Setzt sich für den Klimaschutz ein: Feyza Morgül vor dem Zukunftspavillon
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Setzt sich für den Klimaschutz ein: Feyza Morgül vor dem Zukunftspavillon

Feyza Morgüls gemeinnützige Organisation

Die Klimakiller im Blick

Wie lässt sich die Lebensqualität in Frankfurt verbessern? Wer bringt Bürger zusammen? Wer setzt sich für Klimaschutz und Tierrechte ein? In unserer 6-teiligen Serie stellen wir „Changemaker“ vor Menschen die sich für einen gesellschaftlichen und ökologischen Wandel einsetzen und für die Nachhaltigkeit mehr ist als ein abstrakter Begriff. In Folge 5 stellen wir Feyza Morgül vor.

Feyza Morgül sitzt in ihrem Mini und erzählt. An jeder Ampel nimmt sie mit der Gabel ein Stück von ihrem veganen Bananencreme-Kuchen vom Pappteller. Ihre Route führt durch die Nachhaltigkeitsszene Frankfurts.

Erster Stopp: Zukunftspavillon. Ein offener Raum am Goetheplatz, der Bürgern frei zur Verfügung steht. Hier betreute Morgül im Sommer gemeinsam mit anderen die sogenannte Klimagourmet-Woche, die auf den Zusammenhang zwischen unserer Ernährungsweise und den Klimaschutz hinweist. Im Vorfeld organisierte ihr Forum N3 einen Kinoabend mit Diskussionsrunde zum Thema Massentierhaltung. „Die weltweite Fleisch- und Fischindustrie hat einen weit größeren Einfluss auf das Klima und umweltschädigende Treibhausgase als sämtliche anderen Abgas-Emissionen zusammengenommen“, erklärt sie.

„Unser Fleischkonsum ist der Klimakiller Nummer 1, aber es geht einfach so weiter. Wir versuchen mit künstlerischen Aktionen und ohne erhobenen Zeigefinger darauf hinzuweisen, dass sich einiges ändern muss, damit wir auf diesem schönen Planeten gut leben können.“

Im Herbst 2014 startete Morgül das Forum N3 gemeinsam mit zwei Mitstreitern. „Wir stehen dafür ein, Strukturen zu entwickeln, die sich am Menschen und dem Gemeinwohl orientieren, an Kooperation und Teilhabe statt Konkurrenz“, heißt es im Positionspapier der gemeinnützigen Organisation. N3 stehe für die klassischen drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Morgül trägt eine schwarze Jeans und ein lila Shirt mit indischen Motiven. Dazu Motorradstiefel. „Die habe ich mir mit 18 auf der Zeil gekauft und zum dritten Mal besohlen lassen. Ich finde es schön, wenn man die Dinge erhält, statt immer nur Neues zu produzieren. Sie führt aus: „Ich komme mit der Konsumgesellschaft nicht so zurecht. Fühle mich auch nicht wohl in Kaufhäusern, weil ich finde, dass diese Mammutproduktion gar keinen Sinn macht. Wir wissen ja auch, unter was für Bedingungen die Produkte hergestellt werden. Ich kaufe nur das, was ich wirklich brauche.“

Auch privat versucht sie nachhaltig zu leben. Wohnt in einer WG, teilt sich ihr Auto und ihr Büro mit Kollegen und Freunden. Lebensmittel kauft sie am liebsten frisch vom Markt, ihre Kleider holt sie meist Second Hand, etwa auf Kleidertauschmärkten – die sie auch selbst organisiert. „Es gibt immer mehr Menschen, die weniger haben und offen dafür sind, zu teilen und zu tauschen“, empfindet sie.

Morgül ist Tochter einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters. Gemeinsam mit drei Geschwistern wuchs sie in einem Vorort im Osten Frankfurts auf: „Ich bin hier geboren und liebe die Vielfalt der Stadt“, betont sie.

Das BWL-Studium nach dem Abi brach sie ab, entschied sich stattdessen für Politik und Philosophie. „Wir sollten unser Handeln nicht in erster Line zur Gewinnmaximierung einsetzen“, erklärt sie. „Ich bin der Meinung, wir leben dann in einer guten Gesellschaft, wenn wir teilen und ein Verständnis von Zusammenhängen entwickeln. Was kommt woher? Wer hat was wie produziert?“ Nachhaltigkeit mit sozialer Komponente: Nach dem Studium landete sie in der PR der Luxushotellerie, erkannte aber schnell, dass es für sie nicht der richtige Weg war: „Ich sah keinen Sinn darin. Der Mensch stand nicht im Fokus.“

Stattdessen gründete die engagierte Frau ihre eigene PR-Agentur „Opera Civil“ – mit dem Ziel „Unternehmen, Verbände, Organisationen und Wissenschaftler zu unterstützen, die erfolgreich und aktiv für das Zeitalter des Klimaschutzes, der Energiewende und der Menschenrechte eintreten. Mir geht es darum, Informationen nicht zu verkaufen, sondern zu vermitteln“, betont sie.

Zu ihren Kunden zählen die Bürger AG für nachhaltiges Wirtschaften und das Antagon Aktionstheater ebenso wie die Beratungsstelle für ältere Migranten und Migrantinnen vom Roten Kreuz. „Nachhaltigkeit hat für mich auch eine soziale Komponente, weil die Menschen zunehmend vereinsamen. Es geht nicht nur um Klimaschutz, sondern auch darum, füreinander da zu sein. Generations- und kulturübergreifend“, erklärt die 41-Jährige und führt aus: „Die Bevölkerung wünscht sich mehr gemeinschaftliche Orte.

Wir haben in Frankfurt 180 verschiedene Nationen. Es wäre schön, mehr öffentliche Räume anzubieten, an denen die Bevölkerung sich treffen und austauschen kann, ohne dafür zahlen zu müssen.“

Sie betont: „Ich habe viel Glück, weil die Dinge, die ich mache, mich interessieren“, sagt sie. „Auch wenn ich nicht reich bin, fühle ich mich sehr reich.“

In der letzten Folge stellen wir Bernhard Bub, Leiter des Aktionstheaters Antagon, vor.

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