Fast alle Bäume im Stadtwald sind schwer geschädigt.
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Fast alle Bäume im Stadtwald sind schwer geschädigt.

Umweltdezernat

Millionendefizit: Klimawandel kommt Stadt Frankfurt teuer zu stehen

Das Umweltdezernat in Frankfurt kommt mit einem deutlichen Minus aus dem Jahr 2020. Schuld ist auch der Klimawandel – aber nicht nur.

Frankfurt – Die Folgen des Klimawandels und die wachsende Einwohnerzahl Frankfurts - all das macht dem städtischen Umweltdezernat zu schaffen. Auch finanziell. Das Haushaltsjahr 2020 wird es voraussichtlich mit einem Defizit in Höhe von knapp 4,2 Millionen Euro abschließen. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Magistrats hervor. Darin heißt es, dass die Mittel zum Unterhalt und zur Pflege von Grün- und Freiflächen nicht zur Deckung des tatsächlichen Bedarfs ausreichten. "Die wesentlichen Gründe dafür liegen in den zusätzlichen finanziellen Belastungen, bedingt durch den Ausgleich von sich weiter verschärfenden Klimafolgen, gesteigerter Nutzungsintensität sowie Flächenzuwächse", schreibt der Magistrat.

Klimawandel in Frankfurt: Aufwand ist deutlich gestiegen

Die Folgen des Klimawandels sind vor allem im Frankfurter Stadtwald zu sehen, wo etliche Bäume wegen der Trockenheit in den vergangenen Jahren bereits abgestorben sind. Laut Waldzustandserhebung 2019 weisen 96,9 Prozent der Bäume in Folge der Trockenjahre 2018 und 2019 Beeinträchtigungen auf, mehr als 64 Prozent sind sogar mittel bis stark geschädigt. "Teils starben ganze Waldbestände in einer Größenordnung von 0,5 bis 5 Hektar ab", bilanziert der Magistrat.

Eine Folge davon: Der Aufwand für die Verkehrssicherung ist in den vergangenen Jahren um das Fünffache gestiegen. "Die städtischen Forstwirte sind mittlerweile das ganze Jahr über fast ausschließlich in der Verkehrssicherung, im Taunus zusätzlich in der Käferholzaufarbeitung tätig", heißt es in dem Bericht. "Aufgrund des hohen Schädigungsgrades von Randbäumen an öffentlichen Straßen und entlang der Bebauung reichten die Personalkapazitäten nicht, und Maßnahmen mussten an Firmen gegen Bezahlung vergeben werden." Für das Umweltdezernat bedeutet das einerseits höhere Kosten, andererseits geringere Erlöse. "In der Folge führt dies zu deutlichen Umsatzeinbußen", erklärt der Magistrat.

Defizit in Frankfurt auch durch neue Einwohner

Ein Teil des Defizits lasse sich aber auch durch das Bevölkerungswachstum erklären. Seit 2010 ist Frankfurt um rund 100 000 Bürger gewachsen, auf mittlerweile knapp 759 000 Einwohner. In den vergangenen Jahrzehnten entstanden deshalb zahlreiche neue Wohngebiete, Straßen, Schulen und Kitas, aber auch Grünanlagen und Spielplätze, die entsprechend gepflegt werden müssten.

Das spiegelt sich beispielsweise im Baumbestand wider, um den sich das Grünflächenamt kümmert: Seit 2012 ist er von gut 153.000 auf weit über 190 000 Bäume angewachsen. Und dessen Pflege ist offenbar nicht einfacher geworden, im Gegenteil. "Hatten Baumneupflanzungen bis vor einigen Jahren nach einer zweijährigen Anwachsphase noch Chancen, sich zu einem stattlichen und klimarelevanten Baum zu entwickeln, ist dies im Jahr 2020 unter den sich ständig verschärfenden Klimabedingungen selbst mit einer zehnjährigen Wässerung kaum noch zu gewährleisten", erklärt der Magistrat. Statistisch gesehen, habe ein Baum im Stadtgebiet bis vor einigen Jahren eine Lebenserwartung von durchschnittlich 60 Jahren gehabt. Inzwischen seien es nur noch 30 Jahre - nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch wegen schlechterer Standbedingungen, etwa durch Bodenverdichtung. "Diese dramatische Entwicklung bedarf eines Umdenkens bei den Prozessen der Baulandentwicklung", resümiert der Magistrat. Dabei sind die Aufwendungen für die Pflege der Bäume explodiert: 2010 investierte man hier knapp 1,83 Millionen Euro, im vergangenen Jahr waren es bereits 5,43 Millionen Euro. Dazu trugen auch die Zunahme von Baumkrankheiten und Sturmschäden bei.

Druck auf öffentliche Grünflächen in Frankfurt steigt

Zuwächse gibt es auch bei öffentlichen Grünflächen, die zwischen 2015 und 2019 um 64,5 Hektar gewachsen sind, auf insgesamt 1431 Hektar. Parallel dazu steige auch der Nutzungsdruck durch höhere Besucherzahlen. "Die Folgen sind steigender Verschleiß, Bedarf an zusätzlichen Reinigungsleistungen wie intensiverer Müllentsorgung und zunehmender Instandhaltungsbedarf", informiert der Magistrat. Durch Corona habe sich diese Entwicklung nochmals verstärkt.

Die Pandemie wirkte sich auch auf den Palmengarten aus, der während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 geschlossen bleiben musste. Dies habe zu einem Einnahmeverlust von rund 380.000 Euro geführt, rechnet der Magistrat vor. In den Folgemonaten blieben die Besucherzahlen deutlich niedriger als in den Vorjahren. Pro Monat fehlten deshalb rund 30 Prozent der Erträge aus Eintrittsgeldern, außerdem die Einnahmen aus den Monaten November und Dezember, als der Palmengarten wegen des zweiten Lockdowns ebenfalls schließen musste. (Brigitte Degelmann)

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