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Kassel Airport fordert Frankfurt heraus - Mann kauft Ticket, um nach Koffer zu suchen

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Von: Niklas Hecht, Nadja Austel, Sarah Neumeyer, Sebastian Richter, Ares Abasi, Lucas Maier, Alexander Gottschalk

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Der Sommer 2022 wird am Flughafen Frankfurt zum Chaos-Sommer. Die Kofferberge wachsen. Der Airport in Kassel sieht seine Chance gekommen. Der News-Ticker.

+++ Dieser Ticker ist beendet. Den neuen Ticker zur Situation m Flughafen Frankfurt finden Sie hier. +++

+++ 13.15 Uhr: Der Sommer in Europa nimmt immer mehr an Fahrt auf. Damit spitzt sich an mancher Stelle auch das Flughafen-Chaos zu. Wie groß die Verzweiflung im Zuge des Urlaubs-Chaos ist, zeigt ein skurriles Vorgehen. Ein Mann kaufte in Dublin ein Flugticket, um bei den Gepäckbändern nach seinem Koffer zu suchen.

Flughafen-Chaos in Europa: In Dublin greift an Mann zu drastischen Mitteln.
Flughafen-Chaos in Europa: In Dublin greift an Mann zu drastischen Mitteln. (Archivbild) © Niall Carson/dpa

Update vom Mittwoch, 13. Juli, 09.45 Uhr: „Sommer = Flughafen-Chaos?“, fragt der Kassel Airport in einem Facebook-Post, „nicht mit uns.“ Mit diesem Slogan wirbt der nordhessische Flughafen in den sozialen Medien seit kurzem gezielt um Kunden des Flughafens Frankfurt. Neben kurzen Wegen und kostenlosen Parkplätzen gebe es in Kassel vor allem einen entspannten Check-in. Davon könnten „andere Flughafen nämlich nur träumen“, heißt es in der Werbung.

Bestätigung bekommt der Kassel Airport in den Kommentaren unter dem Facebook-Post. „Stimmt, total entspannt“, erklärt eine Nutzerin zufrieden. Eine andere Userin hebt die Vorzüge des kleinen nordhessischen Flughafens hervor: „Wir reisen seit Jahren vom Kasseler Flughafen und sind immer wieder angetan von der entspannten und freundlichen Atmosphäre. Kein Vergleich zu anderen, größeren Flughäfen.“

Für viele andere Fluggäste ist der Kassel Airport aufgrund der „minimalen Auswahl“ hingegen keine Alternative zum Flughafen Frankfurt. Wobei manchem Reisenden schon eine Flugroute mehr ausreichen würde: „Wenn ihr Lanzarote ins Programm mit nehmen würdet, wäre ich sofort dabei.“

Fraport trennt Passagiere und Gepäck – Tausende Koffer stapeln sich

+++ 15.10 Uhr: An deutschen Flughäfen wachsen die Kofferberge. So auch in Frankfurt. Hier gibt es besonders viele Abfertigungsprobleme, denn viele Reisende wechseln am größten Flughafen Deutschlands den Flieger. Laut einer Umfrage der Presseagentur dpa muss eine wachsende Menge an Koffern umgeschlagen werden, die erst nach ihren Besitzern am Zielort ankommen. An den Drehkreuzen Frankfurt und München werden deshalb häufig Passagiere und Gepäck getrennt.

Am Flughafen Frankfurt befinden sich zeitweise Tausende Koffer, die nachgesendet werden müssen. Das bestätigte Fraport, allerdings ohne exakte Zahlen zu nennen. Es sei aber mehr als zu dieser Zeit üblich. Grund sei die Unpünktlichkeit zahlreicher Flüge. Die Lufthansa strich unlängst Flüge, um das Gesamtsystem zu entlasten.

Flughafen Frankfurt im Chaos: Die Fraport verteidigt den Airport – gibt aber Fehler zu

Update vom Dienstag, 12. Juli, 11.09 Uhr: Für die Chaos-Situation am Flughafen Frankfurt ist der Standort selbst nicht allein verantwortlich. Das berichten zumindest die Chefs von Fraport und Lufthansa. Stattdessen sei es ein „industrieweites Problem“ – das schließlich am größten Flughafen Deutschlands münde. „Alle Unpünktlichkeiten an Flughäfen in Europa wirken sich auf Frankfurt aus“, heißt es vom Fraport-Vorstandsvorsitzenden Stefan Schulte. „Jede kleine Störung“ an anderen Flughäfen potenziere sich am Flughafen Frankfurt.

