshalb Anzeige bei der Frankfurter Polizei erstattet.

Die Kita selbst will sich zu den Anschuldigungen nicht äußern und verweist auf den Träger der Einrichtung, den Verein Internationales Familienzentrum (IFZ). Dessen Geschäftsführer Karsten Althaus sagt, dass er in der vorvergangenen Woche von den Verdächtigungen erfahren und sofort gehandelt habe. Derzeit untersuche eine externe Fachkraft den Fall. „Das müssen wir erst einmal abwarten“, betont Althaus. „Ich kann noch nicht sagen, ob an diesen Vorwürfen etwas dran ist.“ Schulamt und Jugendamt habe er informiert. Der beschuldigte Erzieher arbeite seit mehreren Jahren in der Einrichtung, sei derzeit aber nicht in der Kita. Ob er freigestellt ist, will der Geschäftsführer nicht sagen.

Frankfurt: Träger lässt Vorwürfe extern prüfen

Ins Rollen gebracht hat das Verfahren die Mutter eines vierjährigen Mädchens, das die Kita besucht. Von dieser Mutter, einer Bekannten, sei sie um Hilfe gebeten worden, berichtet Raschida Bouaanzi, Vorsitzende der Initiative „gemeinsamstarkffm“, die sich um Obdachlose kümmert. Die Tochter habe ihr erzählt, dass sie und drei andere Mädchen aus der Kita immer wieder von einem Erzieher gekitzelt würden, wobei es auch zu Berührungen im Intimbereich gekommen sei. Der Mann habe sich dabei als „Kitzelmonster“ ausgegeben. Wörtlich habe das Kind erzählt: „Mama, das Kitzelmonster kitzelt mich an meiner Mumu.“

Laut Bouaanzi gibt es ein Video, auf dem zu sehen und zu hören ist, wie das Kind die Kitzel-Spiele beschreibt und auch die Stellen zeigt, wo es von dem Mann berührt worden sei. Dieses Video habe sie auch gesehen: „Das ist sehr erschreckend, da graut es einem richtig“, sagt die Vorsitzende. Dass es zufällig oder unabsichtlich zu diesen Berührungen gekommen sein könnte, kann sich die Schwimm- und Sportlehrerin nicht vorstellen. Sie tobe häufig mit Kindern herum, erzählt sie - „aber da komme ich gar nicht an diese Stellen dran“.

Hilfe suchte sich Bouaanzi zunächst beim Bochumer Verein Kinderseelenschützer und dessen Vorsitzendem Dennis Engelmann: „Die waren für uns eine Riesenstütze. Ohne die hätten wir nicht gewusst, wie wir da weiter vorgehen sollten.“

Missbrauchsverdacht in Frankfurter Kita: Anzeige „auf ziemlich dünnem Eis“

Obwohl die Mutter des vierjährigen Mädchens keine Anzeige erstatten wollte und auch nicht mehr mit „gemeinsamstarkffm“ kooperiert, entschied sich die Vorsitzende, sich an die Polizei zu wenden: „Das ist nicht verhandelbar, das muss angezeigt werden.“

Die Frankfurter Polizei bestätigt, dass eine entsprechende Anzeige der Initiative eingegangen ist und dass deshalb ermittelt werde. Allerdings, so ein Sprecher, bewege man sich in diesem Fall „auf ziemlich dünnen Eis“, weil die Verdächtigungen bisher nur auf Hörensagen beruhten.

Die Anschuldigungen gegen den Erzieher veröffentlichten die Kinderseelenschützer vor wenigen Tagen auf Instagram. Man wolle damit keine „Hexenjagd“ lostreten, sondern die Öffentlichkeit informieren, betont der Verein - vor allem deshalb „weil noch weitere Kinder betroffen sein könnten“.

Frankfurt: Vereine erwägen Sammelklage

Inzwischen hat sich tatsächlich eine Frankfurterin bei dieser Zeitung gemeldet, deren fünfjähriger Neffe die Kita ebenfalls besucht. Er habe ihr erzählt, dass er sowie andere Kinder auch von einem Erzieher gekitzelt worden seien, wobei es zu Berührungen im Intimbereich gekommen sei. Einem Freund ihres Neffen sei es schließlich zu viel geworden, und er habe deshalb zurückgeschlagen, schildert die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Den Schilderungen ihres Neffen glaube sie „zu 100 Prozent“, betont sie: „In dem Alter kommt man nicht auf die Idee, das zu erfinden.“

Falls es solche Berührungen tatsächlich gegeben habe, sei das nicht akzeptabel, erklärt IFZ-Geschäftsführer Althaus: „So etwas geht nicht.“ Er beteuert, dass der Kinderschutz im IFZ hohen Stellenwert genieße. Dafür gebe es ein Konzept, das auch vonseiten der zuständigen Behörden Anerkennung genieße. Er selbst sei in seiner zehnjährigen Tätigkeit als Geschäftsführer noch nie mit derartigen Vorwürfen konfrontiert gewesen. Falls sich die Beschuldigungen jedoch als haltlos herausstellen sollten, überlege man, rechtliche Schritte gegen die Kinderseelenschützer und die Initiative „gemeinsamstarkffm“ einzuleiten, so Althaus.

Raschida Bouaanzi und Dennis Engelmann lassen sich davon nicht beirren. Sie befürchten, dass noch mehr Kinder von Grenzüberschreitungen seitens des beschuldigten Erziehers betroffen sein könnten. „Unser Ziel ist es, alle zusammenzutrommeln, um eventuell eine Sammelklage anzustrengen“, sagt die Vorsitzende. (Brigitte Degelmann)

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