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Zeit für einen Tapetenwechsel: Marco Koch (links), hier mit Bundestrainer Henning Lambertz

Schwimmen

Koch trainiert in der Otto-Fleck-Schneise für Olympia und startet künftig auch für Frankfurt

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Schwimm-Star Marco Koch sucht mit einem Wechsel von Darmstadt nach Frankfurt, gemeinsam mit seiner Freundin Reva Foos, den Weg aus der Talsohle – mit Blick auf 2020.

Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio hat Schwimmer Marco Koch sich neu orientiert. Der Weltmeister über 200 Meter Brust von 2015 wird in Zukunft nicht nur am Stützpunkt des Hessischen Schwimm-Verbandes (HSV) in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise Kacheln zählen, sondern zum 15. September auch sein Startrecht wechseln. Gemeinsam mit Freundin Reva Foos, die bei den Europameisterschaften im August in Glasgow unter anderem Gold mit der 4x200-Meter-Freistil-Mixedstaffel gewann, hat der 28-Jährige bei der SG Frankfurt angeheuert.

„Die beiden sind vergangene Woche auf mich zugekommen“, bestätigt SG-Sportdirektor Michael Ulmer, „und haben mich gebeten, sie in den Verein aufzunehmen“. Natürlich seien ihm die prominenten Neuzugänge, die auch die Bundesligamannschaft unterstützen können, sehr willkommen. Doch er habe nach Abschluss der Gespräche gleich mit deren früherem Trainer Alexander Kreisel geredet, um das gute Verhältnis zu dem Kollegen des DSW Darmstadt nicht zu trüben. „Natürlich schmerzt so ein Abschied“, weiß Ulmer. Aber er sei keineswegs auf Verärgerung gestoßen.

Seit 2001 war Koch für die Südhessen ins Wasser gegangen und hatte zahlreiche internationale Erfolge mit nach Hause gebracht. Doch zuletzt kriselte es bei dem Kurzbahn-Weltrekordhalter. 2017 war der Titelverteidiger lediglich per Wildcard mit zu den Weltmeisterschaften nach Budapest gekommen und hatte dort das Finale verpasst. In diesem Jahr schwamm er an der Norm für die European Games in Schottland vorbei und musste daheim bleiben. Danach ging der enttäuschte Athlet erst einmal auf Tauchstation, um für sich zu entscheiden, wie es weitergehen sollte. An ein Karriereende habe er allerdings nicht gedacht. „Ich hatte nie das Gefühl, mein Leistungsvermögen schon ausgeschöpft zu haben“, erklärt Koch.

Bereits vor den deutschen Meisterschaften Mitte Juli in Berlin hatte der Sportler ein paar Wochen lang seinen Trainingsschwerpunkt nach Frankfurt verlagert. Bundestrainer Henning Lambertz schrieb ihm für die Vorbereitung auf die Titelkämpfe die Trainingspläne, Landestrainerin Shila Sheth betreute den hessischen Vorschwimmer am Beckenrand. Das Resultat war, dass es wieder etwas besser lief, auch wenn Koch das Ticket nach Schottland nicht mehr lösen konnte. Dennoch wusste ihn die Zusammenarbeit davon zu überzeugen, auf dem richtigen Weg zu sein.

Entsprechend sprach er sich schließlich für einen Verbleib im eigenen Land, aber auch für einen Wechsel des Trainingsorts aus. „Ich fühle mich in Hessen super betreut“, sagt der bodenständige Sportler, für dessen Trainingsplanung Lambertz weiter verantwortlich bleibt. Die Umsetzung übernimmt Sheth, bei der Koch schon seit fast zehn Jahren in Trainingslagern des HSV Erfahrungen sammeln konnte.

In seinem alten Verein hätte das Vorbild dennoch bleiben können. Doch wollte Koch eigenen Angaben nach „einen Spagat“ vermeiden und die Veränderung seiner Trainingssituation „komplett“ machen. „Ich habe mich in Darmstadt lange sehr wohl gefühlt“, sagt er nach mehr als 15 Jahren beim DSW. Aber der „Tapetenwechsel“ habe ihm schon vor den deutschen Meisterschaften gut getan; zudem genieße er in Frankfurt fast eine „1:1-Betreuung“.

Foos hatte die gleiche Entscheidung laut ihrem Lebensgefährten unabhängig von ihm getroffen. Beide werden allerdings in Darmstadt wohnen bleiben. „Innerhalb Frankfurts braucht man manchmal genauso lange, wie wenn man von außerhalb kommt“, erklärt der Athlet.

In den nächsten Wochen ist er sowieso nicht allzu sehr auf eine 50-Meter-Bahn angewiesen. Nachdem bei Analysen festgestellt wurde, dass es dem Topschwimmer im mittleren Belastungsbereich aktuell an Leistungsvermögen mangelt, setzen der Sportler und sein jeden Tag miteinander kommunizierendes neues Trainerteam jetzt erst mal auf die Verbesserung der Grundlagenausdauer. Dafür werden verschiedenste Reize gesetzt, steigt Koch schon mal ins Kanu, aufs Fahrrad oder in den Boxring.

Erst Ende des Monats beim HSV-Trainingslager auf Fuerteventura soll sich sein Alltag wieder normalisieren. Dann werden die nächsten Ziele in den Blick gefasst. Doch Landestrainerin Sheth betont, dass alles dem Großereignis in zwei Jahren untergeordnet werde, „alles andere ist nur Zwischenstation“. Denn wenn die Karriere Kochs wieder in den richtigen Bahnen verliefe, „reden wir von einer olympischen Medaille“.

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