Der Personalmangel treffe die gesamte Branche. Der Stellenabbau während der Pandemie hat nun Konsequenzen: Der Flughafen kommt nicht mehr mit Neueinstellungen hinterher. Einsicht bei der Fraport: „Man kann im Nachhinein sagen, dass wir noch früher hätten anfangen müssen“, räumte Schulte ein.

Flughafen Frankfurt: Lufthansa stoppt Dienstreisen für Angestellte

Update vom Montag, 11. Juli, 09.45 Uhr: Das Chaos an den Flughäfen trifft die Angestellten der Lufthansa an einer weiteren Stelle. Die Fluggesellschaft hielt ihre Mitarbeiter dazu an, auf „nicht unbedingt erforderliche Dienstreisen zu verzichten.“ Das berichtet aeroTELEGRAPH am Montag (11. Juli). Nach Informationen des Branchenportals diene die Maßnahme dazu, Kapazitäten für Passagiere zu schaffen, deren Flüge abgesagt würden. Durch den derzeitigen Personalnotstand am Flughafen Frankfurt muss die Lufthansa bis zum Herbst noch tausende Flüge streichen.

Die Airline wolle deshalb alle ihre vorhandenen Sitzplätze ihren Passagieren zur Verfügung stellen. Um auf das aktuelle Chaos am Frankfurter Drehkreuz besser reagieren zu können, plane die Lufthansa außerdem nun von Woche zu Woche, wie viele Flüge in den darauffolgenden sieben Tagen annulliert werden müssten, schreibt aeroTELEGRAPH.

Flughafen Frankfurt: Reisende müssen weiter mit langen Wartezeiten rechen

Update vom Samstag, 09. Juli, 21.57 Uhr: Am Flughafen in Frankfurt ist es am Samstag erneut zu erheblichen Verzögerungen gekommen. Nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport gab es zum Teil lange Wartezeiten – vor allem bei der Gepäckausgabe. Das befürchtete Chaos sei allerdings ausgeblieben, sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

Am Samstag waren laut Fraport rund 1290 Starts und Landungen geplant, das entspricht ungefähr der Zahl an Flugbewegungen vom Vortag. Erwartet wurden an Deutschlands größtem Airport etwa 180.000 Passagiere. Der Flughafenbetreiber empfahl Reisenden, ausreichend Zeit für die Anreise einzuplanen und mindestens zweieinhalb Stunden vor Abflug am Check-in-Schalter zu sein. 

Tipps für den Urlaubsflug

Mit diesen Tipps und Tricks können Sie dazu beitragen, zusätzlichen Stress am Flughafen Frankfurt zu vermeiden.

Flughafen Frankfurt: Tausende Koffer warten auf Versand - weitere Flugstreichungen

Update vom Samstag, 09. Juli, 13.30 Uhr: Nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport lagern derzeit allein am Frankfurter Flughafen rund 5000 Koffer, die wegen Umbuchungen und Stornierungen nachgesendet werden müssen. „In Spitzenzeiten bewegt sich die Zahl der betroffenen Koffer im vierstelligen Bereich“, sagte ein Fraport-Sprecher. Weitere außergewöhnliche Beeinträchtigungen des Flugverkehrs am Flughafen Frankfurt gab es am Freitag (08. Juni) jedoch nicht. Nachdem der Hauptkunde Lufthansa weitere Verbindungen gestrichen hatte, meldete der Betreiber Fraport einen normalen Betrieb. Nach insgesamt 122 Annullierungen seien am Freitag auf Deutschlands größtem Flughafen 1.270 Starts und Landungen geplant gewesen, sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport.

In den vergangenen Wochen gab es ein großes Problem mit der Bodenabfertigung von Jets. Die meisten Flugausfälle am Freitag gingen auf die Lufthansa zurück. Später wurden weitere 770 Flüge in München und Frankfurt von Freitag bis einschließlich Donnerstag (8. bis 14. Juli) gestrichen. Diese Zahl kommt zu den rund 3.000 Flügen hinzu, die Lufthansa zuvor an zwei Drehkreuzen im Juli und August gestrichen hat.

