Meike und Torsten Reichhardt sind sauer, weil die Kunden nicht mehr in Laufnähe parken können. Sie selbst müssen für ihre beiden Firmenwagen kräftig zahlen. FOTO: leonhARD hAMERSKI
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Meike und Torsten Reichhardt sind sauer, weil die Kunden nicht mehr in Laufnähe parken können. Sie selbst müssen für ihre beiden Firmenwagen kräftig zahlen.

Parken in Frankfurt

"Kleinbetriebe sind der Stadt total egal"

  • VonSabine Schramek
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Wäscherei-Betreiber aus dem Westend verzweifeln an Anwohnerparkplatz-Regelung

Seit neun Jahren waschen Torsten und Meike Reichhardt anderer Leute Wäsche, holen sie ab und liefern die von Hand gebügelten und gemangelten Textilien wieder aus. Sie lieben ihren Kunden-orientierten Service. Trotzdem platzt ihnen langsam der Kragen. Sie fühlen sich von der Stadt ausgenommen und im Stich gelassen.

Türkisfarbene Tür- und Fensterrahmen im Erdgeschoss des Altbaus auf der Eschersheimer Landstraße zwischen Holzhausenstraße und Vogtstraße sind das Erkennungsmerkmal der Wäscherei von Torsten Reichhardt (38). "Hier mangelt der Chef selbst", steht auf einem Schild in einer Ecke im Laden, in dem sich Wäsche aller Art türmt. Gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Frau Meike (37) hatte der Mann, der aus der Textildienstbranche kommt, den Wäscheservice 2013 übernommen. "Der Sohn der Vorgängerin hat unsere Tochter im Sport trainiert. Als sie aufhörte, hat sie Torsten gefragt, ob wir nicht weitermachen wollen", erzählt Meike Reichhardt, die Hauswirtschafterin gelernt hat. Reichhardts Vater ist vergangenes Jahr gestorben, seine Mutter hat sich zurückgezogen. "Corona hat uns viel Geschäft gekostet, weitere Angestellte können wir nicht bezahlen", sagt er. "Jetzt haben wir noch mehr Kosten und noch mehr Probleme wegen des Anwohnerparkens", schimpft er.

Die beiden haben zwei Kinder und wohnen in Mühlheim. Die Tochter (15) geht in Obertshausen in die Schule, der Sohn (12) in Frankfurt. Von Dienstag bis Samstag arbeiten sie ab 8 Uhr morgens, holen Wäscheberge ab und liefern sie wieder aus. Dort, wo sie und Kunden bisher parken konnten, ist ein Schilderwald. An einem Seitenstreifen ist von Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr eingeschränktes Halteverbot, hinter einem Pflanzen-Carré sind zwei Schrägparkplätze mit abfallendem Bürgersteig vor der früheren Einfahrt des Gebäudes. Ab hier bis zur U-Bahn-Station sind anders gepflasterte Anwohnerparkplätze von 9 bis 22 Uhr und Parkautomaten eingerichtet. Nach langem Hin und Her ist es ihnen gelungen, einen Gewerbeparkausweis für 355 Euro für ein Jahr zu bekommen. Eingetragen sind beide Wagen, aber nur einer darf jeweils parken. "Anwohner zahlen 50 Euro für zwei Jahre. Wir mussten für den zweiten Wagen also noch einen Tiefgaragenplatz im Gärtnerweg für 120 Euro im Monat mieten. "Müssten wir die Parkuhr füttern, kämen locker 30 bis 40 Euro am Tag zusammen. Dazu kommt, dass der Gewerbeparkausweis nur erteilt wird, wenn die Autos mit Werbung foliert sind. Hinten allein reicht der Stadt nicht, es müssen an beiden Querseiten Folien mit dem Gewerbe drauf erkennbar sein. Das hat uns noch mal 500 Euro gekostet." Tatsächlich gibt es im Rhein-Main-Gebiet eine deutschlandweit einzigartige Auflage der Stadt zur Beklebung der Fahrzeuge.

Regelung genau

vorgeschrieben

"Die Parkberechtigung erfolgt ausschließlich kennzeichenbezogen für maximal ein Fahrzeug. Das Fahrzeug muss zwingend auf die/den Geschäftsführende/n oder das Gewerbe zugelassen sein und ein sogenanntes Branding aufweisen. Hierbei handelt es sich um eine Werbung, eine Marke und/oder ein Logo. Das Branding muss beidseitig, großflächig und mit dem Fahrzeug fest verbunden sein", heißt es auf dem Portal der Stadt Frankfurt unter "Voraussetzungen" für Park-Ausnahmegenehmigungen. Für den Antrag müssen "Fotos des Fahrzeugs, auf dem das mindestens beidseitige, großflächige, mit dem Fahrzeug fest verbundene Branding (Werbung, Marke, Logo) abgebildet wird", eingereicht werden. Ohne zu wissen, ob man die Genehmigung bekommt.

In anderen Städten wie Hamburg, Berlin oder München gibt es diese Pflicht nicht. Wohl aber im Rhein-Main-Gebiet. Dort können auch freiberuflich Tätige wie Rechtsanwälte, Architekten, Steuerberater und Ingenieure Anträge stellen. In Frankfurt sind sie "in der Regel nicht antragsberechtigt".

Zu den Kunden von Reichhardt zählen auch Großkunden wie Banken, die Alte Oper, Zahnärzte, Strahlentherapeuten, Kindergärten, Großhändler und Gastronomen. Viele haben während der Lockdowns pausiert mit Wäscheservice. "Es gab Homeoffice, viel war geschlossen und wir wurden weniger gebraucht." Vom Ordnungsamt habe Reichhardt zu hören bekommen, er solle sich doch ein Lastenrad anschaffen oder die Wäscherei schließen. "Unmöglich ist das", schimpft er. "Ich habe den Eindruck, dass Gewerbesteuer niemanden interessiert. Familienunternehmen noch weniger. Und schon gar nicht gute Dienstleister, die sich um ihre Kunden und Nachbarn kümmern."

Sabine Schramek

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