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Dolle Stimmung, dolles Foto: Eine Polizistin knipst die fröhlich-närrische Truppe beim Umzug in Klaa Paris mit dem Smartphone. 

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen

Fastnachtsumzug in Heddernheim: Zehntausende feiern in „Klaa Paris“

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Frankfurts kultigster Fastnachtsumzug lockte wieder viele Karnevalisten nach Heddernheim. Im Vorfeld waren die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden. 

Frankfurt - Die Narren ließen sich den Schneid nicht abkaufen: 1500 von ihnen zogen gestern in Heddernheim alias Klaa Paris durch die Straßen. Und das trotz der Tragödie in Volkmarsen, nach der viele hessische Rosenmontagszüge abgesagt worden waren, weil in Nordhessen ein Mann in einen Umzug gerast ist und rund 60 Menschen verletzt hat. Er sitzt jetzt wegen Mordversuchs in Untersuchungshaft.

Die Frankfurter haben sich davon jedoch nicht einschüchtern lassen: Immerhin etwa 90 000 Menschen waren in den nördlichen Stadtteil gekommen, der als Geburtsstätte der Frankfurter Fastnacht gilt. Im Vorjahr waren es rund 100 000 Zuschauer gewesen. Der Rückgang war jedenfalls nicht auf das Wetter zurückzuführen - das war mit elf Grad und viel Sonne für einen Februar durchaus angenehm zu nennen.

Frankfurt-Heddernheim: Keine Panik vor Fastnacht in „Klaa Paris“ 

Die Besucherzahl nannte Polizeisprecher Daniel Kerleau gestern gegen 17 Uhr, also kurz nach Ende der Veranstaltung. Und sagte: "Es ist nichts passiert. Alles war sicher, und wir hatten lediglich zwei vorläufige Festnahmen." Beide Male sei Alkohol im Spiel gewesen. Der Grund für die Festnahmen waren Sachbeschädigung und Körperverletzung.

Noch am Rosenmontag und Dienstagmorgen waren Polizei und Veranstalter deutlich nervöser gewesen. Kerleau versicherte, dass der Zug höchstmöglich gesichert sei. "Das war allerdings schon vor Volkmarsen so geplant, es gab keine Verschärfungen deswegen." Es seien nur mehr Beamte in Zivil oder Uniform im Einsatz gewesen. "Es ist ja auch eine Frage an den Veranstalter, was er zusätzlich unternimmt", so Kerleau.

Umzug in Frankfurt-Heddernheim: „Fastnacht nicht nehmen lassen“

Dass der Fastnachtszug durch Heddernheim wie geplant stattfinden solle, erklärte die Zuggemeinschaft Klaa Paris bereits am Rosenmontag. Man wolle sich die Fastnacht nicht nehmen lassen. Man habe gemeinsam mit dem zuständigen 14. Polizeirevier das Sicherheitskonzept abermals überprüft. "Darin wurde uns bestätigt, dass die Polizei gut aufgestellt ist für unseren Zug - das galt für alle Eventualitäten", betonte Zugmarschall Ulrich Fergenbauer. Das habe die Zuggemeinschaft in ihrer Entscheidung bestärkt.

Eine Orkanwarnung wäre etwas anderes gewesen, das sei höhere Gewalt. "Aus moralischen Gründen aber wollten wir nicht absagen. Eben weil wir uns nicht von so jemanden wie in Volkmarsen in die Parade fahren lassen wollen." Das sei ihm auch von vielen Heddernheimern gesagt worden. "Wir sind die Fastnachtshochburg von Frankfurt. Und wir sagen: Jetzt erst recht!", bekräftigt der Zugmarschall die Entscheidung. Er und die vielen anderen Akteure des Umzugs waren zufrieden mit dem Zugverlauf: "Alles war friedlich."

Der Fastnachtsumzug startete traditionell mit 111 Laufnummern. Sechs Motivwagen, neun Musikgruppen und damit zusammen etwa 1500 Teilnehmer paradierten durch die Straßen von Klaa Paris.

Die polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen waren präsent. Wer von der S-Bahn-Station Eschersheim über die Maybachbrücke nach Heddernheim lief, sah schon auf der Eschersheimer Seite bewaffnete Polizisten. Bereits hier war die Brücke abgesperrt. Ein Müllwagen stand quer, machte nur Platz für Zugwagen. Der Bürgersteig und der Fahrradweg der Brücke waren mit Betonklötzen gesperrt.

Sicheres „Klaa Paris“: Schutz durch Polizei Frankfurt gelobt

Auch in Heddernheim waren an fast jeder Kreuzung und in den Straßen Polizisten zu sehen. Prompt fühlten sich die meisten Zuschauer gut beschützt. Etwa Martin Raab, ein Frankfurter, der auch nach seinem Wegzug jedes Jahr nach Heddernheim kommt. "Man hat zwar ein mulmiges Gefühl", sagte er, "aber in Frankfurt ist man doch viel sicherer vor Amokfahrern als auf dem Land, wo die Polizei gar nicht solche Schutzmöglichkeiten hat."

Thomas J. Schmidt

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