Flughafen Frankfurt: Lufthansa öffnet kleinere Buchungsklassen wieder

+++ 15.35 Uhr: Lufthansa bietet seine Europaflüge ab sofort wieder zu normalen Preisen an. Das berichtet die dpa. In den vergangenen Wochen hatte die Airline ihre Tickets sowohl in der Business- als auch in der Economy-Klasse künstlich verknappt und damit die Preise in die Höhe schnellen lassen.

Mit der Maßnahme wollte Lufthansa laut dpa Sitzplätze in den Maschinen für diejenigen Passagiere freihalten, die aufgrund der zahlreichen Absagen auf andere Flüge umgebucht werden mussten. Da die Umbuchungen nun stattgefunden hätten, würden die Tickets wieder im normalen Umfang angeboten.

Chaos am Flughafen Frankfurt geht weiter: Lufthansa erhöht Zahl der Geisterflüge

Update vom Freitag, 08. Juli, 10.15 Uhr: Um die chaotischen Flugpläne zu stabilisieren, will die Lufthansa bis zum kommenden Donnerstag (14. Juli) nicht nur weitere Flüge streichen, sondern auch die Zahl der Geisterflüge deutlich erhöhen. Das geht aus einem internen Papier der Airline hervor, über das n-tv berichtet. Bei Geisterflügen, auch Ferryflights genannt, werden nur Crewmitglieder und Gepäck, aber keine Passagiere transportiert. Die Maßnahme diene der „Stabilisierung der Crews“ und der Verbesserung der Gepäcksituation.

Nach Informationen von n-tv lagern derzeit mehr als 20.000 Gepäckstücke am Flughafen Frankfurt, die es nicht mehr rechtzeitig in die Flieger geschafft hatten. Liegengebliebene Gepäckstücke werden den Fluggästen normalerweise an ihre jeweilige Reiseadresse hinterhergeschickt. Die Verzögerungen am Drehkreuz Frankfurt seien aber zeitweise so groß gewesen, dass manche Betroffene schon wieder von ihrer Reise zurückgekehrt seien, ihr Gepäck aber immer noch am Flughafen lagere.

Flughafen Frankfurt: Lufthansa entscheidet nächste Woche über weitere Maßnahmen

Die Geisterflüge sollen nun dazu beitragen, die verloren gegangenen Gepäckstücke an die betroffenen Passagiere zurückzuführen. Wie lange die Streichung von Flügen und die vermehrten Geisterflüge bei der Lufthansa anhalten, ist bislang noch unklar. Die Fluggesellschaft werde nächste Woche über eine Verlängerung der Maßnahmen entscheiden, berichtet n-tv.

Chaos am Flughafen Frankfurt geht weiter: Lufthansa streicht weitere Flüge

+++16.51 Uhr: Die Lufthansa streicht bis zum kommenden Donnerstag (14. Juli) erneut Flüge am Flughafen Frankfurt. Die genaue Zahl der Streichungen stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher gegenüber der dpa am Donnerstag (07. Juli). Es würden vor allem kurze Flüge am späten Nachmittag und abends aus dem Plan genommen, um die übrigen Verbindungen zu stabilisieren. Lufthansa hatte bereits zuvor in zwei Wellen mehr als 3000 Flüge für die Monate Juli und August abgesagt.

Besonders am Flughafen Frankfurt gibt es wegen Personalmangels Engpässe bei der Bodenabfertigung der Flugzeuge, von denen zunehmend auch die Frachttochter Lufthansa Cargo betroffen ist. Das Tochterunternehmen bestätigte, dass für das Wochenende vier Frachtflüge nach München verlegt worden sind. Der zwischenzeitlich geltende Stopp für den Transport lebender Tiere an Bord soll hingegen wieder aufgehoben werden.

