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Klaa Paris mal anders: Heddernheimer demonstrieren gegen Querdenker - ganz ohne Narren

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Von: Sabine Schramek

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An der "Gemaa Bumb" versammelten sich die 179 Teilnehmer der Anti-Querdenker-Demo. Auch ohne Fastnachter gab es karnevalistische Anklänge. Gerade hält einer eine launige Büttenrede. "Statt andere mit Maske zu schütze, träscht Herr Bieder Alumütze ..."
An der "Gemaa Bumb" versammelten sich die 179 Teilnehmer der Anti-Querdenker-Demo. Auch ohne Fastnachter gab es karnevalistische Anklänge. Gerade hält einer eine launige Büttenrede. "Statt andere mit Maske zu schütze, träscht Herr Bieder Alumütze ..." © Rainer Rüffer

Corona-Leugner und Impfgegner gehen ihnen auf die Nerven. Am Fastnachtsdienstag machten 179 Heddernheimer ihrem Ärger Luft.

Heddernheim -Am Karl-Perott-Platz hängt ein riesiges Banner mit der Aufschrift "Klaa Paris - Narrenparadies". Doch es ist still in Heddernheim. Die Straßen sind fast leer. Zum zweiten Mal musste der legendäre Fastnachtszug wegen Corona abgesagt werden. Zwei Männer in Karnevalsuniform laufen am Platz vorbei, rufen laut Helau und verschwinden im Nassauer Hof. Ein Mann hatte es gerade noch geschafft, zu fragen, ob es doch irgendetwas heute gibt. "Nur intern", lautet die knappe Antwort.

Dennoch sammeln sich Menschen mit bunten Plakaten auf dem Platz. "Heddernheim stellt sich. Gegen Querdenker und Wissenschaftsverweigerer. Für solidarische Krisenlösungen" heißt die Demo der Bürgerinitiative "Heddernheim gegen Querdenker", die seit dem 18. Januar jeden Dienstag eben diesen Paroli bietet. "Gerade an Faschingsdienstag wollen wir erst Recht nicht, dass Egoismus, Geschichtsvergessenheit und Aggression in Klaa Paris Platz finden", sagt Arash, der vor Jahren von Köln nach Heddernheim gezogen ist.

Statt Pappnasen tragen die Teilnehmer Maske. Statt fröhlichen Kostümen Banner und Plakate. Auf einem steht: "Hallo Verquertdenker! Wir haben Eure Meinung gehört und verstanden. Wir teilen Eure Meinung NICHT! Ihr seid in der deutlichen Minderheit. Bitte hört auf, uns zu nerven!" Auf anderen: "Danke an alle Geimpften" oder "Man geht einfach nicht mit Nazis spazieren" und "Solidarisch statt egoistisch".

An diesem Dienstag dürfen die Querdenker sich nicht am Karl-Perott-Platz treffen. Sie müssen zum Heddernheimer Hof ausweichen und Richtung Niederursel laufen. Einige verlaufen sich und gehen schnell und schweigend vorbei an den Heddernheimern. Ohne Gebrüll, ohne "Freiheit"- oder "keine Dikatatur"-Schrei. Sie wissen, dass die Polizei ein Auge auf sie hat. "Denken, Wissenschaft, Solidarität, das ist wofür Heddernheim steht. Wir singen frohe Lieder, haben unsere Straßen wieder", lässt einer der Veranstalter über den Platz klingen. Applaus und ein leises "Helau" stimmen die Frauen und Männer zu. Zum ersten Mal kommt es zu keiner Konfrontation zwischen den Gruppen. Die Heddernheimer ziehen still durch ihr Viertel und treffen auf Eschersheimer, die sie unterstützen. "Querdenker stoppen. Frankfurt solidarisch" steht auf ihrem Banner. Die Landtagsabgeordneten Turgut Yüksel (SPD) und Martina Feldmayer (Grüne) sind dabei. Die Polizei zählt 179 Teilnehmer auf dem Weg zur "Gemaa Bumb".

Ganz ohne ein bisschen Narretei geht es heute nicht. Joe, der keinen Nachnamen nennen möchte, hat etwas vorbereitet. Ohne Bütt und Narrenkapp greift er an der Wasserpumpe zum Mikrofon. "Eigentlich wollte ich heute was zum Thema Querdenker machen. Etwas typisch Heddernheimerisches, weil ich die Befürchtung hatte, dass die Karnevalsvereine ihren Arsch nicht hochkriegen, sich zu dem Thema Querdenker zu äußern, die seit Wochen unseren Stadtteil mit ihren Parolen nerven."

Kritik an unpolitischen Fastnachtern

Er behält Recht. Der erste Vorsitzende der Fastnachter, Ulrich Fergenbauer, hatte erklärt, dass man Brauchtum nicht mit Politik vermischen wolle. Privat könnten Mitglieder mitmachen. Arash schüttelt den Kopf. "In Köln würde das nicht passieren. Politischer als Karnevalszüge geht's ja kaum."

Joe erinnert daran, dass vor nicht langer Zeit Querdenker in Berlin vor der russischen Botschaft "Putin, Putin" gerufen haben und bei Spaziergängen Plakate mit der Aufschrift: "Putin, rette uns", getragen haben. 18 Verse hat Joe geschrieben und trägt sie vor. "Statt mit Maske andre zu schütze, träscht Herr Bieder Alumütze. Aus Trotz lässt er sich aach net impfe, plärrt ,Widerstand' und tut laut schimpfe." Er endet mit "Die Chips mit 5G aktiviern, die Menschheit damit dezimiern, den Schwachsinn glaubt doch keine Sau, geht net spazier'n - geht haam - Helau!"

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