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Flora (12, von links), Greta (12) und Jule (13) sind mit dem Smartphone und der Klimajagd-App in Bornheim unterwegs.

Bornheim

Auf Klimajagd mit dem Smartphone bei der Stadtteilrallye

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Zwei Jugendgruppen gehen in Bornheim auf eine interaktive „Klimajagd“ des Frankfurter Instituts für nachhaltige Entwicklung (FINE). Mitmachen können Schüler ab der dritten Klasse, aber auch interessierte Erwachsene lernen noch etwas dazu.

Damit hat Rolando di Benedetto wohl kaum gerechnet: Auf einmal sieht er sich von einer Gruppe Jugendlicher umgeben, die mit ihm ins Gespräch kommen wollen. Mirko (13) und Moritz (12) fragen ihn, was er davon hält, Parkplätze zugunsten von neuen Bäumen in der Freiliggrathstraße zu opfern – ein heiß diskutiertes Thema in Bornheim. „Man soll vorhandene Bäume ausreichend wässern und darf sie nicht fällen. Aber es ist schwierig, Platz für neue Bäume zu finden, findet der Senior. Seine Meinung wird in kurzen Stichworten ins Smartphone eingetippt.

Fragen zu Bornheimer Standorten, zum Stadtklima und kleine Zusatzaufgaben wie die Interviews gehören zu der interaktiven Rallye „Klimajagd“, die das Institut für nachhaltige Entwicklung (FINE) auf zwei Routen in Bornheim anbietet. Zwei Jugendgruppen aus befreundeten Schülern, meist mit Gesamtschulhintergrund, wollen sich der Herausforderung stellen: Die Mädchen nennen sich „Nix“, die Jungen „Kuckuck“. Ein vorsichtiger Blick zum dicht bewölkten Himmel, dann geht es an die erste Schätzfrage am Bürgerhaus Saalbau: Wie oft wohl die Feuerwehr bei Starkregen ausrücken muss?

„Das Ergebnis haben wir selbst in den Tageszeitungen recherchiert“, sagt Christian Bourgeois von FINE, der mit seiner Kollegin Alexandra von Wimming die Aufgaben im Erwachsenenteam testet. Auf seinem Smartphone demonstriert er, wie man auf einem Balken zwischen 10 und 300 navigieren kann. Als er die „300“ eingibt, ertönt ein Klingelgeräusch, das an eine Kasse erinnert: Richtig getippt, hier gibt es volle 100 Punkte!

Rund eineinhalb bis zwei Stunden sind für die Route über das Fünffingerplätzchen und den Bornheimer Hang vorgesehen, die zurück über die Berger Straße zum Bürgerhaus führt. „Bornheim ist einerseits dicht bebaut mit guter Infrastruktur, hat aber auch geeignete Grünflächen, an denen sich Klimafragen veranschaulichen lassen“, sagt Bourgeois. Jule (13), Greta und Flora (beide 12) debattieren lebhaft, wie viel Kilogramm Kohlendioxid ein Baum täglich aufnehmen kann: Erst beim zweiten Versuch gelingt es ihnen, den Wert mit 124 Kilogramm richtig anzugeben. Bei schwierigen Fragen hat man mehrere Versuche und erhält beim zweiten oder dritten richtigen Anlauf noch gut die Hälfte aller Punkte. Doch bei leichten Richtig- oder Falsch-Fragen läuft die Zeit nach zwei Minuten ab und man geht leer aus, wenn man sich bis dahin nicht entschieden hat.

Das Team von FINE hat acht Monate gebraucht, um die Fragen für die Klimajagd zu entwickeln und in Schulungen zu lernen, wie man die richtigen Lösungen für die App programmiert. „An jedem Standort gibt es eine Identifikationsfrage, auch die Schwierigkeitsgrade und die zu erreichende Punktzahl werden flexibel angepasst“, erläutert Bourgeois. So soll vermieden werden, dass die Teilnehmer Abkürzungen nehmen oder die Rallye vorzeitig beenden, da sie anscheinend schon genügend Punkte beisammen haben.

Konzentriert zählen Mirko und Jakob (12) die Fenster am Ratskeller, den man früher als Eiskeller nutzte, und kreuzen Fragen zum Energiesparen in der Schule durch intelligentes Lüften und Ausschalten überflüssiger Beleuchtung an. Eine besondere Überraschung erwartet die beiden Gruppen allerdings in der Buchwaldstraße: Hier gilt es, Gaslampen zu erkennen. Doch die SRM Straßenbeleuchtung hat kurz zuvor die Gaslaternen gegen elektrische ausgetauscht. „Hier werden wir eine neue Straße suchen oder können die früheren Laternen über den Handy-Display vermitteln“, sagt Bourgeois.

Am Ende hat die Mädchengruppe Grund zum Jubeln: Mit 1576 von 2000 Punkten schlagen sie noch die Jungs, die es nur auf 1318 Punkte bringen. Bourgeois lobt die Ergebnisse und stellt fest: „In Real- und Gesamtschulen bleibt für solche Lernerlebnisse oft mehr Raum als im Gymnasium, wo die Schüler unter mehr Lernstress stehen.“

(got)

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