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Bei Horst Geisel (links) wurde in der Nacht zum 13. Januar eine Scheibe zerschlagen, schon zum zweiten Mal. Klaus Wimmer (rechts) fürchtet, dass Versicherungen bei zu vielen Schadensfällen die Verträge kündigen.

Einbrüche

16 Einbrüche in nur einer Nacht: Kleingärtner an der Eissporthalle verzweifelt

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Die Mitglieder des KGV Riederwald haben „die Nase voll“: Jedes Jahr gibt es bei ihnen 20 bis 30 Einbrüche, mit teils hohen Folgekosten bei nur geringer Beute. Nun wurden mindestens 16 Lauben aufgebrochen – trotz Überwachungskameras.

Frankfurt - Auf den nächtlichen Aufnahmen der Sicherheitskamera taucht plötzlich ein Mann auf, der um die Gartenlaube herum vom Nachbargrundstück kommt. Vor der Tür bleibt er kurz stehen, drückt die Klinke hinunter und geht hinein. Drinnen ist eine weitere Kamera, die zeigt, wie er mit Rechts testet, ob eine weitere Tür verschlossen ist. In seiner linken Hand sind deutlich eine kleine Tasche und ein Brecheisen zu erkennen. Dann bemerkt er die Kamera, zieht die Kapuze ins Gesicht, macht kehrt, verlässt die Laube und geht um sie herum zurück zum Nachbargrundstück, wo er her gekommen ist.

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Die Aufnahme entstand kurz vor 3 Uhr früh am 13. Januar. Eine Nacht, in der in der Anlage „Am Graben“ des Kleingärtnervereins (KGV) Riederwald  in mindestens 16 Lauben eingebrochen wurde oder das versucht wurde, eine Woche vorher traf es sieben Lauben des Vereins am Teufelsbruch. „Nicht alle Pächter sind zu zurzeit täglich im Garten. Vielleicht gab es mehr Fälle“, erklärt Niklas Pauli, der Vorsitzende der Gartenfreunde. Fest steht: Sie haben „die Nase voll“, wie sie in einer Pressemitteilung erklären. Zwischen 20 und 30 Einbrüchen im Jahr  gebe es in den 250 Gärten des Vereins.

Kleingärtner: Versicherung hat gekündigt

„Ein Großteil ist Sachbeschädigung der liebevoll hergerichteten Gartenlauben und der Gärten“, heißt es in der Erklärung. Lassen Pächter bewusst Türen und Fenster offen, zerschlagen sie die Täter oft trotzdem oder hebeln sie auf, erzählt Pauli. Einige Mitglieder verstärken Türen und Fenster oder bauen solche aus Metall ein – mit der Folge hoher Kosten, wenn sie aufgestemmt werden, sagt Frank Weiser, der Versicherungsbeauftragte des KGV. „Manchmal werden ganze Wasserkästen ausgekippt, damit die Flaschen leichter sind, nur um an 3 Euro Pfand zu kommen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende, Klaus Wimmer. Auch werden immer wieder Gartengeräte, aber auch Kleidung geklaut. „Einmal hatte sich ein Obdachloser in einer Laube eingerichtet und für 250 Euro Strom fürs Heizen verbraucht.“

Für eine geringe Beute hätten die Kleingärtner stets einen großen Schaden, sagt Pauli. Versicherungen seien irgendwann nicht mehr bereit, für Schäden aufzukommen und kündigten die Verträge – so geschehen beim Clubhaus der Anlage „Am Graben“, als hier zwei Mal kurz hintereinander Fenster eingeschlagen wurden.

Hinzu komme der Ärger, dass die Kleingärtner fast alles selbst reparieren, sagt Pauli – auch weil das die Versicherungen verlangen. „Und dann das ungute Gefühl, am Wochenende Getränke oder ein Radio im Garten zu lassen. Es ist aufwendig, die Polizei zu informieren mit meist ein bis zwei Stunden Wartezeit bis zum Eintreffen der Streife. Ausfüllen der Versicherungspapiere, Reparatur der Gartenlaube und Neuanschaffung der entwendeten Gartengeräte sind zeitlich auch nicht zu verachten. Von den Kosten ganz zu schweigen“, schreibt der Verein.

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Manch ein Mitglied hat inzwischen Angst. Vor einem Jahr legten die Pächter der 107 Parzellen in Am Graben, unweit der Eissporthalle, zusammen und installierten 30 Kameras auf ihrer Anlage. „Auch um die Wege der Einbrecher nachzuvollziehen und gezielt Schwachstellen beseitigen zu können“, sagt Pauli. „Wir sind, soweit ich weiß, die einzige Anlage Frankfurts, in der es das gibt.“

Kleingärtner: Einbruchszahl gesunken

Zwar hat die Zahl der Einbrüche in Kleingärten seit etwa 2010 zugenommen, von rund 400 auf über zeitweise 800, wie eine Statistik der Stadtgruppe Frankfurt der Kleingärtner zeigt. Stadtweit betrachtet ging die Zahl 2018 aber auf 572 zurück. „Einbrüche in Kleingartenanlagen gibt es inzwischen das ganze Jahr über“, sagt Polizei-Sprecherin Isabell Neumann. Die Dunkelziffer sei hoch, weil längst nicht jeder Einbruch angezeigt werde: im jüngsten Fall in „Am Graben“ seien es nur drei. Sie mahnt: Vor allem, wenn man einen Einbruch bald bemerkt, etwa am nächsten Tag, sollte man die Polizei einschalten. Dann seien die Spuren noch frisch, etwa um DNA-Proben  zu finden.

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