Drei solcher Holzelemente braucht es für eine Wohnung. Gestern wurden auf dem Haus an der Breslauer Straße/Ecke Mörfelder Landstraße die ersten Module montiert.
+
Drei solcher Holzelemente braucht es für eine Wohnung. Gestern wurden auf dem Haus an der Breslauer Straße/Ecke Mörfelder Landstraße die ersten Module montiert.

Sachsenhausen: Wohnraum schaffen

Klotz für Klotz zur neuen Wohnung

  • vonKatja Sturm
    schließen

Die Aufstockung der Fritz-Kissel-Siedlung mit Holzmodulen hat begonnen.

Es erinnert ein wenig an das Einräumen eines einfachen, aber überdimensionierten Baukastens, was da auf dem Dach des Hauses Breslauer Straße/Ecke Mörfelder Landstraße passiert. Ein riesiges rechteckiges Paket, das ein Laster gerade gebracht hat - nicht ohne beim Einbiegen fast ein Verkehrsschild mitzunehmen -, hievt ein Kran in die Höhe und passt es an die Kanten eines dort schon stehenden an. Drei solcher Elemente, deren Länge von zehn Metern genau der Tiefe des Gebäudes entspricht, und die je 2,5 Meter breit sind, ergeben eine Wohnung, 16 braucht es, um die gesamte Oberfläche des Blocks abzudecken.

Die Aufstockung von insgesamt 14 Gebäuden der Fritz-Kissel-Siedlung hat begonnen. 82 neue Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen sollen so unter der Regie der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätten/Wohnstadt (NHW) entstehen. Während die Flachbauten in der Breslauer Straße von vier auf fünf Geschosse wachsen, schießen die am Ziegelhüttenweg gleich um zwei Etagen auf acht Stockwerke nach oben.

Bezug ab dem ersten Quartal 2021

In sechs bis acht Monaten soll das Vorhaben erledigt sein. Die ersten Mieter könnten bereits im ersten Quartal 2021 einziehen, die "bezahlbaren Wohnungen", darunter 30 Prozent geförderte, würden "sukzessive" belegt, sagt Karin Hendriks, Leiterin des NHW-Bereichs Modernisierung/Großinstandhaltung. Zum Abschluss der Arbeiten, die insgesamt etwa 32 Millionen Euro kosten sollen, stehen der Bau eines Parkhauses mit 52 Plätzen und drei Ladestationen für E-Mobile sowie die Gestaltung des Außenbereichs an.

Zum ersten Mal schafft die NHW neuen Wohnraum, insgesamt 5000 Quadratmeter, und nutzt dazu eine laut eigenen Angaben energie- und zeitsparende Holzbauweise mit vorgefertigten Modulen. Diese blieben autonom, sagt Christian Czerny vom beauftragten Unternehmen LiWooD. Das heißt, dass die Versorgungs- und Abflussleitungen nicht mit dem System des bereits bestehenden Gebäudes verbunden werden, sondern an der Fassade entlang eigene Rohre verlegt werden. Das entlaste die Bewohner der unteren Etagen.

Die Module werden nicht am Münchner Hauptsitz von LiWooD, sondern in Egelsbach vorgefertigt, um lange Transportwege zu vermeiden. Bodenbelag, Fenster, komplette Bäder und Dämmung sind bereits eingebaut, wenn die Elemente in Frankfurt angeliefert werden. Vier bis fünf solcher Teile, und damit etwa 100 Quadratmeter, könne man an einem Tag installieren, so Czerny. Damit wäre ein Haus innerhalb einer Woche fertig. Doch zu Beginn schreite man etwas langsamer voran, betont Projektleiter Sven Schubert. Es seien noch einige Anfangsschwierigkeiten zu lösen.

Mietern entstehen keine Heizkosten

Bei der Planung habe man sich an den eigenen Vorgaben für einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 orientiert und den höchsten Energiestandard angestrebt, sagt NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer. So ziehen sich die eingebauten Wärmepumpen die Energie aus der Luft und geben sie auch dorthin wieder ab. Die Stromversorgung übernimmt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Laut Czerny entstehen für die Verbraucher keine laufenden Kosten für die Heizung, und diese stoße kein Kohlendioxid aus. Ein Kreislauf der Zukunft, könnte man sagen.

Durch eine Machbarkeitsstudie wurde zuvor ermittelt, ob die Statik der 1954 gebauten und zuletzt vor 20 Jahren modernisierten Gebäude die zusätzliche Belastung aushält, sagt Schubert. An einigen Stellen seien dann die Fundamente verstärkt worden. Bei der Ausarbeitung der Maßnahme, für die man keine weiteren Flächen versiegeln müsse, wurde eng mit dem Amt für Denkmalschutz kooperiert, in dessen Verantwortungsbereich die Häuser fallen.

Bei LiWooD hat man bereits mehr als 1000 Holzmodule nachhaltig verbaut, vor allem für Wohnungen. Bei der NHW kann man sich weitere Verdichtung auf diese "effiziente Weise" als Teil der eigenen Klimastrategie gut vorstellen. Katja Sturm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare