17,5 Millionen Euro hat allein die Sanierung der zwischen 1981 bis 1985 errichteten Fachwerkgebäude an der Ost- und Südseite des Römerbergs gekostet, die das Amt für Bau und Immobilien kürzlich abgeschlossen hat. Doch der städtische Immobilienbestand ist groß, der Sanierungsstau noch größer.
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17,5 Millionen Euro hat allein die Sanierung der zwischen 1981 bis 1985 errichteten Fachwerkgebäude an der Ost- und Südseite des Römerbergs gekostet, die das Amt für Bau und Immobilien kürzlich abgeschlossen hat. Doch der städtische Immobilienbestand ist groß, der Sanierungsstau noch größer.

Energiesanierung

Frankfurt will klimaneutral werden – Das kostet Milliarden

  • Julia Lorenz
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Frankfurt soll bis 2035 klimaneutral werden. Dieses Ziel zu erreichen könnte allerdings richtig teuer werden.

Frankfurt – Klimaneutralität, dieses Wort begegnet uns heutzutage an jeder Ecke. Zahlreiche Unternehmen und Produkte werben damit, klimaneutral zu sein. In den Regalen der Drogerien stehen klimaneutrale Shampoos, Duschgels und Windeln. Es gibt klimaneutrales Obst und Gemüse, Kleidung und Schuhe.

Nun soll auch Frankfurt klimaneutral werden - und zwar bis 2035. So hat es das neue Bündnis im Römer aus Grünen, SPD, FDP und Volt im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Um das zu erreichen, soll unter anderem die Sanierungsquote für städtische und private Gebäude auf vier Prozent pro Jahr erhöht werden.

Doch wie kann das funktionieren? Dazu hat jetzt CDU-Stadtrat Jan Schneider, noch zuständig für Bauen und Immobilien, einige Antworten geliefert. "Soll die energetische Sanierung der städtischen Gebäude bereits im Jahr 2035 abgeschlossen sein, müssen rund 223 Millionen Euro jährlich investiert und verbaut werden, was voraussichtlich nur mit 250 zusätzlichen Stellen und Personalkosten in Höhe von grob geschätzt 18,75 Millionen Euro pro Jahr zu bewerkstelligen wäre", teilte der Dezernent mit.

Frankfurt: Zusätzliche Personalkosten durch Klimawende

Mit dieser Aussage antwortet Schneider auf eine parlamentarische Anfrage von Ömer Zengin (CDU). Der Stadtverordnete wollte vom Magistrat wissen, wie hoch die Sanierungsquote derzeit ist, und welche zusätzlichen Kosten einschließlich der Kosten für zusätzliches Personal entstehen, wenn dies von der Ampel-Plus-Koalition umgesetzt werde.

Schneider wies in seiner Antwort darauf hin, dass die Gebäude im Eigentum der Stadt von verschiedenen Ämtern und Betrieben betreut werden. Derzeit bereite das Amt für Bau und Immobilien (ABI) die Ausschreibung für ein datengestütztes System vor, das den Bestand und die notwendigen Maßnahmen in allen städtischen Gebäuden erfasse. Erst dann könnten genaue Angaben zur Sanierungsquote gemacht werden.

Aber: "Bis zum Jahr 2019 konnten die absoluten Treibhausgas-Emissionen in den städtischen Liegenschaften gegenüber 1990 um 41 Prozent gesenkt werden", so Schneider. "Wenn sich dieser Trend fortsetzt, ist bis zum Jahr 2050 eine Reduktion um 57 Prozent zu erzielen." Damit wäre das Koalitionsziel nicht erreicht,

Klimawende: Hohe Personal- und Sanierungskosten in Frankfurt

Um CO2-Emissionen einzusparen, hat das ABI nach Angaben Schneiders im Jahr 2020 ein Konzept erarbeitet. Dieses legt allerdings das ursprüngliche Ziel zugrunde, die Treibhausgase bis 2050 um 95 Prozent zu reduzieren. Dafür gibt es drei Handlungsansätze. So wird vorgeschlagen, dass das Energiemanagement im Amt für Bau und Immobilien ausgebaut wird, und zwar um zehn Stellen. Kostenpunkt: gut 750 000 Euro im Jahr. Das Ziel: Auf diese Weise sollen die Energie- und Wasserkosten in Höhe von rund drei Millionen Euro eingespart werden.

Ein weiterer Ansatz wäre "alle grundsätzlich geeigneten Dächer Zug um Zug mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten und alle geeigneten Heizzentralen auf Kraft-Wärme-Kopplung umzustellen". Das würde pro Jahr rund drei Millionen Euro kosten. Vier zusätzliche Stellen mit einem Finanzbedarf von 300 000 Euro jährlich wären dafür nötig.

Und dann wäre da natürlich noch die energetische Sanierung des gesamten städtischen Gebäudebestandes. "In den Jahren 2015 bis 2020 wurden durchschnittlich 21 Millionen Euro pro Jahr in die Instandhaltung der städtischen Liegenschaften investiert", teilte Schneider mit.

Klimaschutz in Frankfurt: Kosten von 100 Millionen Euro im Jahr

Plane man die energetische Sanierung aller städtischen Immobilien, kalkuliere das ABI ergänzend die begleitend sinnvollen Instandsetzungen und Anpassungen an die aktuelle und zukünftige Gebäudenutzung. Dies führe auf Basis von Kennziffern des ABI bei derartigen Kernsanierungen in den nächsten 30 Jahren zu einem Finanzbedarf in Höhe von 3,125 Milliarden Euro, sprich: 105 Millionen Euro pro Jahr. Zur Umsetzung dieser Maßnahmen benötige das Bauamt rund 125 zusätzliche Stellen. Kostenfaktor: zehn Millionen Euro pro Jahr.

Kurzum: Will man bis 2050 den Sanierungsstau aufheben und 100 Prozent Klimaschutz erreichen, benötigt man 125 zusätzliche Stellen und 100 Millionen Euro im Jahr. Soll das Ganze schon bis 2035 vollbracht sein, müssen für 18,75 Millionen Euro im Jahr 250 neue Stellen geschaffen und 223 Millionen Euro jährlich verbaut werden. (Julia Lorenz)

Vor Kurzem verliehen Klima-Aktivisten in Frankfurt einen Negativ-Preis: Und zwar der Deutschen Bundesbank.

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