Brot wird teurer, weil der Weizenpreis steigt.
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Brot wird teurer, weil der Weizenpreis steigt – auch in Frankfurt.

Knappe Rohstoffe

Preise in Frankfurt steigen: Nicht nur Brot und Fleisch werden teurer

  • Thomas J. Schmidt
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Brot und Fleisch werden teurer, Bauen sowieso und selbst in der Industrie drohen Engpässe – auch in Frankfurt.

Frankfurt – Rohstoffe fehlen auf dem Bau und im produzierenden Gewerbe. Doch auch Nahrungsmittel werden teurer. Der Preis für Getreide steigt auf dem Weltmarkt. "Bei Mehl und anderen Getreideprodukten ist davon auszugehen, das es in der zweiten Jahreshälfte, spätestens im vierten Quartal, zu Preiserhöhungen kommen wird", sagt Karl-Friedrich Brenner, Sprecher der Hildebrandsmühle im Ostend von Frankfurt.

Richard Kling, Obermeister der Bäckerinnung, berichtet: "Die Mühle hat vor einem halben Jahr erst die Preise erhöht. Was jetzt auf uns zukommt, weiß ich noch nicht." Komisch sei es schon: "Wir hatten einen sehr nassen Mai, und darüber freuen sich die Bauern. Die Ernte dürfte gut werden." Für Brot und Brötchen sei der Mehlpreis wichtig in der Kalkulation, allerdings nur ein geringer Anteil der Kosten: "Viel gravierender ist der Strompreis."

Preise in Frankfurt steigen: Regionale Landwirte vom Weltpreis beeinflusst

Dennoch, auch der Getreidepreis steigt. So beim Weizen, gehandelt an der Pariser Börse. Dort betrug der Preis zuletzt 210 Euro je Tonne, rund ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Zwischendurch lag der Preis sogar bei 260 Euro. So teuer war Weizen seit rund acht Jahren nicht mehr", sagt Brenner.

Dabei sei es nicht so, dass die Mühle weltweit Getreide einkaufe. Vielmehr liefern die regionalen Landwirte - aber zu Preisen, die eben auch vom Weltmarkt beeinflusst werden. Und da spielt neben Corona auch das Wetter hinein. Kühles Wetter auf der Nordhalbkugel, Trockenheit in Teilen der USA, Kanadas, Südamerikas und eine wieder sehr starke Nachfrage aus China sind Brenner zufolge die Preistreiber beim Weizen. Dabei beeinflussen sich die Preise für Weizen, Mais und Soja gegenseitig.

Fleisch-Preise in Frankfurt steigen nicht erst seit Corona

Und so ist nahezu das gesamte Spektrum der Agraproduktion betroffen, auch Ölsaaten und anderes, was als Futtermittel zum Einsatz kommt. Thomas Reichert, Inhaber von Haxen Reichert in Höchst und Obermeister der Fleischerinnung, berichtet: Die Fleischpreise steigen, aber nicht erst seit Corona. In den vergangenen zwei Jahren sind die Erzeugerpreise bei den Bauern - der Sockelpreis - um 30 Prozent gestiegen, was am Futter liegt. Dessen Preis steigt auf dem Weltmarkt, weil Fleischessen ein Wohlstandsfaktor ist.

Gerade in Indien und China mit seinen vielen Einwohnern steigt der Bedarf. Deutschland exportiert Schweine, Indien und China kaufen auf dem Weltmarkt Futter für die Tiere ein und so steigen die Preise. Beim Verbraucher in Deutschland ist das bislang noch nicht so stark angekommen. Doch die Preise steigen weiter. Besonders beim Schweinefleisch, weil es mehrmals im Jahr Ferkel gibt und geschlachtet wird. Da machen sich Preissteigerungen beim Futter unmittelbar bemerkbar. Dagegen ist die Produktion von Rindfleisch längerfristig, dauert mehrere Jahre, da mitteln sich kurzfristige Preisänderungen beim Futter eher heraus.

Auch die Corona-Pandemie wirkt sich auf Preise in Frankfurt aus

Rohstoffknappheit führt auch in der pharmazeutischen Industrie zu erheblichen Sorgen. "Den Verlauf der Corona-Pandemie in Indien und mögliche Auswirkungen auf die Versorgung mit Pharmavorprodukten und Wirkstoffen verfolgen wir derzeit aufmerksam", sagt Dr. Matthias Braun, bei Sanofi Geschäftsführer Pharmazeutische Produktion und Fertigung. Grundsätzlich sei zwischen einem pandemiebedingten Rohstoffmangel und einem Rohstoffmangel aufgrund anderweitiger Faktoren zu unterscheiden. Unterbrechungen der Asiatischen Lieferketten im Jahr 2020 konnten über Lagerhaltung aufgefangen werden, so dass diese keine Auswirkungen auf Patienten haben.

Hingegen können Glasflaschen und Zusatzmaterialien knapp werden, denn die Lieferkapazität war nicht ausgelegt auf die inzwischen stark hochgefahrene Impfstoffabfüllung. "Unabhängig von der Pandemie", so Braun, "laufen viele Chemiebetriebe schon seit dem vierten Quartal 2020 mit sehr guter Auslastung, mit der Folge eines nachfragebedingten Anstiegs der Rohstoffpreise. Erdölvorprodukte (Lösemittel) sind zum Teil auch aus anderen Gründen knapp, wie etwa wegen des jüngsten Kälteeinbruchs in Texas."

Bauen in Frankfurt wird teurer und dauert länger

Unterdessen stimmt die Immobilienwirtschaft Bauherren auf höhere Kosten und längere Bauzeiten ein. Angesichts "rasant steigender Preise" für Baumaterialien wie Holz, Stahl und Dämmmaterial um teils mehr als 50 Prozent sowie Lieferengpässen im zweiten Quartal könne es zu Bauverzögerungen und Kostensteigerungen kommen.

Dies teilte der Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland mit. Geschäftsführer Gerald Lipka zufolge halte der Boom an, Privatleute und mittelständische Wohnungsunternehmen investierten dennoch weiter. Hinzu komme aber noch ein ganz anderer, limitierender Faktor: die Bearbeitungszeit der Bauanträge: "Die privaten Unternehmen könnten noch deutlich mehr bauen, wenn die Kommunen die dafür nötigen Grundstücke entwickeln würden, die Behörden Bauanträge schneller genehmigten und die Länder die nötigen rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen würden", so Lipka. (Thomas J. Schmitt)

Die Entsorgung von Erdreich könnte in Frankfurt noch kostenintensiver werden, obwohl Wohnen und Bauen dort bereits jetzt teuer ist. 

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