Eltern von Kleinkindern könnten in den kommenden Wochen wegen eines unbefristeten Erzieherstreiks vor verschlossenen Kita-Türen stehen. Foto: Carsten Rehder
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Eltern von Kleinkindern könnten in den kommenden Wochen wegen eines unbefristeten Erzieherstreiks vor verschlossenen Kita-Türen stehen. Foto: Carsten Rehder

Erzieher streiken in Frankfurt

Kita-Streik: Kinder müssen irgendwo bleiben

  • vonInga Janovic
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Es kann Tage oder Wochen dauern: Am Montag gehen die Erzieherinnen in Frankfurt in den Streik, etliche Kitas und Horte bleiben zu. Betroffen sind aber auch die Praunheimer Werkstätten und Einrichtungen der Drogenhilfe.

Einigen Kindern stehen schöne Zeiten bevor: Oma kommt zu Besuch, statt in die Kita geht’s zum besten Freund, Mama und Papa sind jetzt auch mal wochentags zu Hause. Mancher Knirps wird das Wort „Kita-Streik“ vielleicht bald mit Eiscreme und Schwimmbad auf seine Favoritenliste setzen. Was der Ausstand der Erzieherinnen und Erzieher, der am Montag Frankfurt erfasst, für die Eltern bedeutet, können die Kleinen noch nicht erfassen.

Betroffen vom großen, unbefristeten Streik, zu dem Erzieher, Sozialarbeiter und Pädagogen bundesweit aufgerufen sind, sind in Frankfurt die Einrichtungen des stadteigenen Betriebs Kita Frankfurt und der Awo. Das sind zusammen 157 der insgesamt 750 Krabbelstuben, Horte und Kitas, die es in der Stadt gibt. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass sie alle dichtmachen.

Zudem werden Mitarbeiter der Praunheimer Werkstätten sowie der stadtnahen Vereine wie der Aidshilfe und der Integrativen Drogenhilfe in den Ausstand treten. Alle stehen hinter der Formel „Aufwerten jetzt!“ und fordern eine besseren Entlohnung für die Sozialberufe. Dafür sollen alle Beschäftigten höher als bisher in den Tarifgruppen des öffentlichen Dienstes eingruppiert werden, die Gehälter aller um durchschnittlich zehn Prozent steigen. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VkA) ist bislang zu einer pauschalen Anhebung nicht bereit, bietet punktuelle Erhöhungen an. Das ist den Gewerkschaften zu wenig.

Dafür haben sogar Eltern Verständnis, die sehen müssen, wo ihre Kindern bleiben. Von vielen Seiten gibt es Sympathiebekundungen. „Die Arbeit von Erzieherinnen verdient endlich eine deutlich höhere Anerkennung, weil sie von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung ist“, erklärte etwa OB Peter Feldmann (SPD), auch wenn er als Personaldezernent zur Neutralität verpflichtet sei. Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) würde eine Einigung im Sinne der Erzieher begrüßen. „Die Kitas werden zu frühkindlichen Bildungseinrichtungen, das ist ein enormer Anspruch.“ Ähnlich hat sich gestern auch die Bundesfamilienministerin geäußert, dennoch rechnen die Gewerkschaften damit, dass sich der Tarifstreit in die Länge ziehen wird. Die Kassen der Kommunen, die die höheren Löhne zahlen müssten, sind leer.

Wo gestreikt wird, sind die Eltern gewarnt und informiert, halfen die Erzieherinnen, um wenigstens eine Notbetreuung anzubieten, oder brachten Eltern zusammen, die sich gegenseitig unterstützen. „Wir haben alle Einrichtungen dazu aufgefordert, mit den Eltern zu sprechen“, sagte Doris Santifaller, pädagogische Leiterin bei Kita Frankfurt. Kitas schlossen sich zusammen, nicht-streikende Erzieher gehen mit Kindern zu den Nachbarn. Ebenso Praktikanten und Hausangestellte, die nicht streiken dürfen.

Großes Chaos scheint am Montag also nicht zu erwarten sein. Planbar sei ein solcher Streik allerdings nicht, so Santifaller. Erst am Montagmorgen werde man sehen, wie viel Personal tatsächlich fehle. Die Lage kann sich täglich ändern. Während der Warnstreiks der vergangenen Wochen waren knapp 20 Einrichtungen von Kita Frankfurt ganz zu; bei bis zu 40 musste der Betrieb eingeschränkt werden.

Ab Montag ist eine Extra-Telefonnummer geschaltet, unter der Eltern täglich zwischen 7.30 und 11 Uhr aktuelle Informationen einholen können: (0 69) 21 24 87 93.

„Wir rechnen für Montag mit der Schließung von 50 Kitas“, kündigte Andreas Heymann, bei Verdi Frankfurt zuständig für die Sozialverbände, an. Die Stimmung unter den betroffenen Beschäftigten sei „sehr, sehr positiv“, ergänzte seine Kollegin Jutta Ehret, die für die städtischen Angestellten in Frankfurt spricht.

Sollte der Streik länger gehen, soll er so organisiert werden, dass die Eltern nicht alle Sympathien dafür verlieren. Deshalb wurde auch von Verdi eine Hotline eingerichtet: (0 69) 25 69 14 40. Zudem sollen Streikende und Betroffene über die Internetseiten der beiden Gewerkschaften Verdi und GEW sowie einer eigens eröffneten Streikuni () über alle geplanten Aktionen informiert werden. Für Montag 11 Uhr ist die erste Kundgebung vor dem Gewerkschaftshaus an der Wilhelm-Leuschner-Straße angekündigt.

Bei der Awo weiß man recht genau, was auf alle zukommt. Der Wohlfahrtsverband ist vom Streik betroffen, weil für seine Mitarbeiter ein „Anwendungstarifvertrag“ zu dem des öffentlichen Dienstes gilt. Voraussichtlich hätten die Gewerkschaften am Montag alle 16 Frankfurter Awo-Kitas „dichtgemacht“. Deshalb wurde mit Verdi eine „Notdienst-Vereinbarung“ getroffen, drei Kitas öffnen am Montag, 120 Kinder sind angemeldet.

Wohl nicht vor verschlossenen Türen, aber doch vor deutlich weniger Mitarbeitern werden die Klienten der Drogenhilfeeinrichtungen im Bahnhofsviertel stehen. Gelassen blicken bislang die Praunheimer Werkstätten auf die anstehende Streikwoche. „Wenn nötig, werden Beschäftigte auf andere Abteilungen verteilt“, so deren Sprecherin Sandra Heeb. Aber wie für die Kitas gilt: Überraschungen sind möglich. „Der Betrieb wird nicht komplett zum Erliegen kommen, aber zu etwa 80 Prozent“, kündigte etwa Betriebsrat Bernd Köller für die Werkstätten-Filiale in Höchst an.

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