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Medizin

Kliniken verringern Defizit - Minus von 3,5 Millionen Euro im Jahr 2018

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Drei Jahre nach der Fusion sieht Geschäftsführer Martin Menger die Kliniken Frankfurt-Main-Taunus auf einem guten Weg – trotz nach wie vor roter Zahlen. Eine Zusammenlegung medizinischer Fachbereiche lehnt er ab.

Als vor gut sechs Jahren die ersten Gerüchte von einer Fusion des Höchster Krankenhauses mit den Main-Taunus-Kliniken die Runde machten, waren die Befürchtungen groß: Weil viele medizinische Abteilungen hier wie dort existierten, könnten Doppelstrukturen abgebaut werden, so die Sorge. Die medizinische Versorgung könnte schlechter, die Wege für die Patienten könnten länger werden. Die Politik wiegelte ab, es würden keine medizinischen Abteilungen geschlossen – und hat seither Wort gehalten. Das soll auch so bleiben, versicherte Geschäftsführer Martin Menger gestern bei der Bilanzpressekonferenz der Kliniken Frankfurt-Main-Taunus: „Die Politik möchte das nicht, und ich sehe dafür auch keine Notwendigkeit.“ Letztlich wüsste niemand, ob die Patienten einen solchen Schritt mitgehen würden, so Menger: „Wenn Sie leistungsfähige Abteilungen haben, warum sollten Sie diese schließen?“ Anders verhalte es sich, wenn einer der Standorte die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmengen, etwa beim Hüftgelenkersatz, nicht mehr erfüllen könne. Aber dies sei aktuell nicht der Fall.

Trotzdem sollen die Kliniken künftig medizinisch enger zusammenarbeiten. Ärzte sollen Patienten selbstverständlicher von einem Standort zum anderen vermitteln, je nachdem, wo ihnen am besten geholfen werden kann.

Chefärzte an einem Tisch

Zwei Mal hat der Konzern zwischenzeitlich die Chefärzte aller drei Häuser an einen Tisch geholt, zum Oktober 2018 mussten die Mediziner gemeinsam mit den Partnern am jeweils anderen Standort Zukunftskonzepte für ihre Fachbereiche erarbeiten und vorlegen. „Es ist selbstredend, dass sich nicht alle um den Hals gefallen sind“, macht Menger klar, dass es „nicht ganz einfach“ ist, „Ärzte auf Augenhöhe zusammenzubringen“.

Erfolgreich arbeiten die Kliniken laut ihrem Geschäftsführer bereits in der Schlaganfallversorgung, in der Palliativmedizin und im Kopf-Neuro-Zentrum zusammen.

„Wir schaffen das“

Früchte tragen aktuell aber vor allem die Kooperationen in Verwaltung und IT, im Einkauf, bei Küche und Reinigung. Das hilft, die ambitionierten Sparziele zu erreichen, denn in zwei Jahren soll der Klinikverbund schwarze Zahlen schreiben. Davon ist er mit 3,5 Millionen Euro Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr (2017: 6 Millionen Euro Defizit) noch weit entfernt, aber, so Menger: „Der Trend stimmt. Wir schaffen das.“

Eine Herausforderung für den Standort Höchst wird es im laufenden Geschäftsjahr sein, zusätzliche Personalkosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro zu kompensieren. Diese entstehen, weil das Klinikum von diesem Jahr an die Kosten für die Zusatzversorgung – eine Art Rentenkasse – seiner Mitarbeiter selbst tragen muss. Bislang war die Stadt dafür aufgekommen.

Kommentar von Stefanie Liedtke

Medizinisch bleibt noch viel zu tun

Keine Frage: Die Kliniken Frankfurt-Main-Taunus sind in den vergangenen drei Jahren enger zusammengewachsen. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Die Zusammenarbeit in der Verwaltung, beim Einkauf, der Essensversorgung und der Logistik spart bares Geld. Viel zu tun bleibt indes bei der medizinischen Kooperation. Hier stehen die Häuser noch ganz am Anfang. Erst im Oktober vergangenen Jahres haben die Chefärzte ihre Konzepte vorlegen müssen, wie sie ihren Fachbereich zukunftsfähig aufstellen wollen. Warum erst so spät?

Weil die Widerstände seitens der Mediziner groß waren – Geschäftsführer Martin Menger hat das bei der gestrigen Pressekonferenz durchblicken lassen. Offenbar musste erst jemand von außen (Menger) kommen, um dies voranzutreiben.

Eine engere medizinische Zusammenarbeit aber ist lange überfällig, bietet sie doch die Chance einer Spezialisierung innerhalb der einzelnen Fachgebiete. In Zeiten eines rapiden medizinischen Fortschritts ist das ein echtes Pfund, mit dem die Kliniken Frankfurt-Main-Taunus wuchern können. Davon profitieren ganz unmittelbar die Patienten, die eine exzellente wohnortnahe Versorgung erhalten. Davon profitiert aber auch der Klinikverbund. Denn nur so wird er die Fallzahlsteigerungen erreichen, die er benötigt, um zukünftig und dauerhaft wirtschaftlich arbeiten zu können.

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