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Muskelkraft für die Musik: Admir Hadzic (links) und Dirk Wittig, Mitarbeiter des Frankfurter Transportunternehmens ?Pati?, wuchten ein Klavier auf einem Rollbrett in Sachsenhausen aus einem Lieferwagen.

Umzugsfirma Piano Pati

Spezialist erklärt: Wer ein Klavier transportieren möchte, ist auf Fachleute angewiesen

Sie schleppen Klaviere durch Häuser oder hieven sie per Kran durch Fenster in Wohnungen. Wer ein Tasteninstrument transportieren möchte, ist auf Spezialisten angewiesen.

Das Klavier ist für den Menschen eine Herausforderung. Schüler beispielsweise müssen fleißig üben, wollen sie das Instrument eines Tages beherrschen. Aber auch jenseits der musikalischen Ausbildung kann ein so sperriger und schwerer Kasten für schlaflose Nächte sorgen. Dann nämlich, wenn das Instrument durch enge Hausflure oder Treppenhäuser transportiert werden muss. Oder wenn es keinen Platz mehr für das geliebte Erbstück gibt und es einfach nur weg soll. Auf solche Fälle ist die Frankfurter Umzugsfirma „Piano Pati“ spezialisiert. „Der Transport oder die Lagerung von Klavieren ist für viele Menschen ein willkommenes Angebot“, sagt der 52 Jahre alte Firmenchef Sandro Pati. Wie er sagt, transportieren seine Leute in der Woche zwischen 40 und 50 Instrumente. Egal, ob neu oder gebraucht – im Durchschnitt koste das innerhalb einer Stadt zwischen 120 und 180 Euro.

Bei Umzug in kleinere Wohnung wird das Klavier oft abgegeben

Manche der schweren „Klimperkästen“ landen bei Privatleuten, andere Instrumente werden schlicht an Flohmarkthändler gegeben, weil der Umzug in eine kleinere Wohnung ansteht. Dirk Wittig, Mitarbeiter von Sandro Pati, hat die Erfahrung gemacht, dass viele Besitzer an ihren ausgemusterten Klavieren hängen. „Manche fotografieren das Instrument noch, bevor wir es einladen und mitnehmen“, erzählt er. Ältere Menschen würden sogar manchmal weinen, etwa weil das Instrument längst gefeierte Familienfeste in Erinnerung rufe. Erleichtert seien nur wenige, wenn das sperrige Klavier aus dem Haus sei, sagt Wittig.

Firmeninhaber Sandro Pati steht in seinem Lager zwischen Klavieren und Flügeln, die in Plastikfolie eingepackt sind.

Nicht immer ist es ein Abschied in Moll. Für Menschen, die sich nicht vom Instrument trennen wollen, bietet „Piano Pati“ noch eine andere Lösung. In verschiedenen Räumen seines Unternehmens lagern Dutzende Klaviere und Flügel bei konstanter Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Das kostet die Besitzer zwischen 30 und 60 Euro im Monat. Bei diesen Kunden handelt es sich oftmals um Erben, die an dem Instrument hängen, aber keinen Platz dafür haben, wie der Firmenchef sagt. Manchmal ist das Klavier alles, was geblieben ist, nachdem sich ein Paar getrennt hat, fügt Pati hinzu. Menschen seien eben sentimental.

Einige Klaviere werden jahrelang im Lager aufbewahrt

Werden Klaviere und Flügel je wieder abgeholt und gespielt? Nicht immer. „Manche Kunden zahlen über Jahre hinweg mehr Geld für die Aufbewahrung, als das Instrument gekostet hat“, erzählt er und blickt auf Instrumente, die – versehen mit Lagerzettel, Versicherungsnummer und Protokoll – aufgereiht sind. Meist aber kommt Pati bei Umzügen ins Spiel. Auch Haushaltsauflösungen oder die Neuanschaffung eines gekauften oder gemieteten Klaviers funktionieren nicht ohne Umzugsunternehmen.

Bevor die zwischen 170 und 300 Kilogramm schweren Kästen beim Empfänger stehen, müssen sie manchmal hochkant durch Mietshäuser oder auf Rollbrettern durch Hausflure bewegt werden. Manchmal hieven die Mitarbeiter von Sandro Pati die Instrumente sogar per Mietkran durch das Fenster einer Dachgeschoss-Bude, was wiederum zusätzliche Kosten verursacht.

Klaviere, Pianos und Flügel werden nicht nur durch die Straßen von Frankfurt, Hanau oder Wiesbaden transportiert. Manchmal müssen die Mitarbeiter auch ins europäische Ausland fahren, um Musikern ihre Instrumente zu liefern. Dabei arbeitet die Firma mit Sitz in Frankfurt-Preungesheim nicht nur für professionelle Pianisten oder Orchester; vor allem Privatleute zählen zu den Kunden. Viele gebrauchte Instrumente sind in Umlauf, werden gekauft oder verkauft.

Dass viele Instrumente in Umlauf sind, sagt Christa Stollenwerk (76), die ein Klavierhaus in Frankfurt leitet. „Es gibt viele gebrauchte Instrumente, die über Internetportale gekauft werden“, sagt sie. Deren Zahl sei schwierig zu ermitteln. Fest stehe, dass der Trend zum Klavier seit Jahrzehnten rückläufig sei. Vor dem Zweiten Weltkrieg seien in Deutschland etwa 80 000 Instrumente im Jahr verkauft worden. In den folgenden Jahrzehnten sei die Zahl deutlich gesunken. Die Geschäftsführerin schätzt, dass in Deutschland derzeit bis zu 10 000 neue Instrumente jährlich verkauft werden. Diese Zahl bestätigt der Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte.

Digital-Instrumente sind gefragt

„Klavierspielen ist nicht mehr der Volkssport, der er einst in Deutschland war“, sagt Stollenwerk. Auch wenn Menschen gerne den Klang eines Klaviers hören, die zeitraubende Ausbildung, die teuren Reparaturkosten und der Platzmangel in Zeiten erhöhter Mobilität sprächen gegen das klobige Instrument. Dennoch, die Liebe zum Klavier vergeht nicht so schnell. Nach Angaben des Gesamtverbandes Deutscher Musikfachgeschäfte werden neben den klassischen Klavieren und Flügeln in Deutschland etwa 70 000 Digital-Pianos jährlich verkauft. Die kleineren Instrumente lassen sich weitaus einfacher über Treppen und Flure bewegen.

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