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Arbeiter schwarz auf die Hand bezahlt

Kleines Bauunternehmen hinterzieht zweieinhalb Millionen Euro Steuern und Sozialversicherungsbeiträge

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Zweieinhalb Millionen Euro Steuern und Sozialversicherungsbeiträge hat ein Bauunternehmen nicht abgeführt. Jetzt müssen sich Vater und Sohn vor dem Landgericht Frankfurt verantworten, der Prozess soll im Januar beendet sein.

Wenn der Vater mit dem Sohne: Unter diesem Motto könnte ein gestern vor dem Landgericht begonnener Prozess um Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung am Bau beschrieben werden. Angeklagt sind ein 74 Jahre alter Bauunternehmer und dessen Sohn (34), der von ihm das mittelständische Unternehmen 2015 überschrieben bekommen hatte und laut Anklage mit den kriminellen Praktiken bei der Beschäftigung seiner 20 Arbeitnehmer weitergemacht hatte.

Die Staatsanwaltschaft erstellte umfangreiches Listenmaterial mit mehr als 50 Einzelfällen, für deren Verlesung Oberstaatsanwalt Kurt Hahn gestern mehr als eine Stunde Zeit benötigte. Doch der erfahrene Steuer- und Wirtschaftsfahnder nahm die Sache gelassen, zumal er in der Folge die umfassenden Geständnisse der beiden Angeklagten entgegennehmen konnte. Zwischen 2010 und 2014 agierte zunächst noch der Senior als Firmenchef – in seiner Ägide wurden laut Anklage 185 000 Euro Steuern und 1,2 Millionen Euro Sozialversicherungsbeiträge hinterzogen. Seit 2015 kam der Sohn auf insgesamt 900 000 Euro Sozialversicherung und 150 000 Euro Steuern – insgesamt geht es also um knapp zweieinhalb Millionen Euro.

Mehr herausbekommen

Die Bauarbeiter waren – wenn überhaupt – nur mit einem verminderten Arbeitsumfang und Gehalt bei den offiziellen Stellen angemeldet worden. Sie hatten aber in den überwiegenden Fällen noch nicht einmal etwas dagegen, „schwarz auf die Hand“ bezahlt zu werden, weil sie dann bei gleichen Leistungen der Krankenversicherung am Ende aber schließlich mehr herausbekamen.

Die umfassenden Angaben der beiden Angeklagten belegten wieder einmal, dass in der hart umkämpften Baubranche mit ehrlichem Agieren kaum ein Blumentopf zu gewinnen ist. Der Senior, der im vergangenen Jahr schon mal vier Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte, ließ durchblicken, dass Lohndumping und Preisdrücken zum Alltag bei der Entgegennahme von Aufträgen gehöre. Man habe deshalb keinen anderen Ausweg gesehen, als sich in der kriminellen Spirale von Scheinrechnungen und damit einem hin- und herschieben von Arbeitnehmern mitzudrehen. „Natürlich war mir klar, dass das nicht in Ordnung ist“, sagte der Sohn.

Großen genauer unter die Lupe genommen

Wie in vielen anderen Fällen auch, kam das recht kleine Hoch- und Tiefbauunternehmen erst in den Sog der Ermittlungen von Zoll und Staatsanwaltschaft, als die Großen genauer unter die Lupe genommen wurden. Als Nebenprodukt der umfassenden telefonischen Überwachungsmaßnahmen fielen schließlich auch die Namen der kleinen Unternehmen. Man hofft nun, wenigstens von deren Geständnissen und Erläuterungen in dem parallel bei einer Wirtschaftsstrafkammer laufenden Großverfahren zu profitieren, um Strukturen und Zusammenhänge erkennen zu können.

Prozessende im Januar

Schon gestern flimmerte das Projektionsgerät – und auch an den kommenden beiden Verhandlungstagen will die von Richter Werner Gröschel geleitete Wirtschaftsstrafkammer trotz der bereits vorliegenden Geständnisse noch umfangreiches Zahlenwerk studieren und Zeugen und Sachverständige dazu vernehmen. Derzeit richtet sich die Staatsanwaltschaft auf ein Ende des Prozesses in der zweiten Januarhälfte ein.

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