Chaos am Flughafen Frankfurt: Probleme wohl noch über Monate

+++ 17.15 Uhr: Nach Einschätzung von Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte werden die Abfertigungsprobleme am Flughafen Frankfurt noch mehrere Monate anhalten. Man werde sich noch zwei bis drei Monate auf dem gegenwärtigen Niveau bewegen und auch noch weitere Flüge streichen müssen, erklärte Schulte am Dienstagabend laut einer Meldung der dpa. In Kooperation mit dem Hauptkunden Lufthansa sind in Frankfurt für die Monate Juli und August bereits mehrere hundert Flüge gestrichen worden. Das sei notwendig, um das System stabil zu halten, sagte der Fraport-Chef. „Das totale Chaos haben wir bislang vermieden.“ Und warnte mit Blick auf den baldigen Schulferienbeginn in Hessen und Rheinland-Pfalz, dass die Situation noch schlimmer werden könnte: „Die Sommer-Peaks kommen noch.“

Es gebe eine relativ hohe Unpünktlichkeit und insbesondere beim Gepäck lange Wartezeiten, für die sich Schulte bei den Passagieren entschuldigte, schreibt die dpa. Schulte räumte ein, die Entwicklung im Laufe der Corona-Krise falsch eingeschätzt zu haben. Die Abwanderung von Beschäftigten mit niedrigen Einkommen habe man aber selbst mit aufgestocktem Kurzarbeitergeld nicht verhindern können, weil diese Menschen auch auf die Schichtzulagen angewiesen seien. Sie hätten sich in anderen Branchen Jobs gesucht. Fraport hat nach Schultes Angaben seit Spätsommer 2021 fast 1000 Leute wieder neu eingestellt, hat aber Bedarf für mehrere hundert weitere.

Chaos am Flughafen Frankfurt: Aufregung um Lufthansa-Leerflug

Update vom Mittwoch, 06. Juli, 14.03 Uhr: Am Flughafen Frankfurt herrscht aufgrund der massiven Personalnot seit Wochen Chaos. Auch die Lufthansa trägt mitten in der Urlaubszeit zum Durcheinander am Frankfurter Airport bei. Immer häufiger storniere die Fluggesellschaft geplante Passagierflüge und lasse die Flugzeuge stattdessen ohne Fluggäste zu den Flughäfen fliegen, behauptet das Branchenportal Aviation.Direct.

So sei zuletzt der Lufthansa-Flug LH202 von Frankfurt nach Berlin von der Fluggesellschaft kurzfristig storniert worden. Über eine Lautsprecherdurchsage habe die Lufthansa die Fluggäste in Frankfurt darüber informiert, dass der Berlin-Flug ausfällt. Tatsächlich flog die Maschine dann aber doch in die Hauptstadt - allerdings ohne Passagiere. Lufthansa begründete den Leerflug gegenüber Aviation.Direct damit, dass die Maschine für einen stabilen Flugplan in Berlin positionieren werden sollte.

Flughafen Frankfurt: Ex-Bild-Chef von Flugstornierung betroffen

Die betroffenen Reisenden hätten nach der Flugstornierung außerdem keinerlei Unterstützung von der Lufthansa bekommen, schreibt Aviation.Direct weiter. Weder Hotelzimmer noch Zugtickets habe die Fluggesellschaft ihren Passagieren nach der Absage zur Verfügung stellen können. Zumindest gekaufte Zugtickets könne man bei der Lufthansa aber zur Erstattung einreichen.

Die designierten Passagiere des Flugs LH202 hinterließ die schlecht kommunizierte Stornierung offenkundig wütend, wie das Beispiel des ehemaligen Bild-Chefs Kai Diekmann zeigt, der ein Ticket für den Flieger gehabt hätte, und auf Twitter sichtlich emotional auf die Absage reagierte. „Bitte sag mir, dass das nicht wahr ist….“, schrieb er an die Lufthansa gewandt, die sich „vielmals für die entstandene Verwirrung“ entschuldigte.

Chaos am Flughafen Frankfurt: „Das System ist ziemlich marode“

+++ 15.11 Uhr: Das Chaos im Luftverkehr ist nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi eine Folge des harten Wettbewerbs in der Luftfahrtbranche. Die Probleme seien bereits vor der Corona-Pandemie sichtbar gewesen, sagte Verdi-Vize Christine Behle am Dienstag (5. Juli) der dpa. „Die Arbeitgeber haben den Bogen überspannt, sodass kaum noch jemand in der Luftfahrt arbeiten will“, kritisierte die Gewerkschafterin. „Das System ist ziemlich marode. Die Tickets decken nicht die Kosten und wir haben unterirdische Arbeitsbedingungen. Irgendjemand muss für das Fliegen zahlen. Bislang war es das Personal. Das kann nicht so bleiben.“

