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König, Bauer, Turm und Frühling

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Klaus Kugler ist hier seit 32 Jahren nicht nur als Gärtner, sondern auch als Pflanzendoktor unterwegs. Montags, mittwochs und freitags zwischen 10 und 12 Uhr beantwortet er kostenfrei auch Fragen zu heimischen Pflanzen.
Klaus Kugler ist hier seit 32 Jahren nicht nur als Gärtner, sondern auch als Pflanzendoktor unterwegs. Montags, mittwochs und freitags zwischen 10 und 12 Uhr beantwortet er kostenfrei auch Fragen zu heimischen Pflanzen. rainer rüffer © rüffer

Bethmannpark ist jetzt besonders schön - Gärtnermeister hat alles vorbereitet

Vor 240 Jahren hat der Banker Johann Philipp Bethmann die Grünfläche gekauft, die zum idyllischen Bethmannpark mitten in der Stadt wurde: Seit 1941 ist sie im Besitz der Stadt und steht seit 45 Jahren unter Denkmalschutz: ein Paradies für Pflanzen, Menschen und Tiere. Mit Pflanzendoktor und riesigem Schachspiel.

Wie frisch geschlagene Himbeersahne leuchten Zierkirschenblüten zwischen sonnengelben Forsythien, blutroten Kamelien, lila Azaleen und weißen Felsbirnenblüten. Eichhörnchen rasen wie Speedy Gonzales auf den Wegen zwischen Beeten und Bäumen. Nilgänse führen ihre Küken zwischen Osterglocken, Tulpen, Kaiserkronen und Traubenhyazinthen spazieren, während Mäusebussarde kreischend ihre Kreise hoch im Himmel ziehen. Klaus Kugler (58) blinzelt zufrieden in die Sonne. „Für Ostern stellen wir wie jedes Jahr Tische, Stühle, das Schachspiel und einige Pflanzen raus“, sagt der Mann, der hier seit 32 Jahren nicht nur als Gärtner, sondern auch als Pflanzendoktor arbeitet. „Oleander können Temperaturen bis minus fünf Grad vertragen. Anderen Pflanzen ist das zu kalt.“

Garten-Tipps vom Profi

Noch sieht das ehemalige Kamelienhaus der Familie Bethmann, das 1925 als Orangerie mit Gewächshäusern erweitert wurde, im Zweiten Weltkrieg zerstört und später wieder aufgebaut und zwischen 2018 und 2020 ohne die angrenzenden Gewächshäuser runderneuert wurde, aus wie ein Urwald. Yuccas und Palmen dürfen bald raus und sich zu den Besuchern gesellen, die auf Bänken das Blütenmeer genießen. „Die mögen Sonne“, weiß Kugler, der nicht nur jedes einzelne Pflänzchen im Bethmannpark kennt, sondern auch montags, mittwochs und freitags zwischen 10 und 12 Uhr kostenfrei Pflanzenfragen beantwortet. Er lacht. „Das gibt es nur hier und die Leute wollen viel wissen. Wann sie welche Pflanze rausstellen können, warum Blätter braune Flecken haben, oder warum Gewächse schwächeln.“ Meistens seien es Gießfehler“, sagt er und erzählt von einer Frau, deren Kaktus verdurstet ist, weil sie dachte, dass Kakteen überhaupt kein Wasser brauchen. „Das ist natürlich Quatsch. Auch Kakteen brauchen Wasser, wenn auch nur ein bis zweimal im Monat.“

Elefantenfuß wurde zu groß

Eine andere Frau hat dem Bethmannpark ein Geschenk gemacht. „Ihr Elefantenfuß ist ihr zu groß geworden. Ich habe ihr einen Ableger gemacht und sie hat zu Hause jetzt einen kleinen. Den Großen besucht sie bei uns regelmäßig“, erzählt Kugler. Ernst wird er, wenn er Leute beobachtet, die mit E-Scootern durch den Park rasen, durch die Beete trampeln oder Pflanzen klauen. „Da bin ich knallhart und es gibt sofort einen Platzverweis. Man kann mit mir über alles reden, aber Rücksichtslosigkeit geht gar nicht“.

Das, was er und seine beiden Kollegen liebevoll hegen, pflegen und pflanzen, sei für alle. „Zum gucken, genießen und erholen. Wenn Leute einfach Pfingstrosen oder andere Pflanzen abbrechen, um sie in ihre Vase zu stopfen, ist das erstens unfair den anderen gegenüber und zweitens schädlich für die Pflanzen.“ Auch Hobbyfotografen würden oft in Beete gehen und für ein Foto Pflanzen zertrampeln. „Das geht nicht“, sagt er. Spaß hat er mit Stammgästen, die vom ersten Sonnenstrahl im Jahr an die großen Schachfiguren und Stühle nutzen wollen.

„Sie wissen genau, dass jedes Jahr der Gründonnerstag der Tag ist, an dem alles rauskommt. Das hat Tradition. Wir lachen dann viel zusammen, während die Leute versuchen, schon früher an die Figuren zu kommen.“ Sie müssen sich gedulden und bis dahin die anderen Schönheiten des 3,1 Hektar großen Parks genießen. Wie den chinesischen Wasserpavillon im Garten des himmlischen Friedens. Voller Bambus, Magnolien und einem großen Teich mit Wasserfall, in dem dicke Fische, Teichhühner und Enten seit 1989 schwimmen.

Im Juni 2017 wurde der Wasserpavillon durch Brandstiftung fast komplett zerstört, zwei Jahre später ist er von chinesischen Handwerkern und Künstlern wieder originalgetreu aufgebaut worden. Über Brücke und Stege gelangt man an den friedlichen Ort.

Lilien in allen Farben

Auch hier kümmern sich Kugler, dessen persönliche Lieblingsblumen Lilien in allen Farben sind, und sein Team um die Gartengestaltung. Der Pflanzendoktor liebt „seinen“ Park. „Einen schöneren Arbeitsplatz als den Park hier mitten in der Stadt gibt es nicht.“

SABINE SCHRAMEK

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