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Ministerin Eva Kühne-Hörmann, Oberstaatsanwalt Rainer Franosch und IT-Trainer Ralf Wildvang warnen vor den Gefahren eines Smartphones.

Smartphones sind für Kriminelle beliebte Ziele

Kleines Gerät, große Gefahr

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Smartphones vereinfachen das Leben – und helfen Hackern beim Ausspähen sensibler Informationen. Bei einem Workshop des hessischen Justizministeriums erklärte gestern ein IT-Sicherheitsexperte, wie leicht man heute zum Hacking-Opfer wird.

Er werde nicht aufzeigen, wie man ein Smartphone hackt, ein E-Mail-Konto knackt oder Ähnliches, teilte der IT-Sicherheitsexperte Ralf Wildvang zunächst mit. Er wolle nur für das Thema der Informationssicherheit sensibilisieren und Smartphone-Nutzer aufrütteln – und zeigte dann die großen Schattenseiten dieses kleinen Geräts auf, das immer mehr Menschen kaum noch aus der Hand legen, weil es das Leben vereinfacht.

Schließlich hatte das hessische Justizministerium, geleitet von Eva Kühne-Hörmann (CDU), gestern nicht ins Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) auf dem Campus Riedberg zum Cybercrime-Workshop geladen, um neue Hacker und kriminelle Datensammler auszubilden, sondern um Aufklärung zu betreiben: Experten sollten die Gefahren aus dem Internet erklären.

Ralf Wildvang gewährte entsprechend alarmierende Einblicke, indem er die technische Anfälligkeit von Smartphones für Datendiebstahl und Manipulation demonstrierte. So installierte er etwa Spähsoftware, Trojaner genannt, auf einem Smartphone und zapfte dessen Mikrofon an – wodurch sich das Telefon zur Wanze verwandelte und alles preisgab, was im Raum gesprochen wurde. Das Erschreckende dabei: „Der Vorteil aus Sicht eines Hackers ist, dass man das Smartphone völlig normal nutzen kann, ohne etwas zu bemerken“, sagte Wildvang.

Gleiches gilt für noch einfachere Methoden, ein Smartphone zu infiltrieren: Der Hacker nutzt in diesem Fall den Telefon-Automatismus, sich in bekannte oder frei zugängliche WLAN-Netze einzuwählen. Er tarnt seinen Internet-Zugang mit bekannten WLAN-Namen, „Flughafen“ etwa, und erlangt so Zugriff auf den internen Speicher wie auch auf die SD-Karte inklusive Kontaktlisten, Verbindungsnachweisen, App-Daten, Fotos, Videos, SMS, E-Mail, WhatsApp, Facebook, Bewegungsprofile des GPS-Senders – und natürlich die gesamte ein- und ausgehende Kommunikation. „Es geht Hackern erst einmal darum, Informationen zu gewinnen“, so Wildvang. „Was hindert mich daran, Daten herunterzuladen, inhaltlich zu verändern und wieder hochzuladen?“ Dies könne auch ganz einfach über einen Link per SMS oder E-Mail geschehen.

Für besonders gefährdet hält Wildvang indes das sogenannte „Rooting“ bei Android-Smartphones sowie den „Jailbreak“ bei Apple-Produkten: Hier werden die Geräte vom Nutzer in einen administrativen Zustand versetzt, der beispielsweise das Installieren von Apps außerhalb der offiziellen App-Stores erlaubt – und laut dem IT-Experten dann Hackern „vollen Zugriff auf das ganze Telefon“ erlaubt.

Wie groß die Gefahr aus dem Internet ist, zeigen statistische Erhebungen der IT-Sicherheitsfirma Kaspersky: 2014 blockte nur ihre Software – und es haben bei weitem nicht alle Smartphones diese installiert – mehr als

1,3 Millionen Attacken

auf Android-Smartphones. Im Computerbereich sehen die Zahlen sogar noch dramatischer aus: Über 6 Milliarden Gefahren wurden im Jahr 2014 entdeckt und behoben. Die Verwendungsmöglichkeiten sensibler Daten, so Wildvang, seien schließlich vielfältig, Wirtschaftsspionage und erpresserische Aktivitäten stünden ganz oben.

Justizministerin Kühne-Hörmann betonte daher, dass die meisten Informationen im Internet freiwillig abgegeben würden: „Was man einstellt, ist frei zugänglich für Behörden und Kriminelle.“ So schnell, wie Nutzer Infos übers Wetter oder Bahnverkehr abriefen, könnten auch Kriminelle an Nutzerinformationen gelangen. „Jeder sollte sich selbst fragen, was er für seine Sicherheit tun kann“, so die Ministerin.

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