An vielen Flughäfen, wie etwa am Flughafen Frankfurt, gibt es einen massiven Personalmangel, der im Urlaubssommer 2022 zu Verspätungen, Ausfällen und langen Wartezeiten führt, dessen Behebung aber Monate dauern dürfte. Verdi sieht als Grund teils jahrzehntealte Missstände, beispielsweise „Billigst-Ausschreibungen“ in der Flugzeugabfertigung, kontinuierlichen Lohnverfall und eine Zersplitterung verschiedener Dienstleistungen, die ein massives Steuerungsproblem an den europäischen Flughäfen hervorgebracht hätten.

Personalmangel am Flughafen Frankfurt: „Unternehmen haben Chance gewittert“

Erschwerend kommt hinzu: Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber haben sich – nicht nur laut dem Arbeitnehmerverband – verschätzt. Die Nachfrage nach Flugreisen hat sich nach der Corona-Krise schneller erhöht als erwartet. Bereits im Mai hatte das Passagieraufkommen in Frankfurt beispielsweise fast wieder Vor-Krisen-Niveau erreicht. Gleichzeitig sind viele Stellen weggefallen. Behle: „Die Unternehmen haben die Chance gewittert, erfahrene und entsprechend teure Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen loszuwerden. Da muss man sich jetzt nicht wundern, wenn etwas nicht klappt.“

Mit Sorge blickt Verdi-Vertreterin Behle auf die Situation bei der Lufthansa. Sie höre wegen der Dauerbelastung von Krankenständen in einzelnen Einheiten von bis zu 40 Prozent. Auch nähmen die tätlichen und psychischen Angriffe auf das Personal besorgniserregend zu. Vom Lufthansa-Management hofft Verdi in Kürze konkrete Handlungsschritte zu erfahren. Eine Lösung für die Branche insgesamt wären aus Gewerkschaftsperspektive angemessene Tarifverträge.

Chaos am Flughafen Frankfurt: Fraport streicht Frachtflüge

Update vom Dienstag, 05. Juli, 10.15 Uhr: Der akute Personalmangel am Flughafen Frankfurt wirkt sich nun auch auf den Luftfrachtverkehr aus. Wie das brancheninterne Nachrichtenportal airliners.de meldete, verhängt der Flughafen aufgrund des fehlenden Bodenpersonals eine vorübergehende Flugsperre für zahlreiche Frachtflüge an den traditionell verkehrsreichen Wochenendtagen. Betroffen sind demnach mehr als 30 Frachtflüge, darunter viele der Heimatfluggesellschaft Lufthansa Cargo, die etatmäßig zwischen Freitag und Sonntag durchgeführt werden. Das teilte der Frankfurter Flughafenbetreiber den Fluggesellschaften am Freitag in einer Stellungnahme mit.

Zusätzlich sollen in den nächsten Wochen weitere Frachtflüge auf verkehrsärmere Tage verlegt werden. Die Maßnahme gilt zunächst bis Ende August und soll dafür sorgen, dass der Flughafen Frankfurt den aktuell großen Ansturm von Urlaubern bewältigen kann. Während der Corona-Krise hatte der Flughafenbetreiber rund 4000 Stellen abgebaut - diese fehlen nun, um alle Passagier- und Frachtflüge bearbeiten zu können. Vor allem bei der Gepäckabfertigung kommt es derzeit immer wieder zu langen Schlangen und Wartezeiten. Fraport rät, dass Reisende für ihren Aufenthalt am Flughafen Frankfurt deshalb ausreichend Zeit einplanen sollen.

Chaos am Flughafen Frankfurt: „Hatten Angst, unseren Flug zu verpassen“

Erstmeldung vom Montag, 04. Juli: Am Flughafen Frankfurt kommt derzeit vieles zusammen. Der coronabedingte Personalabbau trifft auf das wiederentdeckte Fernweh der Passagiere. Immer wieder führt die enge Personaldecke dazu, dass die Gepäckausgabe nicht funktioniert. Eine erhöhte Corona-Krankenquote verschärft die Situation an Deutschlands größtem Flughafen noch einmal zusätzlich. Die Folge sind lange Wartezeiten, ausgefallene Flüge und Frust bei den Fluggästen.

