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Noch ist für die Teilnehmer am Baustellenrundgang die Höhe des Gebäudes nicht zu erkennen.

Krankenhausbau

Klinikneubau Höchst: Das müssen Sie zum neuen Krankenhaus wissen

Der Rohbau des neuen Klinikums Höchst wächst in die Höhe. Erstmals gab es jetzt einen Baustellenrundgang mit Gesundheitsdezernent Stefan Majer und Mitgliedern des Ortsbeirats auf dem Areal. Und dabei auch positive Nachrichten: Der Neubau liegt sogar knapp vor dem Zeitplan. Wir haben aus diesem Anlass 15 Fakten über die neue städtische Klinik zusammengestellt.

Im Frühsommer 2019 soll die Klinik in das neue Gebäude umziehen. Und dem steht bisher nichts im Weg. Der Rohbau, dessen Errichtung im vergangenen Oktober begann, ist derzeit zu etwas mehr als 40 Prozent fertig. Dank des warmen und trockenen Winters liegt die Baustelle leicht vor dem Plan. „Jede Woche Gewinn hilft uns später unheimlich“, sagt Karsten Valentin, Geschäftsführer der Zentralen Errichtungsgesellschaft (ZEG) für das Klinikum bei einem Baustellenrundgang. Richtfest soll noch in diesem Jahr sein. Parallel beginnt das Anbringen der Fassaden. Auch die ersten Fenster sind bereits eingebaut.

Viel Zeit nimmt der Innenausbau in Anspruch, wenn das Gebäude im kommenden Frühjahr dicht ist. „Innen ist unheimlich viel zu tun“, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Sowohl das zweite als auch das sechste Obergeschoss sind dabei vornehmlich für Technik reserviert. Und es ist ein Krankenhaus: Die Geräte müssen alle getestet werden. Und allein für die Hygiene dauert es zwei bis drei Monate, die Staubpartikel der Baustelle aus dem Gebäude zu blasen. „Der Rohbau sind nur 50 Prozent der Kosten“, sagt Valentin.

Auf insgesamt 286 Millionen Euro summieren sich mittlerweile die Kosten für den Klinik-Neubau, von denen das Land 54,7 Millionen Euro trägt. Der Rest bleibt an der Stadtkasse hängen. Die jüngste Steigerung von fast 50 Millionen Euro war erst zu Beginn dieses Jahres verkündet und im Februar von den Stadtverordneten abgesegnet worden. Das liegt unter anderem daran, dass später angefangen wurde, als ursprünglich geplant.

Weitere Kostensteigerungen soll es aber vorerst nicht geben. Schließlich hat sich die Stadt mit dem Generalunternehmer, der Arbeitsgemeinschaft aus BAM und Max Bögl, auf einen Festpreis geeinigt. „Das ist unser Risiko“, bestätigt deren stellvertretender Gesamtprojektleiter Thorsten Mall. Lediglich unvorhersehbare Dinge wie ein extremer Winter können da eine Ausnahme machen. Allerdings könnten noch Kosten für den Abriss des heutigen Bettenhochhauses dazukommen. Außerdem sind zwei weitere Bauabschnitte vorgesehen.

Kein Risiko mehr ist das Grundwasser, von dem nur eine gewisse Menge weggepumpt werden darf. Am daneben liegenden Wirtschaftshof, wo gerade die Grundplatte gegossen wird, muss zwar immer noch entwässert werden, weil im Grundwasser gebaut wird, aber Valentin ist trotzdem zufrieden. „Durch dieses Baurisiko sind wir durchgekommen.“ Zudem sollen spätere Nachrüstungen vergleichsweise günstig sein. Dafür sind etwa die Decken höher als nötig, um mögliche neue Technik einbauen zu können.

Ein wenig freuen dürfen sich so langsam schon die Anwohner: „Das Schlimmste der Belastung ist vorbei“, verspricht Valentin. Allein 4000 Betonmischer sind schon durch Höchst und Unterliederbach gefahren, meist über die Windthorststraße zur Baustelle und über die Gotenstraße wieder weg. „Das war eine logistische Herausforderung“, erklärt Michael Richter, Gesamtprojektleiter der Arbeitsgemeinschaft.

Gearbeitet wird auf der Baustelle von 7 bis 20 Uhr, samstags bis 14 Uhr. Diese Zeit sei nur einmal überschritten worden, erklärt Valentin. Dabei sei es um eine Stelle gegangen, an der durchgehend betoniert werden musste. Wegen Staus aber habe die Betonanlieferung aus Flörsheim gehakt, so dass es länger dauerte, sagt Richter.

In der Spitze waren 140 Arbeiter gleichzeitig auf der Baustelle. Derzeit sind es rund 100, die nur durch einen kontrollierten Zugang mit Drehkreuz ins Gebäude kommen. Die Ausführung übernehmen für die Arbeitsgemeinschaft insgesamt rund 160 Subunternehmer.

Verbaut werden riesige Mengen an Material. Zu 55 000 Kubikmetern Beton kommen 9000 Tonnen Stahl. Das gesamte Gebäude wiegt dann mehr als das Kreuzfahrtschiff „Queen Mary 2“. Die ist mit 346 Meter allerdings bedeutend länger. Das neue Klinikum ist 143 Meter lang und im Mittel rund 100 Meter breit. Die Bruttogeschossfläche beträgt 79 000 Quadratmeter.

Trotz der Größe soll es ein Krankenhaus der kurzen Wege werden. Für Besucher und Patienten, die selbst laufen können, orientiert sich alles an einer Hauptmagistralen, die quer durch das Gebäude führt. „Man könnte denken, dass man weit laufen muss. Aber es ist immer nur ein Weg“, sagt Valentin. Einen Entwurf für die Beschilderung gebe es schon.

Eingebaut werden 20 Aufzüge, deren Schächte schon zu erkennen sind. Die acht Personenaufzüge gehen dabei von der Hauptmagistralen ab. Dazu kommen zwölf Bettenaufzüge, von denen vier im Brandfall auch von der Feuerwehr genutzt werden können.

Mit den Aufzügen kommt man in fünf Obergeschosse. Während im Erdgeschoss die Patienten ankommen, sind im ersten Stock unter anderem zehn Operationssäle, ein Hybrid-OP und die Intensivstation vorgesehen. Im zweiten Geschoss sind Technik und Labore zu finden, in den drei Stockwerken darüber die 670 Betten.

Das Krankenhaus ist das erste überhaupt, das im Passivhaus-Standard errichtet wird. Dafür muss es ringsum isoliert werden. Mit seinem gesamten Gewicht steht es auf einer ein Meter dicken Styrodurplatte, um auch nach unten zu isolieren.

Wie viel Wärmedämmung das Gebäude haben wird, zeigt sich am Hubschrauber-Landeplatz. Dessen Beheizung mit warmem Wasser braucht ähnlich viel Energie wie die Gebäudeheizung. Mit dem Landeplatz auf dem Dach wird eine EU-Vorgabe erfüllt. Zudem wird die Klinik für Anflüge attraktiver. Bisher mussten die Patienten vom Hubschrauber immer erst in einen Rettungswagen umgelagert werden, ehe sie in die Klinik gebracht werden konnten. Aber auch auf die Baustelle haben die Hubschrauber Einfluss: Ein bis zwei Mal pro Woche fliegen sie über diese an. Dann müssen die derzeit sieben Kräne ihre Arbeit einstellen.

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