An den Passagieren geht die Situation natürlich nicht spurlos vorbei. „Ich habe knapp vier Stunden auf meinen einen Koffer gewartet“, beklagte jüngst 62-jähriger Reisebüroleiter gegenüber Bild nach seiner Reise von Gran Canaria nach Frankfurt. Mit ihm hätten hunderte stundenlang in der Halle ausgeharrt: „Kinder haben völlig übermüdet geweint, Eltern waren genervt. Die Stimmung wurde von Minute zu Minute aggressiver.“

Passagiere haben Mitleid mit Mitarbeitenden

Die Mitarbeiter, so das Empfinden des Fluggastes, hätten sich „wirklich bemüht“. Aber: „Es waren einfach zu wenige.“ Ähnliches schilderten dem Boulevardblatt auch zwei junge Frauen auf ihrem Weg in den Mallorca-Urlaub: „Wir haben so was noch nie gesehen!“. Sie seien am Flughafen Frankfurt herumgerannt, aber immer, wenn sie jemanden angesprochen hätten, seien sie zu einem anderen Schalter oder Mitarbeiter geschickt worden.

Auch in den sozialen Netzwerken wird die Situation am Flughafen Frankfurt heiß diskutiert. Viele User bemängeln die langen Wartezeiten bei der Gepäckausgabe und kritisieren den großflächigen Stellenabbau während der Corona-Krise. „Es ist für die, die dort gerade arbeiten eine blöde Zeit und für uns Urlauber erst recht“, fasst eine Userin die Kritik zusammen. Vielfach wird der Fraport-Führung „Missmanagement und Unfähigkeit“ vorgeworfen. Andere wiederum sehen das Chaos gelassener: „Dann lieber Auto fahren und kein Stress“, verweist eine Userin auf eine Alternative zum Flugzeug.

Flughafen Frankfurt: Stellenabbau hat schwere Konsequenzen

Während der Corona-Krise hatte der Frankfurter Flughafenbetreiber rund 4000 Stellen abgebaut - das fehlende Personal macht sich nun bemerkbar. Fraport arbeitet intensiv daran, wieder neues Personal einzustellen, doch das dauere, erklärt Verdi-Gewerkschaftssekretär Christoph Miemietz. Neueinstellungen müssten erst durch die Sicherheitsüberprüfung und eingearbeitet werden. Erwartete Aushilfskräfte dürften es nach der großen Urlaubswelle im Sommer weiterhelfen.

Die Rückkehr der Reiselust stelle die gesamte Branche vor große Herausforderungen, sagt Dieter Hulick, Sprecher der Flughafenbetreiberin Fraport. „Richtig ist, dass uns an einigen Stellen noch nicht wieder in ausreichendem Maß Personal zur Verfügung steht und es daher in Spitzenzeiten zu Wartezeiten in den Terminals und bei den Gepäckausgaben kommen kann.“ Wegen der verlängerten Wartezeiten empfiehlt der Flughafenbetreiber zweieinhalb Stunden vor Abflug am Terminal zu sein.

Flughafen Frankfurt: Ausgefallener Flug sorgt für Verwirrung

Doppelt schwer wiegen in dieser Gemengelage Fälle wie der des Flugs LH202. Der Lufthansa-Flug von Frankfurt nach Berlin hätte eigentlich am Samstag (2. Juli) um 21.15 abheben sollen. Doch plötzlich tauchte der Flug auf der Anzeigentafel im Flughafen nicht mehr auf und per Lautsprecher-Durchsage kam nach einiger Wartezeit die Information, dass der Flug ersatzlos gestrichen wurde. Später am Abend machte im Internet dann allerdings eine Meldung die Runde, dass Flug LH202 entgegen der Durchsage doch noch verspätet abgeflogen war.

Und tatsächlich: LH202 landete am Samstagabend um 22:57 Uhr in Berlin – aber ohne eine Vielzahl der gebuchten Passagiere, wie unter anderem die Bild-Zeitung berichtete. Lufthansa twitterte später nach Beschwerden der wütenden Fluggäste: „Was die ‚Flugstreichung‘ von LH202 betrifft, sind wir selbst ratlos, haben hierzu aber mal intern nachgehakt.“ Ergebnis offen. (Niklas Hecht, Ares Abasi und Alexander Gottschalk mit dpa)

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